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Fußball

"Man möchte darum herumkommen, die Regenbogen­fahne zu tragen"

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisiert die Kapitänsbinde der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit der Aufschrift "One Love" als "ein bisschen unbeholfen" und "reine Symbolik".


Joshua Kimmich mit "One Love"-Binde beim Soiel gegen Ungarn am Freitag in der Leipziger Red Bull Arena (Bild: IMAGO / Revierfoto)
  • 26. September 2022, 04:00h 6 2 Min.

Die Kritik an der Kapitänsbinde der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit der Aufschrift "One Love" reißt nicht ab. Für die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch ist sie "reine Symbolik". Das sei einfach nur so ein Zeichen, sagte Deutschland-Direktor Wenzel Michalski dem TV-Sender Sky. "Das ist ja kein politisches Statement, sondern man möchte darum herumkommen, die Regenbogenfahne zu tragen", urteilte er. Deswegen habe man sich dann sowas anderes ausgedacht. "Es wirkt ein bisschen unbeholfen, muss ich sagen", befand Michalski.

Die spezielle Kapitänsbinde wird zur WM von mehreren europäischen Nationalmannschaften eingesetzt. Nationaltorhüter Manuel Neuer wird mit der Binde die deutsche Mannschaft bei der WM in Katar als Zeichen gegen Diskriminierung und für Vielfalt anführen (queer.de berichtete). Auch beim abschließenden Nations-League-Spiel an diesem Montag (20.45 Uhr/RTL) in London gegen England soll der Stellvertreter für den wegen eines positiven Corona-Tests fehlenden Neuer wieder die "One Love"-Binde tragen.

DFB weist Kritik zurück

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte sich vor der Premiere der Kapitänsbinde bei der 0:1-Niederlage der deutschen Mannschaft gegen Ungarn gegen Kritik gewehrt. "Es ist ein Zeichen für Vielfalt und Offenheit und Toleranz, nicht nur für die LGBTIQ-Szene, sondern auch für Frauenrechte, für Meinungsfreiheit, für Arbeitnehmerrechte", hatte er im ZDF gesagt. "Das alles bildet diese Binde ab, und es ist insofern eine Binde, die für die Werte steht, für die auch der DFB steht."

Die Rechtslage für queere Menschen in Katar steht derzeit im Zentrum der Kritik – mehr noch als die bedenkliche Lage für Gastarbeiter*innen. Auf Homosexualität steht in Katar eine bis zu siebenjährige Gefängnisstrafe, nach islamischem Recht ist sogar die Verhängung der Todesstrafe möglich. Geschlechtsangleichungen werden nicht anerkannt. Human Rights Watch hatte schwule und lesbische Fußballfans vor einer Katar-Reise gewarnt (queer.de berichtete).

Auch Lob von Human Rights Watch für den DFB

Auf der anderen Seite lobte Michalski aber auch das Engagement des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Zusammenhang mit der WM für Menschenrechte. Dass der Verband einen Wiedergutmachungsfonds zugunsten der Familien von Opfern auf den Baustellen für die WM unterstütze, "ist eine tolle Sache", sagte Michalski. Und weiter: "Ich glaube, der DFB hat einen großen Schritt voran gemacht, jetzt in den letzten Wochen und Monaten. Aber es hat unglaublich lange gedauert." (cw/dpa)

-w-

#1 KonsequenzenAnonym
  • 26.09.2022, 09:21h
  • Welche Konsequenzen drohen denn Ausländern, wenn man die Regenbogenflagge (hier ja eher ein Motiv) in Katar zeigt?
    Finde es allerdings interessant welche Profi-Fussballer mit der One-Love-Binde jetzt schon rumlaufen.
    Es geht für die Spieler ja auch um mögliche Gehaltsausfälle in erheblichen Maße, da reicht die Solidarität dann doch nicht so weit.
    Einen wirklichen Vorwurf kann man Ihnen hier nicht machen, aber das das ganze Diversität- und Solidaritätgemache der Bundesliga nur fadenscheinig und kommerziell motiviert ist, da liegt doch das wirkliche Problem
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#2 SebiAnonym
  • 26.09.2022, 10:27h
  • Wie bereits an anderer Stelle gesagt:
    dann lieber ganz auf Symbole verzichten statt solcher Pseudo-Symbolik.

    Damit will man einerseits den Anschein erwecken, als stünde man für Vielfalt und Offenheit. Andererseits will man es sich aber auch mit niemandem verscherzen.

    Mit anderen Worten:
    man ist opportunistisch und dreht sein Fähnlein nach dem Wind. Sowas richtet noch mehr Schaden an, als wenn man einfach komplett darauf verzichtet.
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#3 SebiAnonym
  • 26.09.2022, 10:35h
  • Antwort auf #1 von Konsequenzen
  • Ja, im Gegensatz zu den einheimischen LGBTI könnten die Fußballer deutlich Farbe zeigen. Was soll dann passieren? Gar nichts. Aber es würde viel bewegen. Es wäre für die LGBTI vor Ort ein Stück Hoffnung und das Zeichen, dass sie nicht alleine sind.

    Aber dass dem Profi-Fußball Geld wichtiger ist als Menschenrechte wurde ja mit der Vergabe in dieses Land längst bewiesen. Und da geht es nicht nur um LGBTI-Rechte, sondern auch um die Arbeit auf den Baustellen und was da sonst noch so alles passiert ist, was aber bei der WM ignoriert werden soll.

    Money rules the world.

    Da reiht sich dieses Wegsehen der Spieler bei schwersten Menschenrechtsverletzungen durchaus gut ein.

    Ist halt einfacher, sein Gewissen beim Abflug zurückzulassen und sein Rückgrat so weit zu verbiegen, dass man das alles ignorieren kann und schön wegsieht.
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