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Großbritannien

So steht Rishi Sunak zu LGBTI-Themen

Der künftige britische Premierminister gibt sich als Unterstützer queerer Anliegen – fiel zuletzt aber auch mit transfeindlicher Positionierung auf.


Sunak am Montag bei der ersten Ansprache als neuer Chef der Torys

  • 24. Oktober 2022, 16:11h 10 4 Min.

Der frühere konservative Finanzminister Rishi Sunak wird neuer Premierminister von Großbritannien. Seine einzige Rivalin Penny Mordaunt zog am Montag ihre Kandidatur im parteiinternen Rennen um die Nachfolge der nach wenigen Wochen im Amt zurückgetretenen Partei- und Regierungschefin Liz Truss zurück.

Als Sohn indischer Einwanderer wird der in Southampton geborene Sunak der erste britische Regierungschef, der einer ethnischen Minderheit in Großbritannien angehört. Der 42-jährige praktizierende Hindu, der jüngste Premier seit über 200 Jahren, gilt zugleich als reichster Abgeordneter des Landes: Der frühere Investmentbanker ist mit der Tochter des Infosys-Gründers verheiratet, die einen Hunderte Millionen Pfund schweren Anteil an dem indischen IT-Giganten hält.

Noch im Sommer war Sunak in einer parteiinternen Wahl um die Nachfolge des zurückgetretenen Boris Johnson Truss unterlegen. Damals stimmte eine Mehrheit der Abgeordneten für ihn, die entscheidende Parteibasis allerdings mit 57 zu 43 Prozent für Truss.

Anders als bei Truss, die mit einem Kampf gegen "Identitätspolitik", dem Stopp eines Selbstbestimmungsgesetzes oder der nicht erfolgten Umsetzung eines Verbots von "Konversionstherapien" bereits als Gleichstellungsministerin für Kritik sorgte (queer.de berichtete), hatte Sunak als Abgeordneter seit 2015 und als Finanzminister wenig konkrete Berührungspunkte zu queeren Themen.

Warme Worte vor der Wahl im Sommer

Zur Wahl im Sommer hatte Sunak der Vereinigung "LGBT+ Conservatives" geantwortet, es gebe noch vieles, was "wir" tun könnten, "um die stolze Erfolgsbilanz dieses Landes bei den Rechten von LGBT+ voranzubringen": "Von der Beendigung neuer HIV-Übertragungen bis 2030 über die Bekämpfung von Fällen von Hasskriminalität bis hin zur Förderung einer toleranteren, akzeptierenden Gesellschaft".

Er verspreche, als Premierminister ein Verbündeter zu sein und daran zu arbeiten, dass Großbritannien der "freundlichste, sicherste und lebendigste Ort der Welt für LGBT+" werde. "Mein Versprechen ist, dafür zu sorgen, dass keiner von Ihnen jemals das Bedürfnis verspürt, sich zu verstecken, sondern stattdessen mit Hoffnung, Freude und vor allem Stolz leben kann."

Auf die Frage nach "dem zunehmenden Problem von Transphobie innerhalb der konservativen Partei" hatte er betont, dass Vorurteile gegen trans Personen falsch seien, sich ansonsten aber vage für eine "Kultur der Toleranz" und "offene und ehrliche Debatten" ausgesprochen, ohne die Fortschritt nicht denkbar seien.

Trans Frauen für Sunak keine Frauen

Bei einer im Sommer live im TV übertragenen Fragerunde hatte Sunak – wie Truss – auf die Frage, ob trans Frauen Frauen seien, allerdings kurz mit einem deutlichen "Nein" geantwortet. Wenige Wochen zuvor hatte er einen Artikel geteilt, in dem ein Unterstützer des Kandidaten betonte, dieser werde sich als Premier gegen Trends stellen, "Frauen durch die Verwendung einer ungeschickten, geschlechtsneutralen Sprache auszulöschen".

