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USA

Queer­feindlicher Verschwörungstheoretiker muss fast eine Milliarde Dollar zahlen

Jahrelang machte Alex Jones Opferfamilien eines Massakers das Leben zur Hölle. Dafür muss er nun Schadensersatz zahlen. Gibt es bald auch einen Prozess wegen queerfeindlicher Äußerungen?


Alex Jones fühlt sich als Opfer der Massenmedien und der Linken (Bild: Screenshot ABC)
  • 13. Oktober 2022, 11:40h 3 3 Min.

Der amerikanische Verschwörungstheoretiker Alex Jones muss 965 Millionen Dollar Schadensersatz für Falschbehauptungen im Zusammenhang mit dem Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule im Jahr 2012 zahlen. Das hat eine Geschworenenjury in Waterbury (US-Bundessstaat Connecticut) am Mittwoch entschieden. Waterbury liegt nur 30 Kilometer von der Schule entfernt, in der ein 20-Jähriger vor zehn Jahren mit mehreren (legalen) Schusswaffen 28 Menschen tötete, darunter 20 Kinder. Am Ende erschoss sich der Täter selbst.

Die Klage eingebracht hatten Angehörige von mehreren bei dem Massaker getöteten Kindern und Lehrer*­innen. Hintergrund war, dass Jones mehrfach behauptet hatte, die damalige Regierung von Barack Obama habe das Massaker mit Hilfe von Schauspieler*­innen vorgetäuscht. Das führte dazu, dass seine Anhänger*­innen die Angehörigen der Opfer jahrelang gemobbt haben – Rechtsextreme seien sogar bei ihnen zu Hause aufgetaucht und hätten sie bedroht. Geklagt hatten insgesamt 15 Menschen. Bereits im August hatte ein Gericht in Texas den Eltern eines weiteren getöteten Kindes fast 50 Millionen Dollar zugesprochen.

Auch Anklage wegen queerfeindlicher Äußerungen?

Nun stellt sich auch die Frage, ob Jones auch wegen queerfeindlicher Äußerungen angeklagt werden sollte. Das hatte unter anderem Journalistin Dawn Ennis in der "Forbes" bereits vor zwei Monaten gefragt. Seit Jahren macht Jones Stimmung gegen queere Menschen: So behauptete er, Dragqueens würden versuchen, Kinder sexuell zu missbrauchen, und bestritt die Existenz von trans Menschen. Gleichzeitig sagte er, Michelle Obama sei trans, während ihr Mann täglich "mit zehn Typen" Sex habe. Außerdem warnte Jones davor, dass eine kommende Weltregierung alle Menschen trans machen wolle ("es geht nur darum, eure Genitalien abzuschneiden"). Er machte queere Menschen auch für das Massaker im Club "Pulse" in Orlando verantwortlich.

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Am bekanntesten ist wohl seine Verschwörungstheorie, dass Leitungswasser in den USA mit Zusatzstoffen versehen werde, um die Menschen homosexuell zu machen. "Was denkt ihr, was Leitungswasser ist? Das ist eine schwule Bombe", sagte er in einer Sendung im Jahr 2015. Er habe nichts gegen Homosexuelle, aber "ich mag keine Chemikalien im Wasser, die die verdammten Frösche schwul machen".

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Jones ist mit seinen Äußerungen durchaus einflussreich. Mit dem vorherigen US-Präsidenten Donald Trump soll er im ständigen Austausch gewesen sein. Er verdiente zudem Millionen von Dollar mit seinen Sendungen, in denen er auch esoterische Lifestyle-Produkte zu überteuerten Preisen verkaufte (queer.de berichtete). Mit seinen schrillen Tönen und Verschwörungstheorien um Sandy Hook hatte er viel neues Publikum gewinnen können.

Jones rechnet sich arm

Es gilt freilich als ausgeschlossen, dass Jones die Milliarden-Strafe in voller Höhe jemals zahlen wird. Beim ersten Verfahren schätzte ein Wirtschaftswissenschaftler sein Vermögen auf 135 bis 270 Millionen Dollar. Er selbst rechnete sich dagegen vor Gericht arm – seine Firma "Free Speech Systems" hat inzwischen Insolvenz angemeldet.

Gelernt hat Jones aus den Verurteilungen nichts: Er bezeichnete das Gericht als "Kangaroo Court" – so wird ein Verfahren in einem autoritären System beschrieben, das Beweise bewusst ignoriert (also über sie springt wie ein Känguru). Die Anklage sei eine Verschwörung der Demokratischen Partei und der Massenmedien, um seine Redefreiheit einzuschränken, behauptet er bis heute. (dk)

-w-

#1 gastAnonym
  • 14.10.2022, 12:16h
  • Das war klar, dass er diese Summe nicht bezahlen kann u. wird. Es gibt zudem Schlupflöcher. Erinnert mich an den Gerichtsfall mit der Westboro Baptist Church, die schuldig gesprochen u. zu einer Schadensersatzzahlung von, glaube ich - 11 Mill. $ verurteilt wurde, daraufhin erklärten sie ihre privaten Anwesen flugs zur Kirche u. "das war´s."
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#2 LothiAnonym
  • 14.10.2022, 13:31h
  • Dieser A*sch gehört hinter Gittern. Verdient mit esoterischen Lifestyle Produkten Millionen. Und nicht bloß das. Ein Trumpel Freund. Damit hat er sich ja sozusagen genau die richtige Zielgruppe ausgesucht.
    Meine Hoffnung ist die, dass ihn die amerikanische Steuerbehörde gewaltig den Marsch bläst.
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#3 SebiAnonym
  • 14.10.2022, 15:54h
  • Richtig so.

    Auch Promis müssen kapieren, dass sie nicht über dem Gesetz stehen.

    Und ich hoffe, dass niemand darauf reinfällt, wie der sich arm rechnen will. Notfalls muss man alles, was er irgendwie besitzt, beschlagnahmen. Solange bis er in der Gosse in einem Pappkarton lebt.
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