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Berlin
Virtuelle Darkrooms und Vibratoren, die Orgasmen analysieren
Bei der 4. SxTech-Konferenz am 27. Oktober in Berlin stellen Expert*innen die neuesten Innovationen aus der Sex-Tech-Branche vor. Das Angebot für queere Menschen kommt dabei nicht zu kurz.

In Dark-VR-Rooms kann man auf der SxTech Avatare von Wunsch-Sexpartner*innen erstellen und diese anschließend durch die VR-Brille in immersiven Szenen erleben (Bild: IMAGO / Science Photo Library)
- Von Sarah Schmitt
22. Oktober 2022, 03:52h 4 Min.
Was passiert, wenn Sexualität und moderne Technologien aufeinandertreffen? Bei der 4. Ausgabe der jährlichen SxTech-Konferenz stellen Sexpert*innen am 27. Oktober in Berlin die neuesten Innovationen aus der Sex-Tech-Branche vor.
Den Veranstalter*innen zufolge ist die SxTech-Konferenz das weltweit einzige Format, das die Zukunft von Technologie und Lust der Öffentlichkeit präsentiert. In Publikumstalks, Workshops, Kunstperformances und -ausstellungen, durch ein Erotik-Kinoprogramm sowie interaktive Testmöglichkeiten können Sexperimentierfreudige erleben, was der Markt an Sex-Technologien aktuell zu bieten hat.
Die Konferenz will mit ihrem breiten Angebot ein sektorübergreifendes Publikum ansprechen und hat sich dabei insbesondere sexuelle Inklusivität auf die Fahne geschrieben. Dass nicht nur wichtige Akteure für sexuelle Gesundheit wie die Charité, sondern auch Tech-Giganten wie Google anwesend sein werden, lässt zudem erahnen, welche Bedeutung die Sex-Tech-Industrie sowohl für den Bereich der sexuellen Gesundheit als auch für die globale Wirtschaft mittlerweile angenommen hat.
Technik verändert unsere Sexualität
Fragen, die in den Podiumsdiskussionen und Talks thematisiert werden, betreffen unter anderem die Digitalisierung von sexueller Gesundheit und die Erfassung von Daten unterschiedlicher Communities – darunter etwa ein Datenset mit 100.000 Vulven-Orgasmen von Lioness Health, deren Vibrator mittels Sensoren Orgasmen analysiert. Auch die Fördermöglichkeiten für XXX-Firmen und damit verbundene Stigmata werden erläutert. Ein weiterer Aspekt ist die Frage, inwiefern immersive Technologien wie Virtual Reality unser Verständnis von Intimität verändern, wenn letztere künftig im virtuellen Raum per Knopfdruck herstellbar und realistisch erlebbar sein wird. Auch Themen wie sexuelle Aufklärung im digitalen Raum und E-Commerce stehen auf der Agenda der Konferenz.
Einige der neuesten Entwicklungen in Sachen Dildos, Vibratoren und Co. können Interessierte sogar vor Ort in intimer Atmosphäre ausprobieren. In Dark-VR-Rooms von Deviant Tech und VR HOT kann man zudem nach eigenem Belieben mittels Virtual Reality Avatare von Wunsch-Sexpartner*innen erstellen und diese anschließend durch die VR-Brille in immersiven Szenen erleben. Und in einem Workshop von BDSM Architecture lernt man, wie man den eigenen Pleasure Room mit passenden Möbeln und Utensilien ausstattet.
Mit einem Anteil von 80 Prozent sind Sexpert*innen, die sich als weiblich identifizieren, stark vertreten auf der Konferenz. Das zeigt sich auch in den eingeladenen Pornoplattformen. Eine wichtige Akteurin ist hier etwa Paulita Pappel, die seit Jahren sowohl vor als auch hinter der Kamera in der queerfeministischen Pornoszene unterwegs ist. Sie kuratiert unter anderem das Pornfilmfestival Berlin und gründete mit ihrer Firma Lustery 2016 eine eigene Plattform für Amateurpornofilme, in der echte Paare aus aller Welt Einblicke in ihr Sexleben geben. In ihrem Paneltalk wird Pappel hinter die Kulissen des Adult Cinema führen. Dieses lässt sich auf der Konferenz auch direkt erleben: Im Rahmen eines fünfstündigen Porno-Kinoprogramms werden ausschließlich ethische, darunter viele queere Pornos unterschiedlicher progressiver Produktionsfirmen gezeigt.
Queer by default?

Auf der SxTech-Homepage werden auch eigene Merch-Artikel angeboten
Hauptfokus der jährlich stattfindenden Konferenz liegt auf der Überschneidung zwischen Sex-Technologien und Wirtschaft. Denn laut aktuellen Prognosen ist der Sextech-Bereich eine der führenden Technologiebranchen der Zukunft. Schätzungen zufolge soll der Markt für sexuelles Wohlbefinden und Gesundheit bis 2030 global auf über 120 Milliarden US-Dollar ansteigen. Insbesondere geht man davon aus, dass der Anteil von Kund*innen aus der LGBTI-Community bis 2030 künftig stark zunehmen wird.
Der Trend ist vor allem auf die verbesserte Situation von sexueller Gesundheit von Frauen in Entwicklungsländern zurückzuführen sowie auf die Tatsache, dass viele Angebote und Produkte nun über das Smartphone, in Streamingkanälen oder per Online-Shopping erhältlich sind. Auch die Tatsache, dass sich die Rechtslage für queere Menschen in vielen Ländern verbessert hat, steigert die Erreichbarkeit dieser Community. Zudem hatte die Coronapandemie weltweit positive Auswirkungen auf den Verkauf entsprechender Produkte. So machten Sexspielzeuge im Jahr 2021 etwa das größte Marktsegment der Sextechnologien aus.
Durch die neuen Technologien und den Einsatz digitaler Hilfsmittel trägt die Industrie auch dazu bei, einige der sehr realen Probleme zu lösen, die für viele Menschen mit Sexualität verbunden sind. So werden Lust und die Erforschung sexueller Präferenzen – zumindest vorrangig in den Industriestaaten des Globalen Nordens – einem breiteren Spektrum zugänglich gemacht, auch jenen mit körperlichen oder gesundheitlichen Einschränkungen und ungeachtet ihres Alters.
Infos zum Event
Neugierig, welche technologischen Innovationen es genau gibt, und wie inklusiv und queer die einzelnen vorgestellten Technologien wirklich sind? Ob und wie es der diesjährigen SxTech gelang, die vielfältigen Kombinationen von Sexualität und Technologie in der eintägigen Konferenz anzusprechen und zu vereinen, berichten wir im Anschluss hier auf queer.de.
Und wer sich selbst ein Bild davon machen will, wie Sex und technologische Innovationen zusammenpassen, kann am 27. Oktober vor Ort im Monopol (Provinzstraße 40-44, Berlin- Reinickendorf) noder hybrid teilnehmen. Die Teilnahme an der Veranstaltung basiert auf Einladung; ein begrenztes Ticketkontingent ist derzeit jedoch noch über die SxTech-Homepage erhältlich. Der Preis pro Ticket liegt je nach Buchungszeitpunkt und Zugangslevel bei 80 € bis 250 €.
Das Ticket für die Afterparty mit DJ-Lineup, Kink-Fashion, BDSM- und Shibari-Show und interaktiven Sex-Tech-Aktionen im Berliner Club Remise gibt es bis zum 26. Oktober für 25 €.
Links zum Thema:
» Homepage zur SxTech














