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LiSL-Mitgliederversammlung
Queere FDP-Organisation warnt vor "linkem Klassenkampf" in LGBTI-Community
LiSL gibt sich kämpferisch: Besonders die "Vereinnahmung der Community" durch linke Kräfte müsse verhindert werden. Außerdem gibt sich die zwölf Jahre alte Organisation einen neuen Namen.
- 18. Oktober 2022, 10:27h 3 Min.
Die Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL) haben am Sonntag bei ihrer Mitgliederversammlung im Berliner Hans-Dietrich-Genscher-Haus eine Umbenennung beschlossen. Die Vorfeldorganisation der FDP wird künftig den Namen "Liberale Schwule, Lesben, Bi, Trans und Queer" tragen. Die seit der Gründung von zwölf Jahren gebräuchliche Abkürzung LiSL wird jedoch nicht geändert, es kommt aber zum Namen der Claim "Für queere Freiheit" hinzu. Die Mitglieder lehnten einen Alternativvorschlag mit großer Mehrheit ab, die Gruppierung in "Queere Liberale" umzubenennen.
Posted by LiSL Deutschland on Sunday, October 16, 2022
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"Wir wollen uns für Menschen öffnen, die sich als queer definieren, ohne die emanzipatorische Identifikation als Schwule und Lesben zurückzudrängen", so begründete Michael Kauch, seit 2013 Bundesvorsitzender von LiSL, die Entscheidung. "Wir unterstreichen damit die Vielfalt innerhalb der Community."
Leitbild: Gegen Rechts- und Linkspopulismus, für Vielfalt
Im ebenfalls beschlossenen Leitbild des Verbandes (PDF) grenzt sich LiSL von Rechts und gar an mehreren Stellen von Links ab. So heißt es: "Wir arbeiten an gesellschaftlicher Akzeptanz und rechtlicher Gleichstellung. Wir stellen uns der Vereinnahmung der Community durch rechts- oder linkspopulistische Kräfte entgegen."
Man erhebe den Anspruch, den "Queer-Begriff im liberalen Sinne zu definieren und zu interpretieren". "Wir stellen uns daher allen Versuchen entgegen, eine integrative und auf Vielfalt gerichtete Bürger- und Menschenrechtspolitik zu diskreditieren und unter dem Deckmantel intersektionaler queerer Emanzipation den Queer-Begriff zu missbrauchen, um linken Klassenkampf zu führen." Freilich werde man sich trotzdem aktiv gegen andere Diskriminierungen einsetzen, "sei sie gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe oder Migrationshintergrund, Personen mit nicht-binärem Geschlechtsausdruck, Trans*, Cis-Personen, Ältere oder Menschen mit Behinderung gerichtet".
LiSL betont in dem Beschluss besonders die "Freiheit des einzelnen Menschen" und die Vielfalt der queeren Community: "Wir verteidigen die Vielfalt und die Bedürfnisse der unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten gegen den Versuch, diesen eine uniforme Gruppenidentität einer queeren oder LSBTI* Community überzustülpen", heißt es.
Zudem stehe LiSL für alle Menschen offen, unabhängig von der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität: "Straight Allies sind als Verbündete ausdrücklich herzlich willkommen", heißt es in dem Papier.
Nachwahlen zum Vorstand
Bei der Versammlung fanden auch Nachwahlen zum Bundesvorstand statt. Zwei Mitglieder aus Bayern ziehen in das Gremium ein: der Bundespolizist Wolfgang Appenzeller (48) aus München und der Pilot Daniel Rüdel (30) aus Freising.
Wir gratulieren unseren neuen Mitgliedern des Bundesvorstandes ?: Wolfgang Appenzeller und Daniel Rüdel wurden gestern...
Posted by LiSL Deutschland on Monday, October 17, 2022
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LiSL war 2010 gegründet worden. Der Verband setzte sich zuletzt für die Aufnahme queerer Menschen aus Afghanistan ein – mit Erfolg (queer.de berichtete). Ein Alleinstellungsmerkmal von LiSL im Parteienspektrum ist die Forderung nach der Legalisierung der Leihmutterschaft (queer.de berichtete).
LiSL kritisierte auch andere queere Organisationen, wenn ihnen der "queerpolitische Kompass abhanden gekommen" sei, wie Michael Kauch es formulierte – so griff er 2020 den Berliner CSD an, weil dieser sich für Klimaschutz einsetzen wollte, aber manche LGBTI-Themen unter den Tisch fallen lasse (queer.de berichtete). (dk)
















