Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?43279

Österreich

220 Euro Geldstrafe für "Anti-Homo-Haus"

In der Pension "M-Quartier" im niederösterreichischen Aggsbach-Markt sind homosexuelle Gäste unerwünscht. Sieben Monate nach Bekanntwerden des Skandals handelt nun die Verwaltung.


Das "M-Quartier" in Aggsbach Markt lehnt lesbische und schwule Gäste ab

Ein schwerer Diskriminierungsfall in Österreich entwickelt sich zur Farce. Im Februar berichtete die Regionalpresse erstmals über die Hausordnung der Pension "M-Quartier" in in Aggsbach-Markt, die eine Tirade gegen queere Menschen enthält und Homo­sexuelle zu unerwünschten Personen erklärt (queer.de berichtete). Über ein halbes Jahr sahen Politik und Verwaltung keine Möglichkeit, gegen den christlichen Betreiber vorzugehen. Erst Ende August verhängte die Bezirkshauptmannschaft (BH) Krems nach dem NÖ Anti­diskriminierungs­gesetz (ADG) nun eine Geldstrafe – in Höhe von 220 Euro. Darüber berichteten am Mittwoch die "Niederösterreichischen Nachrichten".

Die "M-Quartier" vermarktet sich selbst als "Anti-Homo-Haus". "Mit Homosexualität, Pädophilie und Gender-Ideologie wollen wir nichts zu tun haben", heißt es in der Hausordnung. "Diese Philosophien und Praktiken zerstören die seelische Gesundheit aller Betroffenen." Das "Arbeiter-Monteur-Quartier mit dem Komfort von zu Hause" geht auf seiner Website unter dem Punkt "Warum wir ein Anti-Homo-Haus sind" ausführlich auf die hasserfüllte Gästepolitik ein.


Screenshot von der "M-Quartier"-Website

Die Selbstbezeichnung sei eine Reaktion auf die Gründung der Rosa Lila Villa in Wien und die zunehmende Akzeptanz queerer Menschen in der Gesellschaft. "Die LGBT Lobby hat über die Jahre gut gearbeitet, denn Firmen und Institutionen geben lieber nach, als sich Ärger einzuhandeln", heißt es dort. "Durch unwahre Darstellungen, Mobbing, ja sogar mit Gewalt wurde ein Umdenken in der Gesellschaft erreicht. Was früher als krank und abscheulich galt, ist heute salonfähig."

- Werbung -

Diskriminierung queerer Menschen ist in Österreich legal

Nach österreichischem Bundesrecht ist diese Diskriminierung tatsächlich legal. Zwar sind queere Menschen gegen Ungleichbehandlung im Arbeitsrecht geschützt, nicht aber gegen Diskriminierung im Zivilrecht wie etwa beim Zugang zu Dienstleistungen. Obwohl das "Anti-Homo-Haus" im Februar in ganz Österreich für Empörung sorgte, ist keine Ausweitung des Schutzes in Sicht (queer.de berichtete).

Die NÖ Antidiskriminierungsstelle wiederum kann nur eingreifen, wenn Landesgesetze verletzt werden. Während sie dies im Februar noch verneinte, änderte sie im März ihre Auffassung. Das Landes-ADG schütze auch den Zugang zu und die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, einschließlich Wohnraum, erkannte die Vize-Gleichbehandlungsbeauftragte Claudia Grübler-Camerloher. Die BH schloss sich fünf Monate später dieser Sichtweise an.

Besitzer will Strafe nicht bezahlen

Gegenüber den "Niederösterreichischen Nachrichten" kündigte Pensionsbesitzer Michael Hirschmann an, die Strafe in Höhe von 220 Euro nicht bezahlen zu wollen. Die Buchungslage sei seit Bekanntwerden seiner queerfeindlichen Hausregeln dramatisch eingebrochen: "Bis Februar haben wir monatlich bis zu 4.000 Euro umgesetzt, jetzt sind es noch maximal 400 Euro", beklagte er sich gegenüber der Regionalzeitung. So gut wie alle Buchungsplattformen haben das "Anti-Homo-Haus" inzwischen von ihren Websites genommen. (cw)

-w-

-w-

-w-

#1 MesonightAnonym
  • 21.09.2022, 08:23h
  • Es freut mich sehr und ist wohl der größere Erfolg, dass seine Buchungen so zurückgegangen sind, ein Umdenken wird hier wohl aus Hass nicht stattfinden. Selbst schuld.
  • Direktlink »
#2 BumerangAnonym
  • 21.09.2022, 09:21h
  • " Die Buchungslage sei seit Bekanntwerden seiner queerfeindlichen Hausregeln dramatisch eingebrochen"

    Wenn man potentielle Gäste ablehnt, also freiwillig auf Umsätze verzichtet, darf man sich nicht wundern, wenn potentielle Gäste erst gar nicht nachfragen. Es ist doch nicht so, dass dazu aufgerufen wurde, das Haus zu meiden, sondern man steht ja selber öffentlich dazu steht, einige Gäste nicht zu wollen. Das ist dann eben öffentlicher geworfen.
  • Direktlink »
#3 OlliAnonym
  • 21.09.2022, 09:50h
  • Von mir aus soll er doch queere Gäste ablehnen. Ist sein gutes Recht als Hausherr. Typen wie er, die mich diskriminieren, kämen in meinem Hotel zum Ausgleich auch nicht unter.

    Losgelöst davon: hat sich jemand mal die zu mietenden Zimmer angesehen? Kein Mensch mit Geschmack, egal welcher Orientierung, wird dort auch nur einen Tag Urlaub machen wollen. Scheußliche Möbel, uralte Tapeten, ein hässlicher Linoleumboden... selbst meine über 97jährige Großmutter war progressiver und stilvoller eingerichtet, als dieser hassende Mensch.

    In meinen Augen hilft Ignorieren viel mehr. Denn die Kritik, die Klagen, das Theater und der Protest gegen diese Leute gibt ihnen die Öffentlichkeit, aus der heraus sie ihre Existenz definieren.

    Irre sollte man einfach nicht reizen. Wer in so einer abgerockten Bude Urlaub machen will: bitteschön. Auch in Österreich hat die Mehrheit der Gastgeber keine Probleme mit der sexuellen Orientierung der Gäste. Man sollte eben nur aufpassen, wo man sich einquartiert. Alleine der Begriff "Anti Homo Haus" ist doch schon abschreckend genug. Und wenn doch jemand genau deswegen da bucht: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. So sind alle zufrieden und wir können uns woanders wirklich erholen.
  • Direktlink »