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Katholischer Reformprozess

Synodaler Weg: Kölner Bischöfe stimmten geschlossen gegen Grundlagendokument

Die Reformversammlung der katholischen Kirche hatte eine durchwachsenes Ergebnis. Insbesondere im mächtigen Erzbistum Köln wehrt man sich dagegen, queere Menschen zu akzeptieren.


Erzbischof Rainer Maria Woelki (re.) ist der Chef der Kölner Njet-Fraktion (Bild: Synodaler Weg / Maximilian von Lachner)
  • 12. September 2022, 11:02h 15 4 Min.

Der sogenannte Synodale Weg hat am Wochenende seine vierte Synodalversammlung mit einer Reihe von Beschlüssen beendet. "Wir haben viel geschafft", sagte die Präsidentin des Synodalen Wegs und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, am Samstag in Frankfurt am Main. Allerdings wirkte weiter das Scheitern des Grundlagendokuments zur Sexualethik (PDF) durch konservative Bischöfe nach – der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, nannte dies einen "Schock".

Die Mitglieder des aus Laien und Klerikern bestehenden Synodalen Wegs beschlossen unter anderem die Einrichtung eines Beraterorgans für die katholische Kirche in Deutschland, einen sogenannten Synodalen Rat. Angenommen wurden auch Texte zur Neubewertung der Homosexualität in der Lehre (PDF) sowie zur Teilhabe von Frauen an allen Diensten und Ämtern in der Kirche.

In erster Lesung abgenickt wurde der Text "Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt" (PDF). 94,5 Prozent der Synodalen stimmten dafür – weil es noch nicht die Schlussabstimmung war, war keine Zweidrittel­mehrheit der Bischöfe notwendig. Trans­geschlechtlichen Gläubigen soll es demnach erlaubt werden, "ihren Personenstand, d.h. Geschlechtseintrag sowie ihre(n) Vornamen im Taufregister ändern zu lassen". Mit Nein stimmte etwa der umstrittene Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki.

"Schmerzliche" Ablehnung des Grundlagenpapiers

Diese Abstimmungserfolge hätten allerdings die "Enttäuschung" nach der "schmerzlichen" Ablehnung des Grundlagenpapiers zu Sexualität und Partnerschaft nicht weggenommen, sagte der mit Stetter-Karp an der Spitze des Synodalen Wegs stehende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Bätzing.

Die Ablehnung hatte den Synodalen Weg an den Rand des Scheiterns gebracht. Zwar war der Text von der Synodalversammlung mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit angenommen worden, zugleich allerdings an fehlenden Stimmen aus den Reihen der anwesenden Bischöfe gescheitert. Von diesen müssen parallel ebenfalls zwei Drittel zustimmen. Bätzing beklagte erneut das Scheitern des "gelungenen, wunderbaren Signaltexts".

"Am Donnerstag drohte diese Krise, uns auseinanderzureißen", sagte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, Vizepräsident des Synodalen Wegs. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf kritisierte seine Kollegen aus der Bischofskonferenz. Kohlgraf sagte dem SWR, die Bischöfe hätten nicht mit dem Nein gerechnet. Er kritisierte, dass einige der ablehnenden Bischöfe sich nicht in der Debatte zu dem Papier geäußert hätten und in der Deckung geblieben seien.

Ablehnung aus Passau und Köln

Zu den Gegnern des Papiers zählten die als dezidiert konservativ bekannten Bischöfe wie der Passauer Bischof Stefan Oster. Wie der Kölner Weihbischof Ansgar Puff dem Domradio sagte, stimmten alle vier Bischöfe aus Köln – darunter der Erzbischof und Kardinal Rainer Maria Woelki – gegen das Papier. Sie hätten sich vorher aber nicht miteinander abgestimmt, behauptete Puff. Er selbst habe Teile des Textes gut gefunden, andere Teile aber nicht und deshalb mit Nein gestimmt.

Bischof Bode verwies darauf, dass das im Raum stehende Scheitern des Synodalen Wegs noch verhindert werden konnte. "Es ist uns gelungen, beieinander zu bleiben und Brücken zu bauen." Nach der Bestätigung des zentralen Grundlagentexts zur Rolle der Frauen in der Kirche am Freitagabend hatte sich die Lage wieder entspannt.

Bätzing versprach nun, den nach der Versammlung "großen gepackten Koffer" mit Forderungen nach Reformen mit nach Rom zu nehmen und dort "auf den Tisch der Weltkirche" zu legen. Es gehe letztlich "um die Zukunft der Kirche".

Wir sind Kirche: "Dramatische innerkirchlichen Situation"

Die gegenüber der Amtskirche kritische Gruppe Wir sind Kirche nannte die Vollversammlung ein "Abbild der dramatischen innerkirchlichen Situation" der katholischen Kirche in Deutschland. Wir sind Kirche warf den Bischöfen eine "schlichte Argumentation", eine nicht zu übersehende Polarisierung in der Bischofskonferenz und eine Verweigerung vieler Bischöfe, sich an inhaltlichen Debatten zu beteiligen, vor. Die nächste Synodalversammlung findet vom 9. bis 11. März 2023 in Frankfurt am Main statt.

Die katholische Kirche in Deutschland musste zuletzt einen Austrittsrekord verkraften: Fast 360.000 Menschen traten letztes Jahr aus der Glaubensgemeinschaft aus (queer.de berichtete). Laut einer im März veröffentlichten Studie seien die Missbrauchsskandale und die Homosexuellenfeindlichkeit der Kirche Hauptgründe dafür, die Kirchensteuerzahlungen einzustellen (queer.de berichtete).

Fraglich ist allerdings, ob die Beschlüsse überhaupt umgesetzt werden: Der Vatikan hatte bereits im Vorfeld der letzten Synodalversammlung mit seinem Veto gedroht (queer.de berichtete). (AFP/dk)

-w-

#1 ArbeitsViereckAnonym
  • 12.09.2022, 13:10h
  • Da wird der Arbeitskreis zum Viereck.

    Da müht man sich monatelang ab, einen "gelungenen, wunderbaren Signaltext" zu verfassen und am Ende bekommt man einen dicken fetten Stinkefinger vor die Fre... Nase.

    Aber es geht weiter... und nur 6 Monaten das gleiche Spiel von vorn. Ich prophezeie: Es wird wieder viel geredet, schön geschrieben, und am Ende stimmt die Sperrminderheit dagegen. Aber wieder ein paar Monate Zeit vertran.

    Wer unbedingt eine Kirche braucht und von dieser Gangart die Nase voll hat, der sollte sich vielleicht nach Alternativen umschauen.

    Alles andere erinnert schon ganz stark an Stockholm.
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#2 ganz einfachAnonym
#3 TrekieAnonym
  • 12.09.2022, 13:37h
  • Möglicherweise akzeptiert uns das Bistum köln ja, wenn wir alle ganz viele Spielschulden machen. Da haben die durchausnein herz für
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