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Für raffinierte Molekülverbindungen
Lesbische Wissenschaftlerin Carolyn Bertozzi gewinnt Chemie-Nobelpreis
Bis Montag gewann noch nie eine offen queere Person den Nobelpreis – in diesem Jahr sind es gleich zwei: Nach dem Schweden Svante Pääbo darf sich auch die Amerikanerin Carolyn Bertozzi über die Auszeichnung freuen.

Carolyn Bertozzi gewinnt als erste offen lesbische Frau den begehrten Wissenschaftspreis (Bild: Kuebi = Armin Kübelbeck / wikipedia)
- 5. Oktober 2022, 14:35h 3 Min.
Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an drei Forschende, darunter auch die offen lesbische US-Wissenschaftlerin Carolyn Bertozzi. Die 56-Jährige wird gemeinsam mit Morten Meldal (68, Dänemark) und Barry Sharpless (81, USA) geehrt. Meldal und Sharpless gelten als Vordenker der sogenannten Click-Chemie, mit der chemische Bausteine vergleichsweise einfach miteinander verbunden werden können. Bertozzi von der kalifornischen Elite-Universität Stanford entwickelte die Click-Chemie weiter und wendete sie in lebenden Organismen an.
/ NobelPrizeThis years #NobelPrize laureate in chemistry Carolyn Bertozzi (@CarolynBertozzi) was born in 1966 in USA.
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She is a professor at Stanford University (@stanford). https://t.co/myykCPdSM0 pic.twitter.com/umtoPmyZkv
Die beiden prämierten Methoden hätten "längst einen festen Platz im Instrumentarium der biomedizinisch und pharmazeutisch arbeitenden Unternehmen und Institute errungen", teilte der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) mit. In vielen Forschungslaboren gehört Click-Chemie mittlerweile zum Standard. Das Verfahren funktioniert ähnlich wie eine Rucksack-Schnalle, bei der ein Teil genau in das andere Teil passt. "Klickt" es einmal, ist die Verbindung fest – genau wie bei Legosteinen.
/ NobelPrizeJust in!
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First selfie from our 2022 #NobelPrize laureate in chemistry @CarolynBertozzi. Congratulations! pic.twitter.com/kuremcRIaN
Bertozzi ist die erste Frau, der in diesem Jahr ein Nobelpreis zugesprochen wurde. Sie stammt aus einer Familie von Wissenschaftler*innen: Ihr Vater war Nuklearphysiker am Massachusetts Institute of Technology (MIT), ihre Mutter arbeitete ebenfalls dort. Auch die vier Schwestern ihres Vaters waren Forscherinnen. Bertozzi studierte in Harvard Chemie – wegen der Moleküle. "Ich wollte eigentlich Biologie wählen, aber als ich meinen ersten Chemiekurs hatte, dachte ich, dass Moleküle wie Menschen sind", sagte Bertozzi einmal in einem Interview. "Sie sind lustig."
Bertozzi lebte schon immer offen lesbisch
Ihre sexuelle Orientierung hatte Bertozzi nie versteckt – sie lebt seit den Achtzigerjahren offen lesbisch. Im April antwortete sie in einem Interview auf die Frage, ob sie in ihrem Job Homophobie erfahre: "Überaschenderweise war und ist es noch schlimmer, eine Frau zu sein als eine Lesbe." Ihre Kolleg*innen seien sehr professionell, aber sie sei noch nie ein Gast an einer Institution "mit homophobem Umfeld" gewesen. Sie berichtete auch von frauenfeindlichem Mobbing, das sie als Studentin erfahren habe – in den späten Achtzigerjahren seien Frauen in der Naturwissenschaft eine winzige Minderheit gewesen.
Bertozzi engagiert sich auch für LGBTI-Rechte. Sie erhielt für ihre Offenheit und ihr Engagement queere Preise, etwa 2007 den "GLBT Scientist of the Year Award".
/ CarolynBertozzi | Auf Twitter kommentiert Bertozzi auch Fortschritte bei LGBTI-RechtenImplications of this landmark advance in civil rights are many. Some people were not free to exercise their right to marry since public record could get them fired.
Carolyn Bertozzi (@CarolynBertozzi) June 15, 2020
Civil Rights Law Protects L.G.B.T. Workers, Supreme Court Rules – The New York Times https://t.co/aerlmwhKfo
Der Nobelpreis, die renommierteste Auszeichnung für Chemiker*innen, ist in diesem Jahr mit insgesamt zehn Millionen Kronen (rund 920.000 Euro) dotiert. Die feierliche Übergabe der Preise findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.
Am Montag war der Nobelpreis für Medizin und Physiologie dem in Leipzig arbeitenden schwedischen Forscher Svante Pääbo für seine Erkenntnisse zur menschlichen Evolution zugesprochen worden. Der bisexuelle Forscher war der erste offen queere Träger eines Nobelpreises (queer.de berichtete). Nur zwei Tage später folgte ihm Bertozzi.
Bislang gab es laut einer Wikipedia-Liste in der Geschichte des seit 1901 vergebenen Preises nur acht weitere Preisträger*innen aus der LGBTI-Community, die jedoch bei der Verleihung nicht offen lebten oder leben konnten: Jane Addams, Vicente Aleixandre, Jacinto Benavente, André Gide, Selma Lagerlöf, Thomas Mann, Otto Heinrich Warburg und Patrick White. Insgesamt wurden bereits über 900 Personen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. (dpa/dk)















