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Interview

"Hollywood hat verstanden, wie profitabel Vielfalt sein kann"

Luke Macfarlane über die queere Romcom "Bros", die heute im Kino startet, seine schwule Rolle in der TV-Serie "Brothers & Sisters" und sein Coming-out vor rund 15 Jahren.


Luke Macfarlane bei der Premiere von "Bros" in New York (Bild: Universal Pictures)

Nach seinem Studium an der renommierten Juilliard School in New York, wo er unter anderem Jessica Chastain als Kommilitonin hatte, spielte Luke Macfarlane seine erste Kino-Rolle in Bill Condons Drama "Kinsey". Der Durchbruch gelang ihm dann als Teil des schwulen Traumpaars in der Serie "Brothers & Sisters", in deren Kontext er auch sein öffentliches Coming-out hatte. Zuletzt spielte der heute 42-jährige Kanadier nicht nur queere Rollen in Serien wie "The Night Shift" oder "Killjoys", sondern auch jede Menge Hetero-Lover in verschiedenen Fernseh-Schmonzetten des Hallmark Channels. An der Seite von Komiker Billy Eichner ist er nun in der Hauptrolle der schwulen romantischen Komödie "Bros" endlich mal wieder im Kino zu sehen.


Poster zum Film: "Bros" startet am 27. Oktober 2022 bundesweit in den Kinos

Luke, "Bros" ist die erste große Hollywood-Mainstream-RomCom über schwule Männer. Und das gesamte Ensemble besteht aus queeren Schauspieler*­innen. War es da nicht seltsam, dass mit Nicholas Stoller ausgerechnet ein Hetero Regie führte?

Das fand ich weder komisch noch hat es mich gestört. Nick ist jemand, der unglaublich viel von Comedy versteht, deswegen war er perfekt für diesen Job. Und er ist auch einfach ein enorm offener, wissbegieriger Mensch. Er vermittelte nie das Gefühl, alles zu wissen, sondern gab ganz offen zu, in vielen Dingen nicht der Experte zu sein. Bei einer Sexszene fragte ich, ob Aaron und Bobby – also die von mir und Billy Eichner gespielten Protagonisten – nicht eigentlich ein Gespräch über Verhütung und Safe Sex führen sollten, weil ich das für ein meiner Erfahrung nach realistisches Szenario hielt. Da war er der erste, der meinte, dass er sich da nach uns richtet.

Tatsächlich zeichnet der Film viele Details des schwulen Alltags realistisch nach, ob es nun um Poppers, Grindr oder die Frage nach Top und Bottom geht…

Es war uns allen sehr wichtig, dass "Bros" zwar nach den klassischen Mustern einer RomCom funktioniert, aber eben auch nicht bloß eine heterosexuelle Beziehung kopiert, sondern authentisch von schwulem Leben erzählt. Nicht auch Sex zu dritt oder viert zu zeigen oder die Frage nach einer offenen Beziehung aufkommen zu lassen, hätte sich falsch angefühlt.

Apropos Grindr: Ist es als bekannter Schauspieler nicht ungleich schwerer, sich so ungezwungen in den Apps und Clubs auszuleben wie andere auch?

Sie schmeicheln mir natürlich, denn so berühmt, dass mich jeder erkennt, bin ich nun wirklich nicht. Aber ein großer Clubgänger bin ich eh schon lange nicht mehr, das hatte ich zu meiner Studienzeit in New York zur Genüge. Inzwischen bin ich auch über 40, da habe ich bei einem klassischen Konzert im Hollywood Bowl meist mehr Vergnügen als bei einer Party. Und klar, Dating-Apps sind mitunter schwierig. Früher oder später kommt die Frage nach einem Foto von einem bestimmten Körperteil, das ich natürlich nicht schicken werde, weil ich nicht weiß, wo das am Ende landet. Das erschwert den Kontakt dort natürlich.

Sie haben Ihre Homosexualität vor rund 15 Jahren öffentlich gemacht, während Sie in "Brothers & Sisters" eine schwule Rolle spielten. Damals war das noch ungewöhnlicher für einen aufstrebenden Schauspieler als es das heute wäre. Hatten Sie Angst, es könnte Sie die Karriere kosten?

Teilweise schon. Denn natürlich war ich ehrgeizig und wollte es in diesem Job weit bringen. Aber mir wurde damals auch immer bewusster, wie mein Leben aussehen würde, wenn ich mein Schwulsein verstecke. Und ich wusste, dass ich damit nicht glücklich werden würde. Deswegen war mir schnell klar, dass ich eigentlich keine Wahl habe, denn kein Beruf ist es wert, dass man privat vor die Hunde geht. Letztlich fiel mir das Coming-out deswegen doch auch leicht. Zumal es bis heute junge Menschen in der LGBTI-Community gibt, die leiden, Angst haben und Schlimmeres. Deswegen kommt es auf jedes Vorbild an!


