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Nach Papst und Lindner
"Emma": Sascha Lobo ist "Sexist Man Alive 2022"
Das Magazin kritisiert einen TV-Auftritt des "woken" Journalisten zum Thema Prostitution – der vermutet, sein Einsatz für trans Rechte und Kritik an Alice Schwarzer spielten bei dem Negativpreis eine Rolle.

Lobo im April in der von "Emma" kritisierten Sendung (Bild: TV-Screenshot)
- 25. Oktober 2022, 16:17h 4 Min.
Alice Schwarzers "Emma"-Redaktion hat Sascha Lobo zum "Sexist Man Alive 2022" ausgerufen. Der Blogger und Journalist ist für das feministische Magazin der frauenfeindlichste Mann des Jahres. Begründet wird dies in einer auch online verfügbaren Titelstory damit, dass Lobo in der NDR-Sendung "deep und deutlich" die Ausbeutung von Frauen durch Prostitution verharmlost habe.
In der Talkshow berichtete Huschke Mau im April darüber, wie sie als junges Mädchen ohne Zuhause von einem Zuhälter dazu gebracht wurde, als Prostituierte zu arbeiten. Ihre leidvollen Erfahrungen hat sie in dem Buch "Entmenschlicht – Warum wir Prostitution abschaffen müssen" verarbeitet.
Lobo sprach sich in der Sendung gegen ein Verbot von Prostitution aus, weil die Sexarbeit damit in die Illegalität abrutsche und für die Frauen alles noch schlimmer werde. Menschenhandel und Zwangsprostitution seien jetzt schon verboten, fänden aber weiterhin statt, argumentierte Lobo.
Außerdem wandte er sich dagegen, jeden Sex, bei dem Geld fließt, als Vergewaltigung zu werten. Es entwickelte sich eine zunehmend heftige Diskussion, an deren Ende Mau die Sendung aus Protest gegen die Haltung der "privilegierten Menschen" im Studio verließ. Lobo bedauerte das ausdrücklich. Das "deep und deutlich"-Team bat nach der Sendung um Entschuldigung.
"Emma": Mann belehrt Betroffene
"Emma" wirft Lobo vor, eine Frau, die Prostitution am eigenen Leib erfahren habe, aus seiner Berliner Blase heraus belehren zu wollen. "Lobo (…) raubt der einzig kundigen Frau der Runde damit jeden Raum, um über das verheerende System Prostitution, an dem sie selbst fast zugrunde gegangen wäre, zu reden." Dabei ist auch von Mansplaining die Rede. Lobo, der sich als "Feminist, und zwar intersektional, sexpositiv, sexarbeits- und transinklusiv", beschreibe und Begriffe wie "Menschen mit Gebärmutter" nutze, rufe Sexarbeit als gut, "woke" und feministisch aus, so "Emma". "Solange man sie nicht selbst verrichten muss, natürlich. Und wer das nicht so sieht, der ist raus."
/ EMMA_MagazinDer Award "Sexist Man Alive" 2022 geht an: Sascha Lobo! @saschalobo Nach @kollegah, ChristianLindner @c_lindner und Papst Franziskus @Pontifex_de haben wir den woken Meinungsmacher, ja, den Poeten vom Prenzlauer Berg, zu unserem Preisträger auserkoren: 1/2 https://t.co/GfhnbPt7kr
EMMA (@EMMA_Magazin) October 24, 2022
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Allgemeiner arbeitet sich der Text an einer aus "Emma"-Sicht vorhandenen "Berliner Blase" und an "woken Möchtegern-Meinungsmeiern" ab, für die Lobo den Preis stellvertretend erhalte. Diese Blase schwinge "mit selbstgerechter Arroganz eine Moralkeule, die die Diskussionskultur in diesem Land erschlägt. Vor allem jene Diskussionen, die die größte diskriminierte Gruppe von allen betrifft: Frauen."
Lobo: Vertrete anderen Feminismus
Gegenüber dem "Spiegel", für den Lobo eine Kolumne schreibt, verteidigte der Journalist am Montag seine Position: "Ich bin Feminist, aber vertrete offensichtlich einen anderen Feminismus als Alice Schwarzers Zeitschrift 'Emma'. Wie ich in der angesprochenen Fernsehsendung sage und 'Emma' leider überhört zu haben scheint, ist meine Position zur Prostitution zu 100 Prozent deckungsgleich etwa mit dem Deutschen Frauenrat oder der Diakonie".
Weiter führte er die Preisvergabe unter anderem auf einen Podcast zurück, in dem er Alice Schwarzers Position zum Ukrainekrieg kritisierte: "Leider muss ich befürchten, dass mein öffentliches Eintreten für die Rechte von trans Personen und insbesondere trans Frauen sowie mein Podcast im Mai mit dem Titel 'Alices Schwarzers Lumpen-Pazifismus' eine Rolle bei der Preisverleihung gespielt haben. Insofern ist der Preis gar nicht an mich gerichtet, sondern an andere Menschen mit dem Signal: Engagiert euch auf keinen Fall feministisch für Sexworker*innen und für trans Frauen."
/ saschaloboOhne besonderen oder aktuellen Grund möchte ich hier nochmal eine hörenswerte Podcast-Folge aus dem Mai diesen Jahres teilen: https://t.co/OHBh7vwW11
Sascha Lobo (@saschalobo) October 24, 2022
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Kollegah, Lindner, Papst, Lobo?
Das US-Magazin "People" kürt jedes Jahr den "sexiest man alive", den Mann mit dem größten Sex-Appeal. In Anspielung darauf bestimmt "Emma" den sexistischsten Mann des Jahres. Vor Sascha Lobo ging der Negativ-Preis wegen der Diskriminierung von Frauen in der katholischen Kirche an Papst Franziskus (2021), wegen Anzüglichkeiten in einer Rede an FDP-Chef Christian Lindner (2020) und wegen frauenfeindlicher Texte an den Rapper Kollegah (2019).
Die Auszeichnung von Lobo sorgte für manchen Zuspruch, aber selbst im Twitter-Kanal von "Emma" für einige Kritik. Warum spielten Putin, US-Republikaner und ihr Kampf gegen Abtreibung oder der Iran keine Rolle, wurde etwa gefragt, warum nicht Männer wie Julian Reichelt? "In der Ukraine läßt Putin Frauen vergewaltigen, aber sexist man alive für @EMMA_Magazin & @_AliceSchwarzer ist @saschalobo", twitterte der Grünenpolitiker Volker Beck. "Weil er ihre Witchhunt gegen trans* & Prostituierte nicht mitmacht. da ist Putin stabiler, wenn es gegen #LGBT geht."
Im Januar war in der "Emma" ein Artikel erschienen, in dem der trans Bundestagsabgeordneten Tessa Ganserer das Frausein abgesprochen wird. Der Artikel beleidigt auch direkt die grüne Politikerin wegen ihrer Geschlechtsidentität (queer.de berichtete). Seither führt Schwarzer eine Kampagne gegen das von der Ampel-Regierung geplante Selbstbestimmungsgesetz, etwa mit einem transfeindlichen Buch (queer.de berichtete). (dpa/cw)















Zuhälterei und Menschenhandel sind jetzt schon illegal. Ich bezweifle, dass ein Sexkaufverbot da noch viel bringt. Allgemein dürfte das die prekäre Lage, in der manche sind, eher noch verschlimmern.