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Die unbenannte Quelle des Artikels, dessen Inhalt sich Sunak durch das Teilen und teilweise Aufgreifen in eigenen Worten zu eigen machte, betonte, Mütter sollten weiterhin Mütter genannt werden und Sunak wolle ein "Manifest für Frauenrechte" vorstellen, das unter anderem trans Frauen aus dem Frauensport banne. Schulen sollten bei der Unterrichtung von queeren Thematiken "vorsichtiger" sein.

Im April hatte Sunak in einem Online-Q&A mit Mumsnet-Nutzerinnen betont, dass trans Personen mit Respekt begegnet werden sollten. Zugleich sagte er auf Fragen: "Ich denke, Biologie ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir über einige der sehr praktischen Funktionen wie Toiletten oder Sport nachdenken." Er verteidigte auch Boris Johnson, der zuvor betont hatte, dass "biologische Männer" nicht an Frauen-Sport teilnehmen sollten.

Man müsse "Mitgefühl für diejenigen haben, die über ihre Identität nachdenken und darüber nachdenken, was das für sie und ihre Familien bedeutet, wenn sie möglicherweise eine Veränderung durchmachen, und wir müssen diesbezüglich mitfühlend und verständnisvoll sein", so Sunak damals. Man müsse ebenfalls Respekt haben vor "den Ansichten von Frauen, die Angst haben, dass einige der Dinge, für die sie wirklich hart gekämpft haben, und Rechte, die ihnen wichtig sind, ausgehöhlt werden. Diese Sichtweise müssen wir respektieren." (cw/dpa)

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#1 SeraphinaAnonym
  • 24.10.2022, 18:27h
  • Bei den Tories nach nur einer transfreundlichen Person zu suchen ist vollkommen vergebene Liebesmühe, die komplette Unsichtbarmachung von Trans ist eine Einheitslinie in der Partei. "Bestenfalls" ist Rishi Sunak kein Eliminationist Hardliner ala Liss Truss, Suella Braverman, Kemi Badenoch (hat Verbindungen zur LGB Alliance), Nadhim Zahawi (der alle queere Menschen schlichtweg hasst) oder diese eine Baronin. Wie es mit der Akzeptanz von LGB bei diesem neoliberalen Technokraten steht ist auch gelinde gesagt zweifelhaft. Naja hoffen wir, dass er nicht zu großen Schaden anrichtet und dann Anfang 2025 Labour gewählt wird.
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#2 KölnfischAnonym
  • 24.10.2022, 18:50h
  • Ich wünsche Großbritannien das Glück, dass es von seinem schwerreichen neuen Premierminister finanziell großzügig unterstützt wird.
    Und Labour wünsche ich das Glück, noch lange in der Opposition zu bleiben. Es ist Aufgabe der Tories, all den politischen Müll, den sie in Großbritannien angerichtet haben, auch wieder zu beseitigen.
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#3 KilianEhemaliges Profil
  • 24.10.2022, 21:25h
  • Ein 730 Millionen Pfund (Stern, Juli 2022) schwerer Turbokapitalist übernimmt nach einem antidemokratischen, innerparteilischen Gekungel das Steuerrad der halbgesunkenen Galeone UK und philosophiert über Arbeitslose, Armut, desolate Wirtschaft und mehr, welche er selbst zu großen Teilen durch den Brexit zu verantworten und verschuldet hat. Good luck, Brits.

    Das erinnert mich doch sehr stark an die Pervertierung der Sozialdemokratie unter Schröder, der sich feiernd im Frack und Champagner trinkend auf dem Opernball ablichten hat lassen, während er den größten Niedriglohnsektor Europas geschaffen und hunderttausende Menschen via Hartz4 in Armut, Stigmatisierung und Ausgrenzung gestürzt hat.

    Neuwahlen wären hier einer Demokratie und den Wähler:innen ggü. angemessen gewesen, sofern man man sich als Diener:innen derselben versteht, was ich bezweifle.
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