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Behandlungsrichtlinien-Entwurf
Bei englischen Kindern ist Transgeschlechtlichkeit bald nur noch eine "vorübergehende Phase"
Der englische und walisische NHS bekommt eine neue Richtlinie im Umgang mit trans Kindern und Jugendlichen. Die enthält eher gefühlte Wahrheiten von Transfeind*innen als wissenschaftlich Fundiertes.

Entwickeln sich britische trans Kinder anders als in internationalen Studien beobachtet? (Bild: Daydreamerboy / wikipedia)
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26. Oktober 2022, 11:24h 4 Min.
Britische Medien berichten, dass der öffentliche Gesundheitsdienstleister NHS (National Health Service) an einer neuen Richtlinie zum Umgang mit transgeschlechtlichen Kindern und Jugendlichen arbeitet. Einem Entwurf dieser Richtlinien zufolge soll die Annahme, dass die meisten transgeschlechtlich empfindenden Kinder und Jugendlichen nur unter einer "vorübergehenden Phase" von Geschlechtsinkongruenz litten, zu einer zentralen Botschaft gegenüber den Behandler*innen werden.
Demnach gäbe es wissenschaftliche Evidenzen, dass Geschlechtsinkongruenz "in den meisten Fällen" in der Pubertät nicht fortbestehe. Der Dienstleister ist zuständig für transgeschlechtliche Kinder und Jugendliche in England und Wales, nicht aber etwa in Schottland.
"Vorsichtiges" Vorgehen bei trans Jugendlichen
Der NHS werde, sollte der Entwurf tatsächlich verabschiedet werden, ein "vorsichtigeres" Vorgehen bei der Behandlung transgeschlechtlich empfindender Kinder an den Tag legen. Tatsächlich wirken die vorgestellten Maßnahmen wie eine Zusammenstellung von Kontrollinstrumenten, mit denen die Jugendlichen zunächst in eine vom eigenen Körper ausgehende Pubertät gezwungen werden sollen. Unterschiedlichen Medienberichten zufolge solle die Verschreibung von Pubertätsblockern demnach für unter 18-Jährige entweder ganz abgeschafft werden oder nur noch in einzelnen Fällen möglich sein.
In den Berichten wirkt es so, als werde die soziale Transition, also die Änderung von Vornamen und Pronomen im sozialen Kontext, von Behandler*innen als Maßnahme angeordnet und nicht von den Kindern und Jugendlichen selbst erkämpft und durchgeführt. Diese soziale Transition sei jedoch nicht "neutral" – gemeint ist das wohl in Hinblick auf eine spätere Entscheidung, eine Pubertät einleitende Hormone einzunehmen. Zunächst müsse es demnach eine solide Diagnose der Transgeschlechtlichkeit geben, die man aber den meisten Kindern vorenthalten möchte. Zumal Schwierigkeiten erlebe, in die alte Rolle zurückzukehren, wer erst ein mal sozial transitioniert sei.
Die neue Richtlinie wäre Teil der Umstrukturierungen im NHS bei der Behandlung von trans Jugendlichen, wegen denen unter anderem die für England und Wales zentrale Tavistock-Klinik in London schließen und durch zwei dezentrale Zentren ersetzt werden wird (queer.de berichtete).
Das Zentrum war Gegenstand einer Kontroverse um die Rolle von Pubertätsblockern gewesen, die es zwischenzeitlich nicht mehr, dann jedoch wieder verschreiben durfte. Auslöser dafür war unter anderem eine Kampagne der ehemaligen Tavistock-Patientin Keira Bell, die nach einer Detransition und unterstützt von transfeindlichen Organisationen Klage einreichte und so kurzzeitig das Verbot der Gabe von Pubertätsblockern an unter 16-Jährige gerichtlich durchsetzen konnte.
Ein weiterer Punkt in den Richtlinien sind Gegenmaßnahmen, die Behandler*innen einleiten sollten, wenn Patient*innen Pubertätsblocker oder Hormontherapien etwa aus Online-Apotheken bezögen, obwohl die Behandler*innen eine medikamentöse Therapie nicht guthießen. Darunter verstanden britische Medien die Hinzuziehung von Sozialarbeiter*innen und sogar von Polizist*innen zur angeblichen Gewährleistung der Sicherheit der Jugendlichen. Zuletzt sollen Jugendliche vermehrt auf Präparate aus solchen Quellen zugegriffen haben. Eine ärztliche Aufsicht der Therapien war jedoch so nicht möglich.
Im überlasteten System ändert sich für Patient*innen kaum etwas
Kritiker*innen hatten dem englisch-walisischen System immer wieder vorgeworfen, den eigentlichen Zweck einer Behandlung, die Vermeidung der körpereigenen Pubertät, durch lange Wartezeiten ad absurdum zu führen. Das hatte transfeindliche Stimmen kaum daran gehindert, von einem unkritisch geschlechtsaffirmierenden Ansatz zu sprechen, der in der Tavistock-Klinik praktiziert worden sei und durch den verfrüht pubertätsblockende Hormone verschrieben würden.
So dürfte sich durch ein Verbot von Pubertätsblockern oder ihre starke Einschränkung für viele Patient*innen nicht viel ändern. Zuletzt sollen Kinder und Jugendliche auf ihren Ersttermin über zwei Jahre gewartet haben. Bis von da an die tatsächliche Behandlung mit Hormonen oder Hormonblockern beginnen konnte, verging noch ein mal etwa ein Jahr.
Für viele Patient*innen, die mit ihren Familien nicht rechtzeitig Jahre vor Beginn der Pubertät die Einleitung medizinischer Maßnahmen angestrebt haben, bestand darum innerhalb des bisherigen Systems gar keine Hoffnung auf eine Verhinderung der Pubertät. Bei Beginn der beantragten Behandlung waren sie bereits mitten in der körperlichen Veränderung oder rutschten aufgrund ihres Alters sogar schon in das Erwachsenensystem.
Doch durch die in der Richtlinie enthaltenen Formulierungen wird deutlich, dass anscheinend wenig Hoffnung auf eine baldige Verbesserung der Lage von trans Jugendlichen in England und Wales besteht. Zuletzt hatte eine Studie über das Beibehalten der transgeschlechtlichen Identität die Praxis gestützt, manchen der Jugendlichen mit Pubertätsblockern und Hormongaben zu helfen. Die fand, dass die Zahl derjenigen Kinder, die ihre Transition später rückgängig machten, eher gering ist
In der Arbeit mit 317 Kindern und Jugendlichen lag die Zahl der Detransitionierten fünf Jahre nach ihrer sozialen Transition etwa bei 2,5 Prozent Jugendlichen und Kindern, die sich nun als cisgeschlechtlich identifizierten. Die teilnehmenden Kinder waren im Schnitt mit 6,1 Jahren sozial transitioniert und hatten zwei Jahre später Kontakt zum Gesundheitssystem aufgenommen (queer.de berichtete).
Erst vor Kurzem kam eine in "The Lancet Child & Adolescent Health" veröffentlichte Studie zu Jugendlichen zwischen durchschnittlich 14 und 20 Jahren, die bereits mit der Einnahme von Geschlechtshormonen begonnen hatten, zu einem vergleichbaren Ergebnis. Nur ein sehr kleiner Teil der Jugendlichen brach demnach die Hormontherapie ab.














