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Ein queeres Märchen aus Tausendundeiner Nacht

Eine polyamouröse Beziehung, Grindr-Dates, Dreier: Aus diesem Stoff ist der essayistische Film "Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?" gemacht. Eine ungewöhnliche, erotische Seherfahrung voller Camp.


Szene aus "Soll ich dich einem Sommertag vergleichen" (Bild: Salzgeber)

Es war einmal: So beginnen nicht nur die Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Das sind auch die ersten Worte der Erzählerin, als ihre Rahmenhandlung losgeht. "Vor langer, langer Zeit" sei diese Geschichte über die Beziehung zweier Männer passiert. "Eine Nacht unermesslicher Freuden" hätten sie miteinander erlebt, erzählt sie über Bilder einer wilden Begegnung.

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Poster zum Film: "Soll ich dich an einem Sommertag vergessen?" startet am 29. September 2022 im Kino

Doch dabei bleibt es nicht: Später treten andere Figuren auf, kommen und gehen, befragen sich gegenseitig. Es geht um schwule Grindr-Dates, Sex zu dritt, polyamouröse Beziehungen, Eifersucht.

Der Film "Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?" behandelt so ein Kaleidoskop queerer Themen – und bildet so einen Gegenpol zur durch und durch heteronormativen Vorlage. Die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht werden so selbstbewusst erweitert.

Besonders bemerkenswert ist, wie sicher sich die Männer bewegen. Keine Spur von Opferhaltung oder dem Bedürfnis, sich für die eigene Sexualität entschuldigen oder rechtfertigen zu müssen – wie es andere Geschichten über Queerness im arabischen Raum nahelegen: Offen, stolz und selbstverständlich queer und arabisch schließen sich hier nicht aus.

Der Film ist Camp pur

Dafür findet der ägyptische Regisseur Mohammad Shawky Hassan eine ungewöhnliche, durchaus beeindruckende Form: Sein essayistischer Film hat keine geradlinige Narration, wirkt oft assoziativ. Mal spielen seine Figuren, mal sprechen sie direkt in die Kamera, dann wieder bewegen sie sich vor fast psychedelischen Illustrationen. Wenn vier Männer, davon drei im Brautkleid, vor gelb-grünen Pyramiden tanzen, merkt man dem Film die Freude am Ausdruck, an der Übertreibung und dem Drama an. Das ist Camp pur.


Queerer Tanz vor gelb-grünen Pyramiden (Bild: Salzgeber)

Die theatrale Inszenierung, die Musical-Szenen und die bunten Bilder machen "Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?" zu einem kleinen Gesamtkunstwerk. Regisseur Mohammad Shawky Hassan verweist darauf, dass es sich um Bezüge handelt, die in queeren arabischen Communitys verbreitet sind – und er so ein "hohes Level kultureller Intimität" anstrebt. Doch auch wer mit den Codes nicht vertraut ist, kann sich von den Liedern und Gedichten einnehmen lassen.

So entsteht ein experimenteller Film, der oft einen studentischen Look hat, sich viel traut – und so zwar vielleicht herausfordernd ist, aber durchaus seinen Reiz hat. Filme wie "Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?" gibt es selten im Kino zu sehen.

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Infos zum Film

Soll ich dich einem Sommertag vergleichen? Drama. Ägypten, Libanon, Deutschland 2022. Regie: Mohammad Shawky Hassan. Cast: Donia Massoud, Ahmed El Gendy, Salim Mrad, Nadim Bahsoun, Hassan Dib/Queen Of Virginity, Ahmed Awadalla, Richard Gabriel Gersch. Laufzeit 66 Minuten. Sprache: arabisch-englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Salzgeber Kinostart: 29. September 2022
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