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Serbien

Belgrad: Europride-Demo nun offiziell verboten

Nach der "Absage" des CSD durch den Präsidenten hat das Innenministerium die Pride-Demo und eine Gegenkundgebung untersagt.


Regenbogen- und Europrideflaggen am serbischen Regierungssitz (Bild: Norveka ambasada u Beogradu / twitter)

  • 13. September 2022, 14:58h 7 3 Min.

Das serbische Innenministerium hat am Dienstag die für Samstag geplante Europride-Demonstration in Belgrad offiziell untersagt. Nach einer ausführlichen Sicherheitsanalyse habe man entschieden, dass die Demo und ein angemeldeter "Familienmarsch" einer Gruppe von "Anti-Globalisten" nicht stattfinden könne, da man nicht für die Sicherheit der Teilnehmenden beider Gruppen und aller übrigen Bürger*innen garantieren könne.

/ belgradepride

Innenminister Aleksandar Vulin betonte, die Regierung müsse die öffentliche Sicherheit und Ordnung garantieren. Daher könnten beide Demonstrationen, geplant in zeitlicher und räumlicher Nähe zueinander, nicht stattfinden.

"Im Rahmen der aktuellen geopolitischen Situation und der Spannungen in der Region würden sinnlose Konflikte auf den Straßen von Belgrad die Position unseres Landes erschweren und die Sicherheit der Teilnehmer der Demonstration sowie anderer Bürger gefährden", so Vulin.

Verbot landet vor Gericht

Die Veranstalter des Europride und des CSD Belgrad kündigten an, gegen das Demo-Verbot vor Gericht zu ziehen. Mit dem offiziellen Verbot könne man nun erstmals dagegen vorgehen. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic hatte den Euro-CSD mit Verweis auf Sicherheitsbegründungen bereits Ende August abgesagt, ohne dass dies eine rechtliche Konsequenz hatte (queer.de berichtete).

Die lesbische Regierungschefin Ana Brnabic, früher selbst CSD-Besucherin, hatte sich hinter die Entscheidung gestellt und auf Sicherheitsgründe verwiesen. Sie sollte am Dienstagnachmittag bei einer Veranstaltung im "Pride House" im Rahmen des Euro-CSD teilnehmen.

/ BalkanInsight

Vor der Äußerung des Präsidenten hatten rechtsradikale Organisationen sowie Vertreter*innen der Serbisch-Orthodoxen Kirche u.a. mit einer Demonstration Stimmung gegen den Europride gemacht (queer.de berichtete). Entsprechende erlaubte queerfeindliche Großkundgebungen hatte es seitdem noch mehrfach gegegeben, zuletzt an diesem Wochenende (queer.de berichtete).

Der Europride hat derweil bereits mit diversen Veranstaltungen begonnen, er wird seit 1992 abwechselnd in verschiedenen europäischen Hauptstädten organisiert. In der Bewerbungsphase hatte Regierungschefin Brnabic in einem Brief die Durchführung und Sicherheit des Europride garantiert.

Weiter Appelle gen Belgrad

Vor dem Verbot vom Dienstag hatten unter anderem die LGBTI-Intergroup des Europaparlaments und der Queerbeauftragte der Bundesregierung Serbien aufgefordert, den Pride stattfinden zu lassen und die Sicherheit der Teilnehmenden zu gewährleisten. Sven Lehmann wird, wie unter anderem auch die Linke-Politiker*innen Daniel Bache und Didem Aydurmus, selbst zum Europride anreisen.

"Die Entscheidung der serbischen Regierung ist ein Schlag ins Gesicht der europäischen LSBTIQ*-Community", kommentierte Lehmann am Dienstagnachmittag. "Statt die LSBTIQ* gegen Attacken und Angriffe zu verteidigen, wird das Recht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit eingeschränkt. Das ist inakzeptabel und ein Affront gegen die vielen internationalen und nationalen Bemühungen der letzten Tage, den serbischen Behörden Kompromisse anzubieten", so der Grünenpolitiker. Es habe Vorschläge gegeben, die Strecke und Dauer des Pride Marches zu ändern, um es den Sicherheitsbehörden zu erleichtern, die Sicherheit der Teilnehmenden zu schützen. Lehmann wünsche dem EuroPride "viel Erfolg" bei der angekündigten Klage. "Eine friedliche Demonstration ist möglich und muss stattfinden."

Auch die Grünenpolitikerin Terry Reintke wird zusammen mit einem Dutzend weiterer EU-Abgeordneter nach Belgrad reisen. "Wir verurteilen die Entscheidung der serbischen Polizei", kommentierte die Co-Vorsitzende der Intergroup. "In den vergangenen Wochen standen wir und die Organisator*innen in intensivem Dialog mit den serbischen Behörden, um einen friedlichen und geordneten Pride zu ermöglichen, der die Sicherheit der Teilnehmenden garantiert. Wir erwarten von den serbischen Sicherheitsbehörden, jetzt alles zu tun, um einen Pride und damit die Ausübung von geschützten Grundrechten nach wie vor zu ermöglichen." (nb)

-w-

#1 NatürlichAnonym
  • 13.09.2022, 17:17h
  • Das wird die EU dann hoffentlich entsprechend bei dem "Bitte, bitte, wir hätten auch gern Geld von der EU, Pardon: Wir möchten die Union als Mitglied auch unterstützen"-Gejaller berücksichtigen.
    Allerdings: Wenn ich mir die inner-europäische mindestens Duldung von staatlicher Hetze und Gewalt gegen LGBTQIA* ansehe, dann hege ich meine Zweifel, ob derartige Verstöße gegen eigentliche EU-Maßstäbe nicht doch als Pluspunkt für die Aufnahme angesehen werden.
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#2 Pride
  • 13.09.2022, 18:57h...
  • Das Verbot muß aufgehoben und der Euro-Pride garantiert werden. Hoffentlich entscheidet das Gericht dementsprechend. Serbien soll die Finger vom Kosovo lassen und erkennen, daß es sich mit seinen Annäherungen an Rußland auch jetzt mit dem aktuellen Kriegsgeschehen auf Talfahrt begibt. Mit der Aufnahme in die EU kann's auch nichts werden, wenn es den Euro-Pride als eine Demo für das Menschenrecht der geschlechtlichen Identität und sexuellen Orientierung verbietet. Ein Verbot der queerfeindlichen Demos von Rechtsextremist*innen etc. hätte allerdings angesagt sein müssen.
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#3 EuropäerAnonym
  • 13.09.2022, 20:31h
  • Antwort auf #2 von Pride
  • Serbien will, genauso wie andere Länder überhaupt nicht in die EU. Wäre das ernsthaft beabsichtigt, dann würden sie mehr Anstrengungen unternehmen.

    Von "Annäherung" kann hier keine Rede sein, da Serbien Russland bereits immer nahe war. Der Status des Kosovo ist umstritten und selbst einige EU Länder erkennen die Unabhängigkeit nicht an.

    Aber all das sind Themen, die nicht für diese Site sind.

    Punkt ist, solange bei unseren Paraden in Deutschland Menschen ermordet werden und Rechtsextreme die Veranstaltungen stören, oder Angehörige der LGBT Community aus Verzweiflung zur Selbstverbrennung greifen müssen, haben wir nicht das Recht von anderen Ländern irgendwas einzufordern. Wir müssen erst einmal vor der eigenen Haustüre kehren. Da haben wir noch einiges zu tun.

    Es ist immer einfach, aus dem bequemem Fernsehsessel Ghandi zu spielen.
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