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Theater
Mutterschaft ist auch etwas Politisches
Das neue Stück "Mother Tongue" am Berliner Maxim Gorki Theater setzt sich mit Kinderwunsch auseinander. In der Inszenierung von Lola Arias geht es u.a. um das Leben als trans Vater und queere Co-Elternschaft.

Ufuk Tan Altunkaya, Cochon de Cauchemar, Kay Garnellen, Alice Gedamu, Millay Hyatt, Nyemba M'membe (v.l.) in "Mother Tongue" (Bild: Ute Langkafel)
- 12. September 2022, 05:36h - 2 Min.
Über Mutterschaft wird heute vielleicht ehrlicher gesprochen als noch vor einigen Jahren. Regisseurin Lola Arias setzt sich mit dem Thema nun am Berliner Maxim Gorki Theater auseinander. "Mother Tongue" erzählt von Kinderwunschklinik und Fehlgeburten, von neuen Familienmodellen und der schwierigen Zeit nach einer Geburt. Etwa wenn eine Frau ihr Baby in einer Szene mit einem Vampir vergleicht, weil sie beim Stillen solche Schmerzen empfindet.
Arias macht klar, dass für sie Mutterschaft auch etwas Politisches ist. "Im Jahr 2022 ist das Recht zu entscheiden, wann und wie man Mutter wird, immer noch ein umstrittenes", heißt es in der Beschreibung des Stücks, das am Sonntagabend in Berlin gezeigt wurde. Gestritten werde für und gegen eine Legalisierung von Abtreibungen.
"Enzyklopädie der Reproduktion im einundzwanzigsten Jahrhundert"

Plakatmotiv zum Stück (Bild: Esra Rotthoff)
"Der Diskurs polarisiert sich um zu hohe oder zu niedrige Geburtenraten, um künstlichen Befruchtung, die Legalisierung der Leihmutterschaft, die Adoption durch Alleinstehende und homosexuelle Paare", heißt es. "Mother Tongue" soll eine "Enzyklopädie der Reproduktion im einundzwanzigsten Jahrhundert" sein.
Das Stück ist eine zweistündige Collage aus Erzählungen und Musikstücken ("Like A Virgin"). Es geht um Sexualaufklärung in der "Bravo" und um Spermienqualität, um die schönen Seiten des Familienlebens und um neue Wege dorthin. Etwa wenn sich eine Frau mit einem schwulen Paar zusammenschließt, um gemeinsam ein Kind zu bekommen. Co-Elternschaft nennt sich das.
Arias stammt aus Argentinien und arbeitet an den Übergängen von Realität und Fiktion. Auf der Bühne geht es um Auslandsadoptionen, um das Leben als trans Vater und um Alltagsrassismus. Packend wird das Stück bei den längeren, detaillierten Textpassagen, wenngleich es insgesamt sehr viele politische Anliegen unterbringen will. Frühere Fassungen von "Mother Tongue" wurden in Bologna und Madrid gezeigt, eine dritte gibt es nun für Berlin. Bei der Premiere gab es Jubel.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Stück "Mother Tongue" auf der Homepage des Maxim Gorki Theaters
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