https://queer.de/?43245
Hass
Transphober Lehrer in Irland hinter Gittern
Ein irischer Geschichtslehrer wollte aus religiösen Gründen eine*n trans Schüler*in nicht anerkennen und wurde deshalb suspendiert. Weil er sich nicht an Gerichtsanweisungen hielt, ist er nun in Haft – und sieht sich als Opfer.

In den irischen Fernsehnachrichten wird immer wieder über Enoch Burke berichtet (Bild: Screenshot RTÉ)
- 16. September 2022, 12:11h 3 Min.
Der transphobe Geschichtslehrer Enoch Burke sitzt seit rund zwei Wochen in der irischen Hauptstadt Dublin im Gefängnis – und ist unter transphoben Aktivist*innen zum Symbol für die angebliche Verfolgung von queerkritischen Christ*innen geworden. Sich selbst beschreibt Burke als politischen Häftling, der wegen seines Glaubens verfolgt werde.
|
Der Hintergrund: Burke unterrichtete Geschichte an der Wilson's-Hospital-Schule in Multyfarnham im irischen Bezirk Westmeath. Die von der anglikanischen Kirche betriebene Einrichtung hatte dem Lehrer mitgeteilt, dass ein*e Schüler*in trans sei und das geschlechsneutrale Pronomen "they" bevorzuge – und auch so angesprochen werden müsse. Die Eltern unterstützten ihr Kind in seiner Geschlechtsidentität. Burke weigerte sich jedoch, die Anweisung umzusetzen und äußerte sich bei einer Schulveranstaltung transphob – dabei geriet er auch mit der Rektorin aneinander. Daraufhin wurde er im Juni bei voller Bezahlung freigestellt und ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Als der Lehrer dennoch zur Schule kam, wurde ein gerichtliches Betretungsverbot ausgesprochen, das Burke jedoch wiederholt brach. Wegen Missachtung des Gerichts musste er Anfang September ins Gefängnis.
In vielen Online-Berichten von rechtskonservativen Meinungsseiten in englischsprachigen Ländern wurde fälschlicherweise behauptet, dass Burke wegen seiner Weigerung, Transgeschlechtlichkeit zu akzeptieren, inhaftiert wurde. Dabei wurde etwa auch ausgeführt, dass sich Irland der "Trans-Tyrannei" ("The American Conservative") hingebe.

Ein "Irish Conservative" vermutet die "woke Ideologie" am Werk
"Transgenderismus widerspricht meinem christlichen Glauben"
Der Lehrer inszeniert sich auch selbst als Justizopfer: "Das ist ein Angriff auf die Redefreiheit, Glaubensfreiheit und meinen guten Ruf", erklärte Burke. Vor Gericht behauptete er ferner: "Ich bin heute hier, weil ich einen Jungen nicht als Mädchen bezeichnen will. Transgenderismus widerspricht meinem christlichen Glauben. Das widerspricht der Bibel."
|
Burke entstammt aus einer prominenten Familie. Seine Eltern hatten zehn Kinder, die allesamt Homeschooling erhalten hatten, also nicht in eine reguläre Schule geschickt worden sind. Viele von ihnen wurden danach erfolgreiche Akademiker*innen, die wegen guter Leistungen Stipendien erhielten. Sie waren sehr aktiv in Studierendenpolitik und protestierten oft gegen queere Rechte – die gesamte Familie demonstrierte etwa vor dem irischen Parlament gegen die Gleichbehandlung Homosexueller. Burke selbst veröffentlichte 2020 ein Buch im Selbstverlag, in dem er zwei Pfarrern vorwarf, sich von Gott abgewandt zu haben – einer von ihnen ist offen schwul ("The Hedonism and Homosexuality of John Piper and Sam Allberry: The Truth of Scripture").
Die Republik Irland galt einst als eines der queerfeindlichsten Länder in Europa. Erst 1993 wurde Homosexualität legalisiert. Inzwischen hat sich die Einstellung gegenüber sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten aber grundsätzlich gewandelt. 2015 führte das Land etwa ein Selbstbestimmungsgesetz für trans Menschen ein, das derzeit auch von der Ampel-Regierung in Deutschland geplant wird (queer.de berichtete). Im selben Jahr öffnete Irland die Ehe für Schwule und Lesben – zwei Jahre, bevor Deutschland diesen Schritt wagte. (dk)















