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Fußball-WM

Schwuler DFB-Aufsichtsratsboss reist in den Verfolgerstaat Katar

Alexander Wehrle will in seiner Funktion als Aufsichtsratschef der DFB GmbH & Co. KG die Fußball WM in Katar besuchen, "auch wenn ich weiß, dass ich persönlich vielleicht gar nicht so willkommen bin".


Alexander Wehrle ist Vorstandsvorsitzender der VfB Stuttgart und Aufsichtsratsvorsitzender der DFB GmbH & Co. KG (Bild: IMAGO / Langer)
  • 25. September 2022, 11:40h 2 3 Min.

Während in anderen Ländern selbst heterosexuelle Fußballfunktionär*innen die WM in Katar boykottieren, wird der offen schwule Aufsichtsratschef der DFB GmbH & Co. KG Alexander Wehrle in den queerfeindlichen Golfstaat reisen. "Ich werde gegen Japan und Spanien dort sein", erklärte der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart gegenüber Bild TV: "Ich habe mich bewusst dafür entschieden, dort hinzugehen, auch wenn ich weiß, dass ich persönlich vielleicht gar nicht so willkommen bin."

Mit seiner Anwesenheit wolle er auch im Namen des Deutschen Fußball-Bundes "ein Zeichen setzen", so Wehrle. Auf Homosexualität steht in Katar eine bis zu siebenjährige Gefängnisstrafe, nach islamischem Recht ist sogar die Verhängung der Todesstrafe möglich. Geschlechtsangleichungen werden nicht anerkannt. Zuletzt hatten die WM-Organisator*innen erklärt, dass queeren Menschen während des Turniers unbehelligt bleiben würden. Auch diese seien "ohne Diskriminierung" willkommen, sagte jüngst der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani (queer.de berichtete).

Kein Verständnis für Kritik an "One Love"-Binde

Die heftige Kritik an der von der deutschen und sieben weiteren Mannschaften vorgestellten Kapitänsbinde kann Wehrle nicht ganz nachvollziehen. Die von vielen Seiten geforderte Regenbogen-Aussage sei "Bestandteil dieser One-Love-Message", sagte der 47-Jährige: "Egal woher du kommst, was du hast, was du glaubst oder wen du liebst – einfach alle Menschen müssen willkommen sein." Die "One Love"-Binde sei ein "klares Zeichen gegen Diskriminierung, Antisemitismus und Rassismus".

Auch der frühere Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm kann die Kritik an der Kapitänsbinde nicht ganz verstehen. "Es ist ein richtiges Zeichen, dass man sich zusammenschließt. Aber es muss nachhaltig sein und glaubwürdig vertreten werden in den nächsten Monaten bis hin zur Euro 2024 in Deutschland. Dass der Fußball auch eigene Symbole kreiert, finde ich eher positiv und ist eine Chance", sagte Lahm im "Bayern-Insider" bei bild.de.

Die Binde sollte nach DFB-Angaben gar keinen Regenbogen darstellen. Die Botschaft des "One Love Armbands" soll sich vielmehr gegen jede Form von Diskriminierung wenden. Fan-Vertreter*innen und Politiker*innen übten Kritik. FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai sagte der dpa, es sei ein schlechter Versuch, niemandem auf die Füße zu treten – weder der Pride-Bewegung noch den Ausrichter*innen der WM.

Dario Minden: "Der Sport muss ein Rückgrat entwickeln"

Bei der Veranstaltung "Katar 2022. Nicht unsere WM!" am Samstagabend in Frankfurt hat Fan-Vertreter Dario Minden die Sportverbände bei der künftigen Vergabe von Großveranstaltungen in die Pflicht genommen. "Der Sport muss ein Rückgrat entwickeln. Der Sport an sich muss sich fragen: Vor welchen Karren lasse ich mich spannen?", sagte der stellvertretende Vorsitzer des Fan-Bündnisses "Unsere Kurve".

"Die Verbände müssen langsam mal in die Richtung kommen, nicht jeden Euro aufzunehmen, egal wie blutig er ist", sagte Minden. Der Jurist aus Frankfurt hatte diese Woche für Aufsehen gesorgt, als er bei einem Kongress des Deutsche Fußball-Bundes (DFB) Abdulla Mohammed al Thani, den Botschafter Katars in Deutschland, direkt ansprach mit den Worten: "Ich bin ein Mann, und ich liebe Männer. Ich habe Sex mit anderen Männern. Das ist normal. Gewöhnen Sie sich daran oder verschwinden Sie aus dem Fußball."

/ dw_sports

Eingeladen zu der Veranstaltung in Frankfurt hatten das Netzwerk "Nie wieder!", "Unsere Kurve", der Verein Gesellschaftsspiele aus Berlin und die Initiative "Boycott Qatar". Dabei berichteten auch ein ehemaliger und aktueller Arbeiter aus dem Land des WM-Gastgebers. (cw/dpa)

Direktlink | Livestream der Veranstaltung "Katar 2022. Nicht unsere WM!"
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-w-

#1 swimniAnonym
#2 la_passanteAnonym
  • 26.09.2022, 10:36h
  • "vielleicht gar nicht so willkommen": doch doch, im Knast des Herrschers und auf seinem Schafott... Das dürfte ein heißer Kandidiat für die Beschönigung des Jahres sein.
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