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Fußball-WM

Faeser empfiehlt Homo­sexuellen Katar-Reise – LSVD entsetzt

Der Lesben- und Schwulenverband wirft Innenministerin Nancy Faeser vor, Menschenrechtsverletzungen gegen LGBTI in Katar zu verharmlosen – und fordert einen Boykott der WM durch die Bundesregierung.


Als Bundesministerin des Innern und für Heimat ist Nancy Faeser auch für den Sport zuständig (Bild: Angelika Aschenbach)
  • 2. November 2022, 01:20h 31 3 Min.

Die Aussage von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), sie könne homosexuellen Menschen guten Gewissens empfehlen, zur WM in den Verfolgerstaat Katar zu reisen, hat beim Lesben- und Schwulenverband (LSVD) für Entsetzen gesorgt. "Innenministerin Faeser verharmlost und ignoriert dadurch die wiederholten Menschenrechtsverletzungen und die andauernde Kriminalisierung und Verfolgung von LSBTI* in Katar", kritisierte LSVD-Sprecher Alfonso Pantisano am Dienstagabend in einer Pressemitteilung. "Unklar ist auch, wie die Sicherheit von queeren Besucher*innen garantiert werden soll, wo doch noch letzte Woche beispielsweise der britische schwule Aktivist Peter Tatchell durch örtliche Sicherheitskräfte verhaftet worden ist".

Zudem gehe es nicht nur um die Sicherheit von Katar-Besucher*innen, sondern auch um die Situation queerer Einheimischer. Zuletzt hatte Human Rights Watch zahlreiche Fälle von Misshandlung und Gewalt dokumentiert (queer.de berichtete). Man könne bei LGBTI-Rechten nicht von einer "positiven Entwicklung" sprechen, sagte Pantisano. "Spätestens seit den olympischen Winterspielen in Russland ist klar: Wir sollten aufhören, das Märchen zu erzählen, dass Sportereignisse in totalitären Regimen zu mehr Demokratie führen!"

Nancy Faeser untergrabe das Versprechen der Bundesregierung, sich für die Menschenrechte im In- und Ausland einzusetzen, kritisierte der LSVD-Sprecher. "Man darf Fußball nicht für Bilder einer heilen Welt zugunsten eines autoritären und systematisch homophoben Regimes instrumentalisieren." Der LSVD forderte die Bundesregierung zu einem Boykott der "menschenverachtenden WM" auf. Faeser solle auf ihre geplante Reise zum ersten Spiel der Nationalmannschaft am 23. November in Katar verzichten.

Angebliche Sicherheitsgarantie durch den Premierminister

Die Bundesinnenministerin hatte bei ihrem Besuch in Katar eine nicht öffentlich geäußerte Zusage für die Sicherheit aller anreisenden Fußballfans bekommen (queer.de berichtete). "Alle Menschen, egal woher sie kommen, wen sie lieben und woran sie glauben, müssen bei der WM sicher sein: Jeder Fan muss sich frei und ohne Angst bewegen können", erklärte Faeser am Dienstag zum Abschluss ihres Besuchs in dem Emirat. "Diese Sicherheitsgarantie hat mir der Premierminister von Katar heute gegeben."

Die SPD-Politikerin wies zugleich auf anhaltende Probleme in dem Golfstaat hin. "Wir werden Reformen in Katar auch nach der WM unterstützen, damit sich die Lebenswirklichkeit von Wanderarbeitern und die Lage der Menschenrechte weiter verbessert."

Faeser bedauerte offenbar ihre frühere Kritik

Nach katarischen Angaben drückte Faeser während des Besuchs ihr Bedauern über ihre kritischen Äußerungen aus, die vor dem Besuch zu diplomatischen Turbulenzen geführt hatten. Die staatliche katarische Nachrichtenagentur QNA berichtete am Dienstag: "Die deutsche Innenministerin drückte ihr Bedauern über ihre jüngsten Äußerungen zur Rolle Katars als WM-Gastgeber aus." Faeser habe hervorgehoben, dass die Vorbereitungen Katars und die Reformen hinsichtlich der ausländischen Arbeitskräfte "gelobt und geschätzt werden".

Vor der Reise hatte es erhebliche Verstimmungen wegen kritischer Äußerungen Faesers zur Menschenrechtslage in dem Emirat gegeben. Am Freitag bestellte Katar deshalb nach Angaben des Außenministeriums in Doha den deutschen Botschafter ein. Am Samstag wiesen die Golf-Monarchien in einer gemeinsamen Erklärung Faesers Äußerungen als "Einmischung in die inneren Angelegenheiten" Katars zurück. (cw/AFP)

-w-

#1 KilianEhemaliges Profil
  • 02.11.2022, 03:05h
  • Luise Amtsberg, Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, hat ihre Teilnahme an der Reise von Frau Faeser abgesagt!

    Die Entwicklungen an diesem Wochenende haben mir verdeutlicht, wie schwierig es ... ist, mit der katarischen Regierung die von mir geplanten >>offenen und auch kritischen<< Gespräche über die Menschenrechtslage in Katar zu führen. - RND, 30.10.2022

    Wenn es man es nicht wüsste, käme man nicht auf den Gedanken, dass die beiden Frauen derselben Regierung angehören. Dass Frau Faeser, laut LSVD, die Menschenrechtspolitik der BR untergräbt, halte ich für die Untertreibung des Monats.

    Dass man im selben Interview davon berichtet, eine >Sicherheitsgarantie< abgerungen zu haben, um im Anschluss verfolgten und kriminalisierten Bevölkerungsteilen eine Reiseempfehlung auszusprechen, bedingt sicherlich eine besondere Form von Intellekt, der mich nicht eigen ist. Normalerweise kann man bei derlei Verhältnissen eine Reisewarnung auf der Homepage des Auswärtigen nachlesen, zumindest immer dort und dann, wo und wenn kein Event der Weltfussballmafia veranstaltet wird.
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#2 DQ24Anonym
  • 02.11.2022, 05:06h
  • Hat sie denn nichts durch Russland gelernt? Autokraten versprechen das eine, tun aber meist das andere. Wäre das Versprechen der Regierung von Katar eine Brücke, würde ich mich weigern, darüber zu laufen.
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#3 BuSPDiness as usualAnonym
  • 02.11.2022, 06:19h
  • Leider SPD wie immer - insbesondere bei Faeser bzgl. Actung von Menschenrechten: Nichts erwartet - und trotzdem wird mensch von der Widerlichkeit und Perversion des Ausgangs geschockt.

    Sei es drum, die moralisch und empathisch Toten werden diese Blut-WM feiern, alle anderen nicht.
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