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#MeToo-Prozess in New York

Kevin Spacey: Keine Erinnerung an Vorfälle vor 36 Jahren

Der Schauspieler Anthony Rapp ("Star Trek: Discovery") wirft dem "House of Cards"-Star vor, ihn 1986 als damals 14-Jährigen sexuell attackiert zu haben. Vor Gericht wies Spacey die Vorwürfe am Montag zurück.


Kevin Spacey in seinem jüngsten Film "Bilo jednom u Hrvatskoj" (Es war einmal in Kroatien, 2022). In dem Dokudrama verkörpert er den ersten kroatischen Präsidenten Franjo Tudman
  • 18. Oktober 2022, 04:47h 2 3 Min.

Der schwule Hollywood-Schauspieler Kevin Spacey hat vor Gericht in New York die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der sexuellen Belästigung zurückgewiesen. "Ich erinnere mich nicht daran, mit ihm bei einer Privatparty zusammen gewesen zu sein, und auch nicht daran, mit ihm in einer Wohnung gewesen zu sein", sagte der 63-Jährige am Montag auf Fragen seines Anwalts zu den Vorwürfen des Klägers.

Der heute 50 Jahre alte Schauspieler Anthony Rapp ("Star Trek: Discovery") wirft Spacey vor, ihn 1986 als damals 14-Jährigen sexuell attackiert zu haben. Er verlangt 40 Millionen Dollar Schadenersatz.

Vorfall in New Yorker Apartment

Rapp hatte zuvor ausgesagt, dass er von Spacey nach einem ersten Kennenlernen einige Tage später zu einer Party in dessen New Yorker Apartment eingeladen wurde. An diesem Abend soll sich der sexuelle Übergriff ereignet haben. Als die anderen Gäste weg waren, sei der damals fast doppelt so alte Spacey zu ihm gekommen und habe in hochgehoben – "wie ein Bräutigam seine Braut über die Türschwelle trägt". Spacey habe dabei benommen gewirkt, erklärte Rapp weiter. Dann soll sich Spacey "mit vollem Gewicht" auf ihn gelegt und seine Arme festgehalten haben, während er seinen Schritt an Rapps Hüfte drückte.


Kläger Anthony Rapp in "Star Trek: Discovery" (Bild: Netflix)

"Da wusste ich, dass etwas falsch ist. Ich bekam das Gefühl, dass ich da raus muss. Ich fühlte mich aber auch wie eingefroren", berichtete Rapp im Zeugenstand. Er habe es schließlich geschafft, sich "unter ihm herauszuwinden" und das Apartment wenig später zu verlassen (queer.de berichtete).

"Entschuldige dich nie für etwas, das du nicht getan hast"

Der aus Filmen wie "Die üblichen Verdächtigen" und "American Beauty" sowie der erfolgreichen Netflix-Serie "House of Cards" bekannte Spacey war lange Zeit ein gefeierter Hollywood-Star. Wegen Missbrauchsvorwürfen im Zuge der vor fünf Jahren entstandenen #MeToo-Bewegung wurde der heute 63-Jährige aber schlagartig zum Geächteten.

Rapp machte Ende Oktober 2017 seine Vorwürfe gegen Spacey in einem Interview öffentlich. Spacey entschuldigte sich damals für "äußerst unangemessenes Verhalten in betrunkenem Zustand". Er könne sich an den Vorfall aber nicht erinnern. Gleichzeitig hatte er sein Coming-out (queer.de berichtete). Nun sagte Spacey vor Gericht, er bereue, dass er sich auf Anraten seiner Agenten damals entschuldigt habe. "Ich habe eine Lektion gelernt", sagte er. "Entschuldige dich nie für etwas, das du nicht getan hast."

In seiner Aussage ließ sich Spacey auch in einer Weise über seinen Vater aus, wie er es bisher öffentlich nicht getan hatte. Sein Vater sei ein "Neonazi" und "weißer Rassist" gewesen, der Homosexuelle ebenso wenig gemocht habe wie das Interesse seines Sohnes für das Theater, sagte der 63-Jährige.

Keine Verurteilung wegen vorsätzlicher Zufügung von seelischem Leid

Vor Spaceys Aussage hat der Richter Lewis Kaplan gemäß CNN am Montag Rapps Klage wegen vorsätzlicher Zufügung von seelischem Leid abgewiesen. Diese wiederhole die Vorwürfe der Körperverletzung gegen Spacey. Die Klage wegen Körperverletzung ließ er jedoch bestehen, sie wird nach der Aussage von Spacey und den Schlussplädoyers überprüft.

Rapp hatte 2020 eine Strafanzeige gegen Spacey wegen des Vorwurfs eines sexuellen Angriffs erstattet, die ein Richter aber verwarf. Der Schauspieler hatte daraufhin eine Zivilklage eingereicht.

Rapps Vorwürfe gegen Spacey sind nicht die einzigen Anschuldigungen gegen den Oscar-Preisträger. In Großbritannien werden Spacey vier Übergriffe gegen drei Männer in den Jahren 2005 bis 2013 zur Last gelegt. Im Juli plädierte Spacey vor einem Gericht in London auf nicht schuldig (queer.de berichtete). (cw/AFP/spot)

#1 LothiAnonym
  • 18.10.2022, 07:18h
  • Kevin Spaceys Familienvergangenheit läßt mich aufhorchen. Etwas worüber der Schauspieler sonst nie in der Öffentlichkeit geredet hatte.
    Und das er sich vermutlich nicht einmal an diesen Vorfall, der nun im Gericht verhandelt wird erinnern kann, das halte ich sogar für glaubwürdig. Wieso? Er ist ein Schauspieler mit einem sehr hohen Arbeitspotenzial. Sprich, hat sehr, sehr viel Zeit mit seiner Schauspielkunst verbracht. Da sind Auftritte im Theater und Film. Darunter kann, muß nicht aber kann ein Privatleben sehr drunter leiden. Hinzu kommen dann über all die Jahre hinweg private Partys mit sogenannten Freunden.
    Also für mich klingt das schon recht plausibel wenn er sagt, er könne sich nicht mehr daran erinnern. Wohlgemerkt ich schreibe hier aus dem Off ohne die wahre Person jemals persönlich kennengelernt zu haben.
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#2 vielzutunAnonym
  • 19.10.2022, 09:03h
  • Antwort auf #1 von Lothi
  • Ich stimme Dir zu, es wäre plausibel, dass er es vergessen hätte. Würde aber auch dafür sprechen, dass er öfter so vorgegangen ist.
    Aus damaliger Sicht war es ein plumber Anmachversuch, der halt etwas weit ging.
    Ich wundere mich allerdings über den Altersunterschied, Anthony Rapp hat ja schon immer eine Jungenhafte Erscheinung gehabt. Es muss Spacey also klar gewesen , dass er da einen Minderjährigen anmacht. Und da setzt für mich eigentlich das eigentliche Vergehen an.
    Interessanterweise soll es ja eine ähnliche Konstellation zwischen Charlie Sheen und zwei minderjährigen männlichen Schauspielern (Feldman und Haim) gegeben haben, allerdings es hier zur tatsächlichen Vergewaltigungen gekommen sein.
    Vielleicht doch ein System dahinter, das aufstrebenden Schauspielern erlaubte, sich so zu benehmen wie sie wollten und Minderjährige Schauspieler als stille Opfer in Kauf nahm ?
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