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Transfeindliche Doktorandin
Twitter verbannt Marie-Luise Vollbrecht
Regelmäßig sorgten Vollbrecht-Tweets für Entrüstung. Jetzt aber beendete Twitter das unwürdige Schauspiel. Seit Mittwoch zeigt ein Klick auf ihr Konto: "Account gesperrt".

Twitter kann ein Ort des Austauschs von Ideen sein, aber auch ein Ort des Hasses (Bild: mrthetrain / unsplash)
- 5. Oktober 2022, 13:37h 4 Min.
Die Biologie-Doktorandin Marie-Luise Vollbrecht sorgte in der Vergangenheit regelmäßig für transfeindliche Entgleisungen – sei es durch einen Gastbeitrag in der "Welt", durch vermeintlich nur biologische Grundlagen wiedergebende Vorträge oder durch Abmahnschreiben, die sie ihren Kritiker*innen, etwa dem Bundesverband Trans*, zukommen ließ (queer.de berichtete).
Doch vor allem auf dem sozialen Medium Twitter polemisierte Vollbrecht immer wieder gegen transgeschlechtliche Menschen. Nun jedoch dürfte vorerst Ruhe in die Angelegenheit einkehren. Twitter sperrte den Vollbrecht-Account @frollein_VogelIV.
Verstoß gegen Regel zu Gewaltverherrlichung
Auf dem Dienst kursierte kurzzeitig ein Screenshot, der die Sperre samt Begründung anzeigte. Melden Nutzer*innen einen Tweet oder gar einen ganzen Account, erhalten sie vom Dienst in der Regel eine Benachrichtigung über den Ausgang ihrer Meldung. Solche Meldungen führten nun wohl zur Verbannung von Vollbrecht. Laut Screenshot soll die transfeindliche Aktivistin gegen die Twitter-Regel gegen Gewaltverherrlichung verstoßen haben.
Doch Vollbrecht verliert nicht nur ihr derzeitiges, reichweitenstarkes Konto. In der Twitter-Benachrichtigung heißt es weiter: "Die Person darf keinen neuen Account erstellen. Wir teilen der Person mit, dass sie gesperrt wurde, gegen welche Sicherheitsregeln sie verstoßen hat und welche Inhalte unsere Regeln verletzen."
Offenbar hatte nicht nur eine Person Vollbrechts Twitterkonto und ihre Tweets gemeldet, sondern gleich mehrere. Auf dem Screenshot heißt es dazu: "Wir haben den Account von @frolleinVogelIV gesperrt, weil er unsere Regel gegen Gewaltverherrlichung verletzt hat", und weiter: "Dieser Regelverstoß wurde durch verschiedene Meldungen festgestellt, die zu seinem Verhalten eingereicht wurden."
Welche aktuelle Botschaft von Vollbrecht nun genau den Ausschlag gegeben hat, den Account zu sperren, bleibt damit unklar. Es scheint sich vielmehr um eine Gesamteinschätzung der Aktivitäten von Vollbrecht auf dem sozialen Medium durch Twitter zu handeln.
Nutzer*innen teilten jedoch anlässlich der Sperre ältere Screenshots von Tweets, in denen Vollbrecht zum Beispiel Gewaltphantasien artikuliert hatte. Demnach schrieb sie auf die Aufforderung einer anderen Person hin, Fetische aufzuzählen, von "Kastration" und präzisierte: "Mehr so rostige Gartenschere Stück für Stück". Über eine namentlich genannte Kollegin hatte sie zudem geschrieben, bei dieser sei "professionelle Lebenshilfe/Assistenz" gefragt, "um ihre Löcher zu stopfen".
/ robertwagner198 | Der Journalist Robert Wagner wies im Juli auf Gewaltphantasien von Marie-Luise Vollbrecht hinBeispielsweise fantasiert Vollbrecht davon, männl. Geschlechtsteile mit einer rostigen Gartenschere Stück für Stück abzuschneiden. Einer anderen Doktorandin gehören die Löcher gestopft, vermutlich weil sie zum Thema Prostitution forscht. Die lehnen TERFs grundsätzlich ab. /2 pic.twitter.com/JjqZ4bNjLm
Robert Wagner (@robertwagner198) July 13, 2022
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Ein Höhepunkt der transfeindlichen Aktivitäten Vollbrechts war erreicht, als sie und einige Mitstreiterinnen in Frage stellten, dass trans Personen von Nationalsozialisten verfolgt worden sind. Wörtlich hatte Vollbrecht geschrieben: "Ich finde es nicht dumm zu fragen, wer schwul war kam ins KZ aber wer transsexuell war konnte anscheinend einen Transvestitenschein beantragen".
