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"Rebellinnen": Feministische Kunst in der Diktatur
Pamela Meyer-Arndt porträtiert in ihrem Dokumentarfilm "Rebellinnen" drei Untergrund-Künstlerinnen der DDR, die sich mit ihrem Schaffen gegen die repressive Staatsmacht auflehnten.

Der Film von Pamela Meyer-Arndt gibt einen neuen Blick frei auf weibliche Kunst in der DDR (Bild: Salzgeber)
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4. November 2022, 03:11h - 4 Min.
Das Besondere an Tina Bara, Cornelia Schleime und Gabriele Stötzer ist die Unbeirrbarkeit, mit der sie ihrer eigenen inneren Stimme folgten. Selbst als der äußere Druck der Diktatur, in der die drei Künstlerinnen lebten, immer größer wurde, gar bedrohliche Züge für ihre Existenzen annahm.
Pamela Meyer-Arndt ("Ostfotografinnen") lässt sie in ihrem Dokumentarfilm von ihren Erlebnissen berichten, die sie in den 1970/80er Jahren in der DDR – in Ost-Berlin, Erfurt und Dresden -machten und wie diese ihre Kunst maßgeblich prägten.
Das unaufhörliche Ringen um Freiheit,

Fotokunst von Gabriele Stötzer
Gabriele Stötzer inszeniert eines ihrer markantesten Motive noch heute: Frauen, um deren Haare ein dickes Seil gebunden ist, das ihre Bewegung einschränkt, nach hinten zieht. Es symbolisiert das unaufhörliche Ringen um Freiheit, womit auch die Freiheit vor der Last der Vergangenheit gemeint ist.
Dass sie das Thema umtreibt, verwundert nicht: Im Jahr 1977 kommt Stötzer ins Gefängnis, weil sie nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann eine Unterschriftensammlung organisierte und als Erste unterschrieb. Grund genug für die Staatssicherheit, sie als vermeintliche Anführerin einer oppositionellen Bewegung zu verhaften.
Traumatisiert von der suppressiven Macht des Regimes und gleichzeitig berührt von der Solidarität ihrer weiblichen Mitgefangenen, beginnt sie danach mit Fotoserien, die meist Frauen zeigen und die Eindrücke der Gefangenschaft reflektieren. Sie bezeichnet es als "Kunst gegen die Auslöschung".
Zu welch manipulativen Mitteln die Stasi greift, um ungemütliche Kreative zu unterdrücken, die nicht in das Bild des glücklichen Arbeiter- und Bauernstaates passten, verdeutlicht etwa der Versuch, ihr durch einen inoffiziellen Mitarbeiter einen "Transvestiten" als Fotomodell zu vermitteln, mit der Absicht sie für "Pornografie" erneut einsperren zu können.
Cornelia Schleimes Stil wird als "Müllkunst" verworfen

Poster zum Film: "Rebellinnen" läuft seit 3. November 2022 im Kino
Auch das Schaffen Cornelia Schleimes erzählt von den Unterdrückungserfahrungen durch den Staat. Die Fotografin und Malerin lässt ihre Begeisterung für das alte Ägypten in ihre Kunst einfließen, platziert etwa Pyramiden in ihren Aufnahmen oder integrierte Hieroglyphen-ähnliche Muster in ihre großflächigen Gemälde. Die Staatssicherheit vermutet darin eine Geheimschrift, die Türen zum Künstlerverband bleiben ihr verschlossen, ihr eigensinniger Stil passt nicht in die Kunstpolitik der DDR und wird als "Müllkunst" verworfen.
Ein hinzukommendes Auftrittsverbot ihrer Punkband nimmt ihr jede Möglichkeit, in der Öffentlichkeit künstlerisch in Erscheinung zu treten, woraufhin sie endgültig den Entschluss fasst, das Land zu verlassen. Doch erst als sie bei einem abgehörten Telefonat das Wort "Hungerstreik" erwähnt, darf sie gehen – muss es sogar, fluchtartig, binnen 24 Stunden. Ihr Œuvre muss sie größtenteils zurücklassen. Später erfährt sie, dass es über Nacht "verschwunden" sei.
Nach "falschen" Bildern die Kamera weggenommen
Tina Bara hat zunächst etwas mehr Glück. Weil sie das Geschichtsstudium aufgrund seiner stark ideologischen Verzerrungen nicht erfüllt, wendet sie sich unter anderem der oppositionellen Gruppe "Frauen für den Frieden" zu und beginnt die Teilnehmerinnen, oftmals nackt, zu fotografieren.
Sie entdeckt die Kunstform für sich, wird in Untergrund-Magazinen publiziert und hat bald eine eigene Ausstellung. Überraschend wird sie in den Verband Bildender Künstler der DDR aufgenommen, kann also ganz offiziell als freiberufliche Fotografin tätig sein. Während eines Auftrages, bei dem sie eigentlich die Mitarbeiter*innen einer Fabrik fotografieren soll, macht sie heimlich Aufnahmen vom Werk um die enorme Umweltverschmutzung und die Verwendung gesundheitsgefährdender Stoffe zu dokumentieren. Kurzerhand wird ihr Arbeitsmittel, ihre Kamera, weggenommen.
Weibliche Perspektiven auf die alternative DDR-Kunstszene
Durch sehr persönliche Berichte wie diese vermittelt "Rebellinnen" einen fundierten Einblick in drei teils sehr unterschiedliche, aber doch miteinander verwobene, weibliche Perspektiven auf die alternative Kunstszene der DDR. Einen Großteil der Werke kann man als klar feministisch bezeichnen, ohne dass die Künstlerinnen sich des Begriffs damals bewusst gewesen wären oder in gar in Anspruch genommen hätten.
Pamela Meyer-Arndts zeigt die Kunst der drei Protagonistinnen in langen Einstellungen als konvergierende Illustration ihrer Erzählungen, die noch über das Leben in der sozialistischen Diktatur hinausgehen, das teils schwierige Ankommen im Westen und die Bewältigung der eigenen Vergangenheit im Osten umschließen. Lediglich vereinzelte Einblendungen, die Ereignisse, Verbände und Strukturen einordnen, vermisst man bisweilen. "Rebellinnen" ist damit zuerst gelungene filmische Werkschau, die gleichsam einen ebenso selten wie persönlichen Einblick in die deutsche Geschichte liefert.
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Rebellinnen – Fotografie. Underground. DDR. Dokumentarfilm. Deutschland 2022. Regie: Pamela Meyer-Arndt. Laufzeit: 84 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 12. Verleih: Salzgeber. Kinostart: 3. November 2022
Links zum Thema:
» Alle Kinotermine auf der Homepage von Salzgeber
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