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Schweiz
Prominente queere Sportler*innen sind Gesichter der Eurogames 2023
Zwei lesbische Sportlerinnen und zwei schwule Sportler aus der Schweiz sollen die Eurogames nach außen repräsentieren.

v.l.n.r.: Maja Neuenschwander, Christa Wittwer, Marco Lehmann und Curdin Orlik sind nächstes Jahr die Eurogames-Botschafter*innen (Bild: Eurogames Bern 2023 / Pascal-Triponez)
- 22. September 2022, 13:15h - 3 Min.
Maja Neuenschwander, Christa Wittwer, Marco Lehmann und Curdin Orlik sind die Botschafter*innen der Eurogames 2023 in Bern. Das Breitensportevent findet vom 26. bis 29. Juli des kommenden Jahres in der schweizerischen Hauptstadt statt und hat zum Ziel, queere Personen im Sport sichtbarer zu machen. Erwartet werden 3500 Athlet*innen aus ganz Europa in 27 Sportarten von Badminton, Fußball, Leichtathletik und Volleyball bis hin zu Schach, Quadball (Quidditch) und Roller Derby.
Neuenschwander und Wittwer sind offen lesbisch, Lehmann und Orlik offen schwul. Die teils ehemaligen Spitzensportler*innen setzen sich als Botschafter*innen für mehr Vielfalt und Inklusion im Sport ein. Neuenschwander ist ehemalige Schweizer Rekordhalterin im Marathon, Wittwer ist fünffache Schweizermeisterin im Speerwerfen. Orlik und Lehmann sind die ersten aktiven offen schwulen Spitzensportler in der Schweiz. Schwinger Orlik outete sich 2020, der Profibasketballer Lehmann ein Jahr später.
Das Event soll auch dazu beitragen, dass queere Menschen sich im Sport heimisch fühlen. Orlik beklagte etwa, dass er keine schwulen Vorbilder gehabt habe, als er jung gewesen sei. "Im Schwingen sowieso nicht. Und in anderen Sportarten auch nicht wirklich. Das hätte ich mir schon gewünscht", so der 29-Jähre. Er würde es begrüßen, wenn auch heterosexuelle Teilnehmende an den EuroGames mitmachen würden: "Dadurch erleben sie, dass schwule Männer im Sport nichts Außergewöhnliches sind."
Wittwer ergänzte: "Ich war schon immer gegen Ausgrenzungen. Eine bunte Durchmischung ist mir wichtig." Neuenschwander betonte, sie sehe den Sport als einfaches, aber dennoch mächtiges Mittel, um Menschen zusammenzubringen: "Über den Sport finde ich unkompliziert Gemeinsamkeiten mit Menschen, mit denen ich im Alltag sonst keine Berührungspunkte hätte."
"Teile der Community von einigen Disziplinen im Mainstream-Sport ausgeschlossen"
Trotz steigender Akzeptanz gebe es nach wie vor ein Bedürfnis, innerhalb der Community einen Sportanlass zu haben. So möchte man mit Gleichgesinnten Sport treiben, erklärte Sebastian Süess, der Leiter Eventbetrieb der Eurogames Bern. "Man darf nicht vergessen, dass Teile der Community von einigen Disziplinen im Mainstream-Sport kategorisch ausgeschlossen werden, zum Beispiel intergeschlechtliche Menschen oder trans Frauen", sagte Süess weiter. "Auch ist es für viele schwule Männer in klassischen Mannschaftssportarten immer noch keine Selbstverständlichkeit, offen zu ihrem Partner und somit zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen."
Die Eurogames Bern 2023 bieten neben männlichen und weiblichen Kategorien eine weitere für nicht-binäre Teilnehmende an. Zudem dürfen Athlet*innen in der Geschlechterkategorie antreten, mit der sie sich identifizieren.
Die Eurogames gibt es seit 1994. Sie finden in der Regel in jenen Jahren statt, in denen es keine weltweiten Turniere wie die Gaygames gibt. Auch Deutschland hat vier Mal die Veranstaltung ausgetragen: 1995 gab es Eurogames in Frankfurt, 1996 in Berlin, 2001 in Hannover und 2004 in München. 2020 hätten die Eurogames in Düsseldorf veranstaltet werden sollen, sie wurden aber wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Dieses Jahr trug Nimwegen das Sportevent aus. (pm/dk)
Links zum Thema:
» eurogames2023.ch















