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Kinostart der Romcom "Bros"
Wie Schwule die stereotype Maskulinität feiern und erotisieren
In "Bros" geht es laut Regisseur Nick Stoller um die Unfähigkeit von schwulen Männern, verletzlich zu sein und sich in der eigenen Haut wohlzufühlen. Billy Eichner verrät, wie er auf die Idee zum Film kam.

Aaron (Luke Macfarlane, l.) und Bobby (Billy Eichner) in "Bros" (Bild: Universal Pictures)
- 16. Oktober 2022, 05:51h 5 Min.
Der Ursprung der Geschichte von "Bros" entspringt einem Sketch, den Drehbuchautor und Hauptdarsteller Billy Eichner ein paar Jahre zuvor für die Serie "Billy on the Street" umgesetzt hatte, "The Bro Lightning Round" mit Jason Sudeikis.
"Es war einer der ganz wenigen Fälle, dass ich in 'Billy on the Street' in eine andere Rolle geschlüpft bin", sagt Eichner. "Ich habe einen Bro gespielt, habe Khakihosen und ein Sporttrikot angezogen und eine Baseball-Cap mit Kappe nach hinten getragen. Und dann bin ich auf andere Leute zugegangen und habe sie mit einer tiefen Bro-Stimme angesprochen, im Grunde habe ich mein komplettes Wesen verändert. Das wurde zu einem viralen Erfolg, und es gab alle möglichen nachdenklichen Texte darüber, dass es ein Kommentar über Maskulinität gewesen sei. Im wahren Leben war es so, dass ein guter Freund von mir – ein schwuler Freund – den Sketch sah und dann zu mir sagte: 'Weißt du, du bist ganz schön scharf in der Nummer.' Das ist jemand, mit dem ich seit mehr als zwanzig Jahren gut befreundet bin. Und in all der Zeit gab es nicht das geringste Anzeichen, dass er sich zu mir hingezogen fühlen könnte. Und er sagte wortwörtlich zu mir, ohne den leisesten Anflug von Ironie und Sarkasmus: 'Du solltest dich immer so anziehen, weil dieser Stil dich richtig heiß aussehen lässt.' Und ich meinte: ,Weißt du, was du da gerade zu mir sagst? Du findest also, ich sollte meine Stimme verändern, meinen Körper und alles andere, was mich ausmacht, damit ich scharf rüberkomme?'. Ich vermute, dass er dachte, er würde mir ein Kompliment machen. Und dann dachte ich, da ist was dran, weil es witzig ist und irgendwie ganz schön daneben. Das war die Inspiration für den Film."
Absurde Workout-Trends in der schwulen Szene

Poster zum Film: "Bros" startet am 27. Oktober 2022 bundesweit in den Kinos
Unter den vielen Aspekten der schwulen Kultur, die der Film liebevoll auf den Arm nimmt – absurde Workout-Trends, Grindr-Dates, Dreier, innerqueere Politik -, richtet "Bros" den Fokus vor allem auf die Elemente der schwulen Lebensart, die stereotype Maskulinität feiern, nachahmen und erotisieren. "In diesem Film geht es immer um Maskulinität und die Unfähigkeit von Männern, besonders in der schwulen Community, verletzlich zu sein und sich in der eigenen Haut wohlzufühlen", merkt Regisseur Nick Stoller an. "Ich denke, das sind Themen, mit denen sich jeder Mann schon einmal herumgeschlagen hat, aber gerade in der schwulen Szene ist das besonders ausgeprägt. Und es ist in besonderem Maße Billys Geschichte."
Es ist bezeichnend, dass die erste Szene, die sich Eichner für den Film ausdachte, der Moment ist, in dem die von Eichner gespielte Hauptfigur Bobby verlassen wird und beschließt, er müsse sich jetzt in Topform bringen. "Bobby ist sehr unsicher, was sein Aussehen, seinen Körper und seine Männlichkeit betrifft", erklärt Billy Eichner. "Also marschiert er ins Gym, um die Muckis zu trainieren, und er sieht einen Typen auf der anderen Seite des Raums, den er ziemlich scharf findet, und sie nehmen Blickkontakt auf, dann geht Bobby rüber zu dem Typen, um mit ihm zu flirten. Aber auf dem Weg entscheidet er im letzten Moment, er müsse anders gehen, männlicher, cooler. Er dreht seine Baseballkappe nach hinten, um mehr wie ein Bro rüberzukommen, und er macht seine Stimme viel tiefer, als sie normalerweise ist. Er verändert seine ganze Persönlichkeit, weil er glaubt, auf diese Weise attraktiver rüberzukommen."
