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Konservativer Jurist

Ken Starr gestorben

Weltweit bekannt wurde der US-Jurist, weil er genüsslich Bill Clintons sexuelle Vorlieben publik machte, um den unter Konservativen verhassten Präsidenten zu stürzen. Starr war aber noch in vielen anderen juristischen Kämpfen aktiv – etwa gegen die Ehe für alle.


Kenneth Starr kämpfte als konservativer Anwalt auch gegen das Ehe-Recht für Schwule und Lesben (Bild: Gage Skidmore / flickr)
  • 14. September 2022, 10:24h - 3 Min.

Der amerikanische Jurist Kenneth "Ken" Starr ist am Dienstag im Alter von 76 Jahren an Komplikationen nach einer Operation in Houston (US-Bundesstaat Texas) gestorben. Das teilte seine Familie mit. Starr war insbesondere in den Neunzigerjahren durch die Lewinsky-Affäre bekanntgeworden – und machte sich damit einen Namen in rechtskonservativen Kreisen. Immer wieder war er danach als Anwalt in medienwirksamen Kampagnen aktiv, so auch in den Nullerjahren in der Auseinandersetzung um die Ehe für alle.

Starr war 2009 Anwalt für ProtectMarriage.com – dabei handelte es sich um eine ultrakonservative Dachorganisation, deren einziges Ziel es war, Schwulen und Lesben das Ehe-Recht vorzuenthalten oder wieder zu entziehen. Starr argumentierte vor dem Supreme Court in San Francisco im Rechtsstreit um Proposition 8, also das Ehe-Verbot für gleichgeschlechtliche Paare in Kalifornien. Er argumentierte damals, dass es in Ordnung sei, Homosexuellen das Grundrecht auf Eheschließung zu entziehen, sollte die Mehrheit dies beschließen. "Über Rechte wird am Ende vom Volk entschieden", argumentierte er damals.

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Das Landesverfassungsgericht entschied daraufhin, dass das Ehe-Verbot rechtens sei (queer.de berichtete). Vier Jahre später sollte das US-Bundesverfassungsgericht schließlich das Verbot aufheben (queer.de berichtete).

"Zigarre in Frau Lewinskys Vagina"

Berüchtigt geworden war Starr zuvor als sogenannter "Unabhängiger Sonderermittler" gegen Bill Clinton. Er ermittelte seit 1994 wegen Korruptionsvorwürfen in Zusammenhang mit Immobilienfinanzierung gegen den Präsidenten. Als er in dieser Frage nicht weiterkam, schwenkte er auf die Ermittlung außerehelicher Aktivitäten Clintons um – und veröffentlichte 1998 seinen inzwischen legendären "Starr Report", in dem er genüsslich die nach Ansicht vieler Republikaner unmoralischen Eskapaden des Präsidenten aufzählte ("Dann schob der Präsident eine Zigarre in Frau Lewinskys Vagina, nahm die Zigarre anschließend in den Mund und sagte: 'Das schmeckt gut'"). Eine Amtsenthebung des Präsidenten wurde jedoch vom Senat abgelehnt.

2020 sorgte Starr erneut für Schlagzeilen, als er im Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen US-Präsidenten Donald Trump dessen Anwaltsteam verstärkte. Monica Lewinsky reagierte damals auf Twitter auf die Ankündigung mit den Worten: "Heute ist eindeutig ein Tag von der Sorte: 'Wollt ihr mich verarschen?'" Nach dem Tod des Juristen erklärte die ehemalige Clinton-Praktikantin am Mittwoch, dass sie "komplizierte Gefühle" gegenüber Starr habe – wichtiger sei jetzt aber der Schmerz seiner Angehörigen.

/ MonicaLewinsky
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Starr inszenierte sich selbst stets als gottesfürchtigen und hochmoralischen Mann, allerdings wurde er letztes Jahr von einer ehemaligen Mitarbeiterin beschuldigt, eine Affäre mit ihr gehabt zu haben. Zudem war er bereits 2016 als Kanzler der baptistischen Baylor University gefeuert worden, weil er Berichte von sexueller Gewalt in einer College-Football-Mannschaft nicht angemessen nachgegangen sein soll. (dk)

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