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David Bowie

Der queere Mann vom Mars

Die neue Doku "Moonage Daydream" nähert sich dem Pop-Phänomen David Bowie. Der Film von Brett Morgan gleicht dabei mehr einer experimentellen Collage denn einer chronologischen Erzählung – zum Glück.


Regisseur Brett Morgen erzählt in "Moonage Daydream" das Leben David Bowies durch dessen Augen und Aussagen (Bild: Universal Pictures)

Die Hochphase der alles überstrahlenden Popstars scheint gegenwärtig abgeebbt. Und doch geht von den sogenannten Stars der 1970er und 1980er Jahre – der Blütezeit der Popkultur – bis heute eine derartige Strahlkraft aus, dass es auch in der Gegenwart in regelmäßigen Abständen neue, hochproduzierte Biopics über die wichtigsten und erfolgreichsten Protagonist*innen jener Zeit gibt.

Die meisten davon sind eher unappetitlich und kitschig – wie etwa die Musicalstreifen "Rocketman" und "Bohemian Rhapsody" über Elton John und die Band Queen. In eine andere Kerbe schlägt indes "Moonage Daydream", ein neuer Dokumentarfilm des Regisseurs Brett Morgan, der sich darin dem Pop-Phänomen David Bowie zu nähern versucht.

Sehnsucht nach Transzendenz


Poster zum Film: "Moonage Daydream" läuft noch einmal am Sonntag, den 18. September 2022 in ausgewählten Kinos

Der Film beginnt dabei mit düster-faszinierenden Aufnahmen einer Kraterlandschaft vom Mars. Zufall ist das natürlich nicht: Der künstlerische Zenit von David Bowie fällt in die 1970er Jahre, also just jener Zeit, in der die Öffentlichkeit geradezu besessen war von der Idee außerirdischen Lebens. Wie kein anderer Popstar verkörperte David Bowie diese Sehnsucht nach Transzendenz und inszenierte sich insbesondere in seiner Frühphase als Alien, was ihn nicht zuletzt auch für seine spektakuläre Hauptrolle im Science-Fiction-Klassiker "The Man Who Fell To Earth" (dt.: "Der Mann, der vom Himmel fiel") qualifizierte.

Wie in Dokumentarfilmen der jüngeren Zeit üblich, verzichtet der Film auf einen einordnenden Kommentar aus dem Off und setzt an dessen Stelle den Protagonisten selbst: Aus einem Sammelsurium aus Interviewschnippseln ergibt sich dadurch ein von David Bowie erzähltes Biopic über David Bowie, das zum Glück keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder eine kohärent erzählte Story erhebt. Stattdessen ist der Film inhaltlich wie formell stark fragmentiert: Schnelle Schnitte und schrille Bilder wechseln sich ab mit teils drastischen Sprüngen in Bezug auf Zeit und Ort. Dieser formell-ästhetische Zugang wird dabei zugleich dem Phänomen selbst gerecht, das im Mittelpunkt des Filmes steht.

Denn wie kein Zweiter steht David Bowie bis heute für das nicht zu fixierende Chamäleon der Popmusik. Statt die allseits hohe Nachfrage an authentischen, nahbaren Popstars zu bedienen, repräsentierte er mit seinen öffentlichen Inszenierungen nicht eine, sondern eine Vielzahl an verschiedenen Kunstfiguren. Immer wieder erfand er sich neu, eine Rolle löste fortlaufend die nächste ab. Neben seinen mal maskulinen, mal femininen und mal androgynen Auftritten symbolisierte sich dieser Versuch, eine von Zuschreibungen entkoppelte Kunstfigur zu kreieren, in besonders treffender Weise in seiner öffentlichen Deklarierung als bisexuell Anfang der 1970er Jahre – für damalige Verhältnisse ein Tabubruch sondergleichen.


Coming-out als bisexuell Anfang der 1970er Jahre: David Bowie (Bild: Universal Pictures)

Die Fallen des Geniekults

Schade ist, dass der über zwei Stunden dauernde Film wie so viele seiner Art am Ende zumindest auch dem in der bürgerlichen Gesellschaft so gern betriebenen Geniekult erliegt: Zwar steht Bowie als künstlerisch wirkende Figur klar im Mittelpunkt des Geschehens, doch wird dieses immer wieder durch kurze Einspieler etwa von manischen, Bowie ganz und gar erlegenen Fans durchkreuzt, die suggerieren sollen: David Bowie war ein unerreichter Ausnahmekünstler. Eine geradezu autoritäre Vorstellung, die nicht zuletzt aus kommerziellen Beweggründen so gerne wie inflationär rezipiert wird. Radikal und mutig wäre es gewesen, auf diese Art des Framings gänzlich zu verzichten und stattdessen einen Film zu drehen, der sich konsequent auf Bowie und seine künstlerischen Praktiken selbst konzentriert.

Doch jenseits dieses Wehmutstropfens ist "Moonage Daydream" ein überaus sehenswerter, kurzweiliger und nicht zuletzt informativer Film geworden, der zeigt, dass die ästhetische Wirkung Bowies auch Jahre nach seinem Tod ungebrochen ist.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film
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Infos zum Film

Moonage Daydream. Dokumentarfilm. USA 2022. Regie: Brett Morgen. Laufzeit: 135 Minuten. Sprache; englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Universal. Nur am 15. Und 18. September 2022 in ausgewählten Kinos
-w-

#1 andreAnonym
#2 LothiAnonym
  • 17.09.2022, 16:32h
  • Antwort auf #1 von andre
  • Und, was willst Du uns damit sagen? Etwa wie Konservativ dieser Ausnahmekünstler in Wirklichkeit gewesen ist? Immerhin hat D.Bowie sich ja auch mit seine letzten Frau sogar kirchlich trauen lassen.
    Doch bei all diesen Unstimmigkeiten ist und bleibt er für mich ein grandioser Musiker und ein Wegbereiter.
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#3 Schon
  • 17.09.2022, 21:01hFürth
  • Antwort auf #2 von Lothi
  • Sehe ich auch so. Aber Bowie ist immer noch beliebt. Ich hatte vor ein paar Wochen Musik von Bowie auf unserem Modellflugplatz an, und ein Vereinskollege meinte er mag seine Musik auch immer noch sehr.
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