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Niedersachsen

LSVD ruft zu Teilnahme an Landtagswahl auf

Am Sonntag wird in Niedersachsen ein neuer Landtag gewählt. Der Lesben- und Schwulenverband fordert Wahlberechtigte auf, ihre Stimme nicht zu verschenken, sondern für einen "queerpolitischen Aufbruch" zu sorgen.


Die Landtagswahl Niedersachsen findet am 9. Oktober statt (Bild: freepik.com)
  • 6. Oktober 2022, 09:24h 13 2 Min.

Der Lesben- und Schwulenverband hat am Donnerstag alle Wahlberechtigten in Niedersachsen aufgerufen, "ihr aktives Wahlrecht zu nutzen und für Vielfalt und einen queerpolitischen Aufbruch zu stimmen". Die Landtagswahl findet am Sonntag statt. Derzeit regiert im rund acht Millionen Einwohner*­innen zählenden Land eine Große Koalition unter Führung von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

"Die nächste Landesregierung muss die Bedarfe von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans*, inter­geschlechtlichen und queeren Menschen (LSBTIQ*) in allen Politik- und Gesellschaftsbereichen mitdenken und vor allem auch berücksichtigen", erklärte Benjamin Rottmann, der Vorsitzende des LSVD Niedersachsen-Bremen. So müssten ein Aktionsprogramm gegen queer­feindliche Hassgewalt erstellt, vielfältige Lebensweisen und Identitäten queerer Menschen fächerübergreifend in Schulen berücksichtigt oder auch eine Fortbildungsoffensive bei der Regenbogenkompetenz von Fach- und Lehrkräften gestartet werden.

"Nutzen Sie die Gelegenheit und geben Sie Parteien die Stimme, die uns und unsere Community bei diesen Themen unterstützen. Sorgen Sie dafür, dass auch in Niedersachsen der queerpolitische Aufbruch beginnt", forderte Rottmann.

LSVD veröffentlichte Queer-Parteiencheck

Bereits letzten Monat veröffentlichte der LSVD seine Wahlprüfsteine, in denen die Positionen der Parteien mit Chancen auf einen Einzug ins Parlament analysiert werden. Als einzige Partei antwortete die SPD bis zur Deadline auf keine einzige Frage des queeren Verbandes (queer.de berichtete). Inzwischen hat die Regierungspartei ihre Antworten nachgereicht. In der LSVD-Auswertung ist die SPD nach Grünen, Linken und FDP die viertqueerfreundlichste Partei. Ganz hinten sind CDU und AfD.


(Bild: LSVD Niedersachsen-Bremen)

Nach einer aktuellen Umfrage von INSA könnte die SPD derzeit mit 31 Prozent rechnen (minus sechs Prozentpunkte gegenüber 2017). Die CDU käme auf 28 Prozent (-6), die Grünen auf 16 Prozent (+7) und die AfD auf 11 Prozent (+5). Die FDP würde 5 Prozent erreichen (-3) und müsste damit um den Wiedereinzug ins Parlament bangen. Die Linke würde mit 4 Prozent erneut den Einzug in den Landtag verpassen. (dk)

-w-

#1 PetterAnonym
  • 06.10.2022, 11:39h
  • Dem Aufruf kann ich mich nur anschließen: es gibt nichts dummeres, als gar nicht zu wählen.

    Selbst wenn bei den großen Parteien keine dabei ist, die für einen infrage kommt (denn dass die Antworten auf Wahlprüfsteine offenbar Verhandlungsmasse sind, sehen wir ja gerade im Bund), dann sollte man dennoch nicht gar nicht wählen. Dann ist es immer noch besser, eine Kleinpartei zu wählen, selbst wenn sie an der 5%-Hürde scheitern sollte.

    Denn Nichtwähler sind den großen Parteien schlichtweg egal: das ändert weder die prozentualen Verhältnisse noch die Parteienfinanzierung.

