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Coming-out

Krzikalla: "Ich kenne fünf weitere schwule Handballer"

Der Handballer Lucas Krzikalla macht seine Homosexualität öffentlich und erhält dafür viel Zuspruch aus der Branche. Der Sportler ist überwältigt und hofft darauf, dass andere seinem Beispiel folgen.


Lucas Krzikalla, hier bei einem Spiel am 1. September 2022, ist das Aushängeschild des SC DHfK Leipzig (Bild: IMAGO / Jan Huebner)

Das Coming-out des schwulen Handball-Profis Lucas Krzikalla hat ein durchweg positives Echo gefunden und Hoffnungen auf einen normalen Umgang mit dem Thema Homosexualität im Sport genährt. "Sein Outing zeugt im besten Sinne des Wortes von einem gesunden Selbstbewusstsein. Und ich hoffe sehr, dass solch ein Schritt in unserer Gesellschaft in absehbarer Zeit einfach als sehr normal angesehen wird, denn es geht immer um den Menschen", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann.

Als erster aktiver deutscher Mannschaftssportler in einer der vier großen Profiligen hatte Krzikalla am Wochenende in mehreren Interviews seine Homosexualität öffentlich gemacht und dafür viel Zuspruch erhalten (queer.de berichtete). "Ich muss das erst einmal verarbeiten. Ich bin happy, sehr aufgeregt, glücklich und frei", sagte der 28-Jährige vom SC DHfK Leipzig der Zeitung "Welt".

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Zahlreiche prominente Gratulant*innen

Unter einem Foto des Handballers und seines Partners auf Instagram äußerten zahlreiche Sportler ihren Respekt und ihre Unterstützung. Nationalspieler Philipp Weber schickte ein Herz, Hans Lindberg von den Füchsen Berlin schrieb neben einer Regenbogenfahne "Respekt" und Torwart Domenico Ebner von der TSV Hannover-Burgdorf wünschte "ganz viel Liebe für euch beide". Weitere Gratulant*innen waren unter anderem Handball-Ikone Stefan Kretzschmar, der langjährige Nationaltorwart Silvio Heinevetter und HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, berichtete Krzikalla. Auch mehrere Fußball-Nationalspielerinnen hätten sich gemeldet.

Seine Homosexualität öffentlich zu machen sei "einer der wichtigsten Schritte in meinem Leben." Die Botschaft ist klar. "Die Sexualität, wer wie leben will, muss einfach egal sein – in jedem Beruf. Und damit sich endlich etwas ändert, müssen wir Profisportler jetzt auch selbst etwas unternehmen. Die Veränderung muss auch von innen kommen, aus dem Sport selbst", begründete Krzikalla in einem Interview der "Welt am Sonntag" sein Coming-out und betonte: "Heute kann ich es hier ganz klar sagen: Ich bin schwul, ich habe einen Freund, den ich liebe, und ich bin sehr glücklich darüber."

Der Verein wusste schon längere Zeit Bescheid

Unterstützt wird Krzikalla auch von seinem Verein. "Ich hoffe, dass dieser Schritt dazu beiträgt, dass man sich in Zukunft darüber gar keine Gedanken mehr machen muss, und dass viele Leute dem Beispiel folgen", sagte der Leipziger Teammanager Karsten Günther im Sportradio Deutschland.

Wie Familie, Freund*innen und Teamkollegen wusste Günther schon längere Zeit Bescheid und hatte Krzikalla vor knapp einem Jahr angeboten, dessen Freund auf die Partner*innen-Liste zu schreiben. "Ich habe mich wirklich sehr über das Gespräch gefreut und darüber, dass Chris so herzlich aufgenommen wurde, auch von allen Spielerfrauen", berichtete Krzikalla. Günther sagte dem MDR: "Das war am Ende ein sehr emotionaler und befreiender Moment, da hatten wir auch beide ein Tränchen im Auge."

Krzikalla kennt fünf weitere schwule Handball-Profis

Krzikalla hofft nun darauf, dass andere Sportler seinem Beispiel folgen. "Ich weiß allein von fünf Handballspielern in der ersten und zweiten Liga, die es vielleicht innerhalb der Mannschaft erzählen, aber Angst haben, mit einem Coming-out ihrer Karriere zu schaden", sagte er.

Für Krzikalla ist dies nachvollziehbar, gebe es gerade im Profisport doch auch viele Vorurteile. "Es gibt so viele Vorbehalte: Schwule seien zu verweichlicht für den harten Kontaktsport, sie seien weniger stark als Heterosexuelle. Die Leute wollen Muskeln, Härte, Löwenschreie, Abklatschen. Sie wollen – despektierlich gesagt – keinen Tuntensport", sagte er.

Kritik äußerte Krzikalla an der Aussage des früheren Fußball-Nationalspielers Philipp Lahm, der Fußballern von einem Coming-out abgeraten hatte. "Das finde ich total daneben. Wir Sportler sind Vorbilder für viele, wir sind es, die etwas bewegen können", betonte er und appellierte: "Nach Jahren der Diskriminierung haben wir, wenn wir alle den Mut haben, jetzt die Chance, tatsächlich ein für alle Mal etwas zu ändern. Jedes Coming-out ist eine große Befreiung."

-w-

#1 PinoAnonym
  • 03.10.2022, 11:52h
  • Endlich macht mal jemand den Anfang.

    Vielen Dank!!

    Auch ich hoffe, dass jetzt möglichst viele Profi-Sportler seinem Vorbild folgen.

    Denn man hat ja gesehen, dass das weder bei der Mannschaft und dem Verein noch bei den Fans oder Sponsoren negative Auswirkungen hatte. Solche diffusen Ängste sind verständlich, weil sie uns jahrelang eingebleut wurden, aber offensichtlich ist die wirkliche Reaktion dann doch viel entspannter als befürchtet. Im Gegenteil: Man hat eher den Eindruck, dass viele erleichtert und froh sind, dass endlich jemand dieses Tabu, das wir eine Zwangsjacke über dem Sport liegt, durchbricht.

    Und jetzt kann auch niemand mehr sagen, er wolle nicht der Erste sein. Denn der Anfang ist gemacht.

    Für mich ist das auch eine Frage der Solidarität unter Sportlern:
    Wenn jetzt schon einer dankenswerterweise voran gegangen ist und das Eis gebrochen hat, sollte man ihm jetzt auch folgen und ihn nicht alleine vorne stehen lassen.

    Also: lasst Euren Kollegen nicht hängen! Er hat das auch gemacht, damit andere keine Angst vor einem Outing mehr haben müssen. Und ihr könnt dazu beitragen, dass dieser Weg weiter gegangen wird.
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#2 AranosAnonym
  • 03.10.2022, 11:56h
  • Klasse, Sichtbarkeit und Vorbilder sind so unfassbar wichtig und können ohne Übertreibung Leben retten. Ich bin immer dankbar, wenn so jemand, der im Rampenlicht steht, voran geht und an die Öffentlichkeit geht.
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#3 TechnikerAnonym
  • 03.10.2022, 12:17h
  • Da sage ich Herrn Krzikalla auch mal "Danke"... Schön, dass sich ein aktiver Sportler traut! Es besteht ja doch noch die Chance, dass der tumbe Teil von Fans und Funktionären wahlweise endlich den Mund hält und kapiert, dass Homophobie nicht mehr toleriert wird - oder sich aus Abscheu über die vielen Schwulen und Lesben im Sport anderen Dingen zuwendet...

    So oder so ein Gewinn!
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