Szene aus "Brothers & Sisters": Scotty (Luke Macfarlane, r.) und sein Freund Kevin (Matthew Rhys) geben sich das Ja-Wort (Bild: ABC)

Auch ein schwules Paar in einer Serie wie "Brothers & Sisters" war damals noch eine große Sache, oder?

Definitiv. Ich erinnere mich noch daran, wie ich mich an einem Drehtag wunderte, dass ein Fotograf am Set war. Ich fragte Matthew Rhys, meinen Serien-Partner, was es damit auf sich habe, und er meinte, dass unsere Kuss-Szene an diesem Tag das erste Mal in der US-Fernsehgeschichte sei, dass sich in einer Serie eines frei empfangbaren Senders zwei Männer küssen, die beide feste Darsteller dieser Serie sind. Und das sollte fotografisch festgehalten werden! Noch heute staune ich darüber, dass jemand solche detaillierten Statistiken erfasst. Aber vor allem natürlich, dass ein solcher Meilenstein erst vor so kurzer Zeit erreicht wurde. Wir haben in der Serie 2008 geheiratet, da gab es in den USA die Ehe für alle noch nicht einmal. Das alleine beantwortet die Frage, wie wegweisend die Serie damals war. Und dass zumindest eine der beiden schwulen Figuren von einem offen schwulen Schauspieler verkörpert wurde, war eben auch noch keine Selbstverständlichkeit.

Wenn Sie heute darauf zurückblicken, was sich in diesen 15 Jahren seither gerade in Hollywood getan hat, staunen Sie dann, wie viel sich seither getan hat – oder wie wenig?

Tja, das ist eine interessante Frage. Auf jeden Fall hat unsere Branche verstanden, wie profitabel Vielfalt sein kann, und das war eine wichtige Erkenntnis. Außerdem hat sich die ganze Industrie allgemein komplett verändert, allein wenn man an die Vielzahl von Plattformen denkt, auf denen man heute Filme und Serien sehen kann. Als ich aufwuchs, gab es die paar großen Sender, das war's. Dort war alles einigermaßen gleichgeschaltet und wurde von Gatekeepern bestimmt, von den Anzugträgern der Chefetagen, an denen es kein Vorbeikommen gab. Das ist heute anders, und ich freue mich, wie weit wir gekommen sind. Doch aktuell erleben wir mehr denn je, dass einmal erlangte Rechte längst alles andere als unumkehrbar sind. Deswegen dürfen wir uns nicht entspannt zurücklehnen, sondern müssen weiterkämpfen – und immer wieder aufs Neue zu schätzen wissen, wo wir heute sind.

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Infos zum Film

Bros. Romantische Komödie. USA 2022. Regie: Nicholas Stoller. Cast: Billy Eichner, Luke Macfarlane, Ts Madison, Monica Raymund, Guillermo Díaz, Guy Branum, Amanda Bearse, Jim Rash, Bowen Yang, Miss Lawrence, Harvey Fierstein, Symone, Eve Lindley, D'Lo Srijaerajah, Jai Rodriguez, Peter Kim, Dot-Marie Jones, Becca Blackwell, Brock Ciarlelli, Kristin Chenoweth, Debra Messing, Justin Covington, Ben Stiller, Kenan Thompson, Amy Schumer, Seth Meyers. Laufzeit: 115 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Universal Pictures Gemany. Kinostart: 27. Oktober 2022
Galerie:
Bros
25 Bilder
-w-

#1 Uwe MehringerAnonym
  • 27.10.2022, 07:46h
  • Mir hat der Film gut gefallen, aber nicht die deutsche Synchronisation.

    Nochmals vielen Dank an queer.de für die gewonnenen Karten.
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#2 Fabian KAnonym
  • 27.10.2022, 09:14h
  • Danke an Queer.de für die Freikarten . uns hat der Film echt gut gefallen und ich kann die schlechte Kritiken ich nachvollziehen. Es macht Spaß und wir haben viel gelacht und ich hatte den Eindruck, alle im Kinosaal hatten ihren Spaß. Meinerseits, Empfehlung.
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#3 KritikenAnonym
  • 27.10.2022, 09:32h
  • Antwort auf #2 von Fabian K
  • @Fabian: Wo gab es denn schlechte Kritiken? Frage ich mit tatsächlichem Interesse, denn bislang habe ich lediglich gute oder sogar überschwängliche Kritiken und Reviews gelesen, sowohl kritiker- als auch publikumsseitig.

    Das ist auch das, was beispielsweise der Rating-Aggregator rottentomatoes.com (Stand jetzt) aufweist: 88% der Kritiker bewerten den Film positiv, 90% der Zuschauer*innen ebenfalls.
    Das ist schon ein sehr gutes Ergebnis, zumal beide, also Kritiker UND Zuschauer*innen, so dermaßen dicht beinander liegen und das um die 90%.
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