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Wut-Post

Sigmar Gabriel verharmlost Leid und Verfolgung in Katar

Kritik am queerfeindlichen WM-Gastgeberland Katar ist für den ehemaligen SPD-Vorsitzenden und Außenminister ein Ausdruck von "Arroganz". Die Deutschen würden Katar "jeden Tag" beleidigen.


Sigmar Gabriel Anfang des Jahres in der "ZDF"-Talkshow "Markus Lanz" (Bild: IMAGO / teutopress)

Der ehemalige SPD-Vorsitzende, Vizekanzler und Außenminister Sigmar Gabriel kann Kritik am queerfeindlichen Gastgeberland Katar nicht nachvollziehen. "Die deutsche Arroganz gegenüber Qatar ist 'zum Ko…'!", schrieb der 63-Jährige am Samstag auf Twitter. "Wie vergesslich sind wir eigentlich? Homosexualität war bis 1994 in D strafbar. Meine Mutter brauchte noch die Erlaubnis des Ehemanns, um zu arbeiten. 'Gastarbeiter' haben wir beschissen behandelt und miserabel untergebracht."

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Auch Deutschland habe "Jahrzehnte gebraucht, um ein liberales Land zu werden", so Gabriel weiter. "Fortschritt kommt nicht über Nacht, sondern Schritt für Schritt. Das galt für D und gilt auch jetzt für Qatar. Die UNO, die ILO loben das Land für seine Reformen. Nur wir Deutschen beleidigen es jeden Tag."

Homosexuelle Handlungen sind in Katar verboten und können mit bis zu sieben Jahren Haft bestraft werden. Nach Scharia-Recht ist sogar die Todesstrafe möglich. An der Gesetzgebung hat sich seit der WM-Vergabe nichts geändert. Erst vor einer Woche hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) der Polizei in dem Golfstaat die willkürliche Festnahme und Misshandlung von queeren Menschen vorgeworfen (queer.de berichtete).

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Volker Beck kritisiert Gabriels "Despotenversteherei"

Auf Twitter erhielt Gabriel reichlich Widerspruch – auch aus der eigenen Partei: "Kann mich nicht erinnern, dass 1993 Homosexuelle Angst vor Peitschenhieben haben mussten. Oder dass 'Gastarbeiter' in Deutschland massenhaft gestorben sind. Sigmar, ernsthaft, du kannst doch nicht ernst meinen, was für einen Stuss du da in dem Tweet schreibst?", schrieb der SPD-Politiker und IT-Experte Henning Tillmann in einer Antwort an seinen Parteifreund.

"Gefängnis, Peitschenhiebe, Sklavenarbeit sind keine Folklore!", kommentierte auch der ehemalige Grünen-Abgeordnete Volker Beck in einer Antwort an Gabriel. "Sie setzen allen Ernstes die Situation von Homosexuellen in Deutschland 1994 mit der von Qatar 2022 gleich? Sie haben doch einen Sprung in der Schüssel mit Ihrer Despotenversteherei. Jetzt reicht es aber langsam!"

Zahlreiche Kommentar*innen fragten sich auf Twitter, ob Katar Druck auf Gabriel ausgeübt habe. Der ehemalige Vizekanzler sitzt heute im Aufsichtsrat der Deutschen Bank – ohne zuvor im Finanzsektor gearbeitet zu haben. Katar ist einer der größten Aktionär*innen des Kreditinstituts.

LGBTI-Rechte kein Thema für Sigmar Gabriel

Die Ignoranz Sigmar Gabriels gegenüber den Rechten queerer Menschen ist nicht völlig neu und sorgte bereits mehrfach für Diskussionen. Zuletzt hatte der frühere SPD-Chef Ende 2019 das "Überhandnehmen von Themen wie Schwulenrechte, Gleichstellungsrechte, Migration" dafür verantwortlich gemacht, dass die klassische Bindewirkung von Sozialdemokratie teilweise an die AfD verlorengegangen sei (queer.de berichtete).

Schon 2015 warnte Gabriel auf einem Parteitag davor, dass eine Politik für Minderheiten keine Mehrheit ergebe (queer.de berichtete). Im Dezember 2017 spielte er erstmals LGBTI-Rechte und soziale Gerechtigkeit gegeneinander aus, als er seiner Partei in einem Gastbeitrag für den "Spiegel" vorwarf, beim Jubel über die Ehe für alle die Kernwählerschaft der Arbeiter*innen vergessen zu haben (queer.de berichtete). Im Frühjahr 2019 hatte er, anders als viele Parteifreunde, den Karnevals-"Witz" von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer auf Kosten intergeschlechtlicher Menschen explizit verteidigt und vor einer "öffentlichen Humorpolizei" gewarnt (queer.de berichtete).

In seiner Zeit als SPD-Vorsitzender von November 2009 und März 2017 hatte Sigmar Gabriel LGBTI-Rechte fast komplett ignoriert und im Bundestag, begründet mit der Koalitionsräson, eine freie Abstimmung über die Ehe für alle verhindert. Einen entsprechenden Vorstoß wagte erst sein Nachfolger Martin Schulz, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Veranstaltung der Frauenzeitschrift "Brigitte" überraschend meinte, dass sie sich bei diesem Thema in der kommenden Legislaturperiode eine Gewissensentscheidung vorstellen könne. (cw)

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#1 Schiedsgericht-SiggiAnonym
  • 30.10.2022, 15:51h
  • Das Wort Arroganz trifft es ganz gut. Allerdings nicht die Richtung. Herr Gabriel, wenn Sie die Definition von Arroganz erklärt haben möchten, schauen Sie einfach in einen Spiegel (wenn der nicht noch von privaten Schiedsgerichten blockiert wird).

    Aber gut zu wissen, dass sich in der ach so queerfreundlichen SPD doch immer wieder diese Speerspitzen mit Nichtargumenten auf Menschenrechte scheißen. Ja, wir haben in der Tat bis 1994 gebraucht. Mich hat der Naziparagraph meine Jugend gekostet, weil ich mich brav "verstecken" durfte und dann nochmal ein paar Jahrzehnte, bis ich endlich mit mir im Reinen war. Genau deshalb MUSS man heute aber als (in vielen Bereichen leider nur noch Möchtegern-)Globel Player bei anderen Ländern auf diese Missstände hinweisen. Die Argumentation "die sind halt noch nicht so weit, wir haben auch länger gebraucht" ist ein widerliches Ablenken. Menschenrechte sind keine Verhandlungssache, sie sind das verdammte Minimum an Rechten. Wer da von Arroganz schwadroniert, der ist beides: Ignorant. Und arrogant.
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#2 Uwe MehringerAnonym
  • 30.10.2022, 16:04h
  • Das Modell "Gabriel" wurde anscheinend verkehrt zusammengebastelt.
    Da hat man hinten unten mit vorne oben verwechselt.

    Das einzige beleidigende ist dieser sprachliche Fäkalienfluss von diesem sogenannten "Politiker"
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#3 SeraphinaAnonym
  • 30.10.2022, 16:12h
  • War so klar von diesem widerlichen queerfeindlichen Transatlantiker, dass dieser ein Regime unterstützt das nicht nur Queere Menschen kriminalisiert, sondern staatlich gewollt Menschen versklavt und zu Tausenden für dieses Brot und Spiele Event namens Fußball-WM in den Tod geschickt hat. Die SPD Parteitrolle werden aber wohl auch dieses Statement hier wieder verteidigen.
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