    Aber die Wahl kleiner Parteien ändert (selbst wenn sie unter 5% liegen) sehr wohl die prozentualen Verhältnisse. Und vor allem auch die Parteienfinanzierg. Und spätestens da werden sie alle hellhörig.

    Und wer weiß: vielleicht kommt ja auch mal eine Kleinpartei über 5%. Die Grünen lagen auch mal unter 5%. Und die FDP lag sogar im Bund noch in der vorletzten Legislatur unter 5%.

    Also:
    Nichtwählen ist das schlechteste was man machen kann. Da weiß niemand, ob man krank, zu faul, zu desinteressiert, zu vergesslich oder was auch immer war.

    Dann lieber eine Kleinpartei wählen. Damit setzt man wirklich ein Zeichen.
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#2 MagsAnonym
  • 06.10.2022, 12:39h
  • Ich bin sehr dankbar, dass in "meinem" Bundesland nicht gewählt wird. Der ansässige Ortsverband der Grünen hier hat just die letzten Tage auf Instagram gepostet wie supertoll sie sich auf Bundesebene für queere Rechte engagieren und wie unglaublich fest sie an der Seite von LGBTQ* stehen. Da fragt es sich doch ob die das wirklich glauben oder ob sie davon ausgehen dass niemand diese absolute Verars**e bemerkt?

    Ehrlich, ich hätte nicht die kleinste Ahnung wen ich wählen sollte.

    Und zum Thema "Kleinstparteien". Vorher genau schauen wen man da so wählt. Ich hatte mich seinerzeit bei der ÖDP engagiert, bis ich über den offiziellen Mail-Verteiler einen Aufruf für den "Marsch für das Leben" und ähnliches bekommen habe. Solche Strömungen tarnen sich gerne als ökologisch oder gemeinwohlorientiert.
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#3 Ith_Anonym
  • 06.10.2022, 13:07h
  • Antwort auf #2 von Mags
  • "Der ansässige Ortsverband der Grünen hier hat just die letzten Tage auf Instagram gepostet wie supertoll sie sich auf Bundesebene für queere Rechte engagieren und wie unglaublich fest sie an der Seite von LGBTQ* stehen. Da fragt es sich doch ob die das wirklich glauben oder ob sie davon ausgehen dass niemand diese absolute Verars**e bemerkt?"
    So traurig das ist, ist es aber nunmal nicht falsch, dass von den Grünen tatsächlich ziemlich viel vom Engagement für queere Rechte ausgeht, ins Verhältnis gesetzt zum Rest jedenfalls.
    Und ironischer- und traurigerweise werden dank der Gewissenhaftigkeit einiger Politiker in der Partei sogar linke und sozialdemokratische Themen inzwischen besser von ihnen abgedeckt und bedient als von DieLinke und SPD, obwohl die Partei grundsätzlich pro-kapitalistisch ist und ihre Stammwählerschaft "besserverdienend".
    Wobei das wahrscheinlich mehr über den Zustand der politischen Linken aussagt als speziell über die Grünen.

    FDP kann man vergessen, weil es eine Reichenpartei ist, die keinen großen Hehl aus ihrem Ziel macht, noch mehr Geld von unten nach oben zu verteilen, und viele queere Menschen durch gläserne Decken bzw. die real existierenden Oppression Olympics tendenziell eher arm sind, spätestens nach dem Outing. Über CDU und AfD brauchen wir gar nicht erst reden, DieLinke ist dank prorussischem und prorechtem Flügel mit sich selbst beschäftigt und ohnehin unzuverlässig, weil der Parteiadel sich an demokratisch gefasste Beschlüsse nicht gebunden fühlt. Und die SPD, nunja, die würde ich mal also solide Mitläuferpartei bezeichnen, die im Zweifelsfalle macht, was CDU und FDP wollen.

    Also, ein Dilemma ist es schon. Aber es geht nunmal nicht bloß darum, das "kleinste Übel" zu wählen, sondern im Wesentlichen darum, noch größere Übel zu verhindern. Und davon gibt es für queere Menschen leider einige.
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