An anderer Stelle suggerierte sie, dass transgeschlechtliche Menschen einer Verfolgung durch die Nazis einfach entgehen konnten, was im Vergleich dazu Jüd*innen nicht möglich gewesen sei: "Was konnten Juden tun der Vernichtung zu entgehen? Und was konnten Transsexuelle tun." In der Folge der sich im Netz entladenden Auseinandersetzung wurde eine Soziologin, die gegen Vollbrecht argumentiert hatte, so massiv bedroht, dass sie aus ihrer Wohnung floh (queer.de berichtete).
Die Spendensammlung Vollbrechts zur Deckung ihrer Rechtskosten, mit der sie unter anderem Kritiker*innen ihrer Äußerungen abmahnen lässt, ist inzwischen auf knapp 72.000 Euro angewachsen.
Vortrag abgesagt und nachgeholt
Vollbrecht wollte Anfang Juli in der Berliner Humboldt-Universität bei der "Langen Nacht der Wissenschaft" einen transfeindlichen Vortrag halten. Obwohl der schon den geisteswissenschaftlichen Begriff "Gender" im Titel trug ("Geschlecht ist nicht (Ge)schlecht. Sex, Gender und warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt."), verteidigte sich die Naturwissenschaftlerin immer wieder damit, dass es im Vortrag ausschließlich um biologisches Grundlagenwissen gehe. Hierbei betonte sie in offenkundigem Zusammenhang zur Frage nach der Existenz transgeschlechtlicher, nichtbinärer und intergeschlechtlicher Personen, dass es beim Menschen nur zwei Geschlechter gäbe, die sich im Lauf des Lebens auch nicht änderten.
Im Netz war die Doktorandin in der Vergangenheit mit Äußerungen aufgefallen, die transgeschlechtliche Personen verächtlich machen und ihr Streben nach Rechten als unvereinbar mit Frauenrechten oder dem Feminismus darstellen. Die Humbold-Universität sagte die Veranstaltung nach angekündigten Protesten und Gegen-Protesten schließlich kurzfristig wegen Sicherheitsbedenken ab (queer.de berichtete).
Zu der auf einem Spendenportal von der Biologin eingerichteten Sammlung heißt es: "Ich habe eine auf Medienrecht spezialisierte Kanzlei damit beauftragt, mir zu helfen, diesen Sturm zu überstehen und Unterlassungsaufforderungen an die Medien und Personen zu schicken, die die Grenzen des Zulässigen überschritten haben, wie auch gegebenenfalls Gegendarstellungen durchzusetzen."
Demnach gehe Vollbrecht davon aus, dass man ihre Universität unter Druck gesetzt und zur Absage ihres Vortrags gebracht habe, weil sie sich "online für die Rechte von Frauen" einsetze und "genderkritische Meinungen" vertrete. Den Studierenden vom Arbeitskreis kritischer Jurist*innen , die gegen Vollbrecht protestieren wollten, wird im zur Spendensammlung gehörenden Text auch vorgeworfen, dass sie dies möglicherweise hätten "gewalttätig" tun wollen. Am 14. Juli konnte Vollbrecht ihren Vortrag ohne Störungen nachholen (queer.de berichtete). Wie zuvor geplant, protestierten Studierende friedlich vor den Türen der Universität.
Zuletzt urteilte der Presserat über den auch von Vollbrecht mitverfassten, transfeindlichen Gastbeitrag in der "Welt", dass dieser nicht gegen den Pressekodex verstoße (queer.de berichtete). (jk)
Update Vollbrecht-Account wieder freigeschaltet
Twitter hat das Profil von Vollbrecht am Donnerstag kommentarlos wieder freigeschaltet. Vollbrecht erklärte in einem ersten neuen Tweet: "Hallo Welt!", ging aber nicht näher auf die kurzzeitige Sperre ein.