"Ich bin schwul, bin aber trotzdem ein Bro"
Das sei ein unverändert großes Thema für schwule Männer, die in den Neunziger- und Nullerjahren erwachsen wurden, meint Eichner: "Meine Freunde und ich hatten nie ein Problem damit, schwul zu sein. Das war bei anderen sicher anders. Bei mir nicht. Unser Kampf war ein anderer: 'Okay, ich bin schwul, und das ist cool. Aber ich möchte trotzdem ein Mann sein.' Der Kampf war maskulin vs. feminin oder Macker vs. Paradiesvogel. So in der Art: 'Ich bin schwul, bin aber trotzdem ein Bro.' Heute geht es mir nicht mehr so. Aber damals war das sicherlich der Fall. Und das ist etwas, was schwulen Männern meiner Generation eingetrichtert wurde."
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Das ist tatsächlich so allgegenwärtig, dass Eichner selbst nicht immer merkt, wenn er in den Bro-Modus umschaltet, selbst heute noch. "All meine Agenten sind Heteros, all meine Anwälte sind Heteros, und mein Manager ist ein Hetero. Und sie sind alle echt zauberhaft und wunderbar", erzählt Eichner. "Ich hatte sehr lange Zeit eine Assistentin, die eine Koproduzentin von 'Bros' ist, und sie sagte zu mir: 'Wenn du einen Anruf von denen erhältst, dann geht deine Stimme automatisch zwei Oktaven runter.' Und ich merke das nicht einmal. Das sagt sehr viel aus über die Code-Wechsel, die wir in den vergangenen Jahren absolviert haben. Es ist einfach ein Teil unseres Lebens, dass wir immer dieses Spiel spielen: 'Wie trete ich gegenüber einem Hetero auf, um ihm nicht vor den Kopf zu stoßen?'"
Letztlich geht es bei dem Film allerdings um die Herkules-Aufgabe, jemanden im Leben zu finden, der einen nicht in den Wahnsinn treibt – und dann den Mut zu finden, dich selbst lieben zu lassen. "Es ist die Geschichte zweier Männer, die sich ineinander verknallen, aber gleichzeitig, aus unterschiedlichen Gründen, eingeschüchtert sind voneinander und auch ein bisschen Angst voreinander haben", sagt Eichner. (cw)
Bros. Romantische Komödie. USA 2022. Regie: Nicholas Stoller. Cast: Billy Eichner, Luke Macfarlane, Ts Madison, Monica Raymund, Guillermo Díaz, Guy Branum, Amanda Bearse, Jim Rash, Bowen Yang, Miss Lawrence, Harvey Fierstein, Symone, Eve Lindley, D'Lo Srijaerajah, Jai Rodriguez, Peter Kim, Dot-Marie Jones, Becca Blackwell, Brock Ciarlelli, Kristin Chenoweth, Debra Messing, Justin Covington, Ben Stiller, Kenan Thompson, Amy Schumer, Seth Meyers. Laufzeit: 115 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Universal Pictures Gemany. Kinostart: 27. Oktober 2022
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Jetzt kann ich halt nicht mehr anders, als bei schwulen Typen zu denken: Okay, er sieht niedlich aus, aber er wird dir entweder erzählen, dass du kein Mann bist und es niemals sein wirst, oder dass du zumindest damit leben musst, dass du in der schwulen Szene nix zu suchen hast, oder dass du schon irgendwie ein Mann bist, aber halt minderwertig, und man sowas wie dich nicht gefälligst datet und du den Leuten ein Outing schuldest, damit sie dich frühzeitig rausstreichen können. Weil es natürlich um Gefühle ja eh nie geht, sondern immer nur ums Ficken aka die Genitalien (+ das wichstauglich normschöne Aussehen dazu)..
... oder wenn er nicht selbst derjenige wäre, der dir das alles erzählt (denn die goldene Regel ist, dass es einen impliziten Auftrag unter Cissen gibt, dass irgendwer einer trans-Person immer all diese "Wahrheiten" erzählen muss, weil das gestörte Wesen diese "Richtigstellung" der Tatsachen sicherlich einfach noch nie gehört hat), würde er zumindest zugucken und sich im Zweifelsfalle später dafür aussprechen, dass man mich rausschmeißt, weil mein Ton und Benehmen so unmöglich sind, und ich jetzt Drama mache, bloß weil man mich diskriminiert, und denen die Stimmung versaue, bloß weil man mich psychisch wieder mal zu vernichten versucht.
Weil, es geht ja immer um alles Mögliche, bloß wie's einem damit geht, wie man behandelt wird, wie man sich fühlt und so, das darf alles immer nicht sein.
Ob ich unter den Umständen nen Film ertragen kann, in dem ich mit cis-Typen mitfühlen soll, für die die Wichtigkeit ihrer eigenen Gefühle ohnehin niemals bedeuten würde, auf mich Rücksicht zu nehmen, aka selbst wenn die ihre wertvollen Gefühle entdecken, würden sie mir das alles trotzdem weiter antun...?
... es hat ja Gründe, dass ich das Genre "Romance" in keiner Weise mehr ertrage.
Echt schade, dass der Film nicht zwanzig Jahre früher erschienen ist.