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"Die Welt ist homophob"
Daniel Franzese kritisiert Hetero Brendan Fraser in schwuler Rolle
Hollywood traut sich bislang nicht, schwule Hauptrollen mit schwulen Schauspielern zu besetzen, beklagt Daniel Franzese mit Blick auf "The Whale". Grund sei die Homophobie außerhalb der USA.

Daniel Franzese kritisiert den Umgang von Hollywood mit queeren Schauspieltalenten (Bild: Instagram / Daniel Franzese)
- 28. September 2022, 12:25h 3 Min.
Der 44-jährige US-Schauspieler Daniel Franzese hat sich verärgert darüber gezeigt, dass mit Brendan Fraser ein heterosexueller und relativ dünner Schauspieler die Hauptrolle in "The Whale" übernahm – die eines 270 Kilo schweren schwulen Mannes. "Ich liebe Brendan Fraser, bin also zwiespältig", so Franzese gegenüber dem Magazin "People". "Ich war sehr glücklich für ihn. Er ist ein toller Mann. Und er ist gut. Aber warum? Warum zieht er einen Fettanzug an und spielt einen übergewichtigen queeren Mann? Um endlich eine Chance zu haben, in einem prestigeträchtigen Film zu sein, der vielleicht Preise erhält und in dem Geschichten erzählt werden über Menschen, die wie wir aussehen?"
Der bislang nicht gerade mit prestigeträchtigen Filmpreisen überschüttete Fraser war Anfang September beim Filmfestival in Venedig für seine Rolle bejubelt worden (queer.de berichtete).
Es wäre ein Traum für Menschen wie ihn, eine derartige Rolle zu erhalten, erklärte Franzese weiter: "Wenn also wieder und wieder jemand wie Brendan Fraser die Rolle erhält, sagen ich und andere übergewichtige queere Jungs: 'Was zur Hölle?' Wir können das nicht mehr ertragen."
Er selbst wäre gerne zum Casting gekommen. "Ich meine, wer weiß schon mehr darüber, ein fettleibiger queerer Mann zu sein als ein fettleibiger queerer Mann? Aber ich nehme an, man kann auch jemanden in einen Fettanzug stecken und seinen Oscar abholen. Wir sitzen einfach hier und warten", so der Schauspieler sarkastisch.
Franzese will "Leute mit Mut" in Hollywood
Das größte Problem für Leute wie ihn in der US-Unterhaltungsindustrie sei, dass "die Welt homophob ist". Franzese weiter: "Auch wenn Amerika bereit für eine queere Person als Hauptdarsteller ist, können sie den Film dann nicht ins Ausland verkaufen, also kriegen sie Angst. Es braucht aber Leute mit Mut zum Risiko und echte Vorreiter, die uns als Schauspieler in diesen Rollen engagieren, damit wir eine echte Chance auf eine vollständige Karriere in Hollywood haben."
Franzese war 2004 durch seine Rolle in der Filmkomödie "Girls Club – Vorsicht bissig!" bekannt geworden. Danach war er in vielen TV-Produktionen zu sehen, etwa auch der schwulen Serie "Looking". Zuletzt war er Kandidatin bei "RuPaul's Secret Celebrity Drag Race" – sein Dragname ist Donna Bellissima.
Erst 2014 outete sich Franzese als schwul (queer.de berichtete). Er begründete den späten Zeitpunkt damit, dass er nicht auf die Rolle des exzentrischen Schwulen festgelegt werden wollte.
"100 Jahre Straightwashing"
International kamen in den letzten Jahren Debatten darüber auf, ob nur queere Schauspieler*innen queere Rollen spielen sollen. Russell T. Davies, der offen schwule Erfinder von "Queer as Folk", hatte für seine vergangenes Jahr gezeigte Serie "It's a Sin" nur schwule Schauspieler für schwule Rollen engagiert. Er begründete das mit den Worten: "Ich denke, dadurch bekommt man nicht nur Authentizität. Man rächt sich auch für 100 Jahre Straightwashing."
Die Darstellung Schwuler durch heterosexuelle Schauspieler wird auch als "Gay-for-Pay Oscar bait" (Oscar-Köder) bezeichnet. In der Vergangenheit wurden diese Schauspieler für ihren "Mut" gelobt, diese Rolle zu spielen, und oft mit Nominierungen oder Preisen überschüttet. Beispiele sind Filme wie "Brokeback Mountain" oder "Call Me By Your Name", in denen ausschließlich heterosexuelle Hauptdarsteller mitspielten. Inzwischen hat die Oscar-Akademie aber Diversitätsregeln angekündigt, mit denen ab 2024 unter anderem queere Darsteller*innen gefördert werden sollen (queer.de berichtete). (dk)
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Wenn du die Rolle willst, dann geh zum Casting und liefere die Performance deines Lebens. Wenn du aber unbekannt bist, dann erwarte nicht, dass dir die Rollen zufliegen. Schwul sein ist keine Auszeichnung oder Qualitätskriterium.
Und by the way: es zeugt auch nicht von Respekt einen Kollegen, der die Rolle seines Lebens spielt, so in den Rücken zu fallen. Es hat eher den Beigeschmack von Neid.