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Buchverbot
US-Konservative gehen gegen "Heartstopper" vor
Kulturkampf in den USA: Eiferer in einer Gemeinde in Michigan haben erreicht, dass eine öffentliche Bibliothek queere Bücher nicht nur entfernen muss, sondern auch ihre Finanzierung verliert.

Netflix verfilmte die Buchreihe in der sich Charlie Spring (Joe Locke, re.) in seinen Klassenkameraden Nick Nelson (Kit Connor) verliebt
- 11. Oktober 2022, 14:35h 2 Min.
Die Stadtbibliothek im 10.000 Einwohner*innen zählenden Jamestown Township hat ihre öffentliche Förderung wegen fünf queeren Büchern verloren, darunter auch zwei "Heartstopper"-Comics. Die betreffenden Bücher dürfen auch nicht mehr in der Bibliothek angeboten werden. Die "Heartstopper"-Comicreihe von Alice Oseman wurde international durch die gleichnamige Netflix-Serie bekannt. Die Comics und Verfilmung handeln davon, dass sich zwei britische Schüler ineinander verlieben – die Werke enthalten keine expliziten Sexszenen.

Mit Büchern wie "Hearststopper" würden Sexualstraftäter Kinder groomen, so der absurde Vorwurf der Verbotsbefürworter (Bild: Screenshot CBS)
Wie CBS News berichtet, steht eine Gruppe namens "Jamestown Conservatives" hinter der Aktion. In einer städtischen Versammlung habe eine Queergegnerin erklärt: "Diese Bücher und Lifestyle-Entscheidungen sind zerstörerisch und falsch." Ein weiterer Einwohner der Stadt sagte, dass die Stadt Kinder schützen müsste: "Die Werte in Jamestown sind nicht die gleichen wie in New York, Los Angeles oder sogar Grand Rapids. Wir wollen nichts Sexuelles oder Gewalttätiges, das Kinder sehen können, wenn sie in die Bücherei kommen."

"Heartstopper" ist auch in einer deutschen Ausgabe erschienen
Bücherei-Chef Larry Walton sprach von Zensur: "Wir gehen zurück in die Vergangenheit, wenn wir über Buchverbote sprechen", so Walton. Die öffentlichen Fördermittel machen 84 Prozent des Budgets der Stadtbibliothek aus.
Im November soll ein Volksentscheid darüber abgehalten werden, ob die Bibliothek doch noch Fördermittel erhält. Fällt das Votum negativ aus, muss sie voraussichtlich schließen.
Bereits seit längerem wird insbesondere in ländlichen Gegenden der USA versucht, queere Inhalte aus Bibliotheken und Schulen zu entfernen. Der texanische Gouverneur Greg Abbott bezeichnete derartige Bücher etwa als "pornografisch" und drohte Bibliothekar*innen und Lehrer*innen mit Strafen (queer.de berichtete).
Eine Studie hatte kürzlich herausgefunden, dass mehr als 1.600 Bücher in mehr als 5.000 Schulen in 32 der 50 US-Bundesstaaten verboten worden seien – 41 Prozent von ihnen enthielten prominent queere Figuren. Auch die Präsenz von anderen Minderheiten ist vielen Amerikaner*innen ein Dorn im Auge: So enthielten 40 Prozent der verbannten Büchern nichtweiße Figuren. (dk)















