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Polizeibericht
Messerattacke auf junge Männer in Kiel – Schwere Verletzungen
In der Nacht zum Samstag wurden in der Kieler Innenstadt drei junge Männer durch Messerstiche verletzt, einer davon lebensgefährlich. Die Polizei prüft auch Homophobie als Tatmotiv.
- 5. November 2022, 14:14h 3 Min.
Unbekannte haben in der Nacht zum Samstag in der Kieler Innenstadt drei junge Männer durch Messerstiche teils schwer verletzt. In einem Fall habe das Opfer lebensgefährliche Verletzungen erlitten, teilte ein Polizeisprecher mit. Ein vierter Mann sei durch einen Faustschlag verletzt worden.
Die Geschädigten, altersmäßig alle etwa Mitte 20, waren den Angaben zufolge am Samstag gegen 1.30 Uhr unterwegs, als sie von drei bis vier Angreifern attackiert wurden, die zuvor aus einem Auto gestiegen waren. Die Täter konnten nach dem Angriff flüchten. Die Polizei prüft auch Homophobie als ein mögliches Tatmotiv.
Wie Zeug*innen des Vorfalls berichteten, wurde zunächst ein männlicher Gast vor der Bar wegen seiner lackierten Fingernägel aus einem Auto heraus mit homophoben Sprüchen angepöbelt und bedroht. Als weitere Gäste dem Bedrängten zur Hilfe eilten, stiegen die Täter aus dem Auto aus, und es kam zu einem Handgemenge. Mindestens einer der Angreifer setzte dabei ein Messer als Waffe ein. Ein Gast des "Mum & Dad" musste mit offenbar lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Zum Zustand des Mannes ist bislang nichts bekannt. Zwei weitere Opfer erlitten leichte Schnittverletzungen, ein vierter Gast wurde durch einen Faustschlag verletzt.
Es sei alles rasend schnell gegangen, berichteten die Zeug*innen. Die Angreifer sprangen wieder ins Auto und flüchteten mit hoher Geschwindigkeit. Obwohl Teile des Kennzeichens und der Autotyp bekannt sind, blieb eine Fahndung nach dem Wagen und den Tätern bisher erfolglos. Die Polizei will sich am Montag zum Stand der Ermittlungen äußern.
Das "Mum & Dad" zeigte sich in einem Instagram-Post "tief bestürzt" über die queerfeindliche Attacke. "Wir wissen überhaupt nicht, was wir sagen sollen. Das ist einfach so krass", schrieb das Kneipenteam. "Es ist real. Es passiert täglich. Es passiert vor unserer Haustür. Es ist abstoßend. Jegliche Anfeindungen gegenüber LGBTQIA*, sei es psychisch als auch physisch, verurteilen wir zutiefst."
Erste Reaktionen aus der Politik
Die Tat sei "abscheulich", schrieb der aus Schleswig-Holstein stammende grüne Europaparlamentarier Rasmus Andresen auf Twitter. "Meine Gedanken sind bei den Opfern. In diesem Jahr finden immer mehr homo- oder transphobe Übergriffe statt. Menschen werden aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Identität verletzt oder ermordet. Wo bleibt der gesellschaftliche Aufschrei?"
/ RasmusAndresenDiese Tat ist abscheulich.
Rasmus Andresen (@RasmusAndresen) November 6, 2022
Meine Gedanken sind bei den Opfern.
In diesem Jahr finden immer mehr homo- oder transphobe Übergriffe statt.
Menschen werden aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Identität verletzt oder ermordert.
Wo bleibt der gesellschaftliche Aufschrei?#Kiel https://t.co/707hOnZ8rg
Auch der FDP-Kreisvorsitzende Dennys Bornhöft nannte den Angriff "abscheulich". Menschenhass treffe die Begrifflichkeit wohl besser als Homophobie, schrieb der Lokalpolitiker auf Twitter. "Wovor sollte jemand derart 'Angst' haben, dass bunte Fingernägel jemanden dazu nötigen, einen Menschen abstechen zu wollen? Widerliche Typen, die Widerliches getan haben. Alles Gute den Opfern."
/ DABornhoeftEine abscheulich Tat.#Menschenhass trifft die Begrifflichkeit wohl besser als #Homophobie – wovor sollte jemand derart "Angst" haben,dass bunte Fingernägel jemanden dazu nötigen, einen Menschen abstechen zu wollen?Widerliche Typen,die widerliches getan haben.Alles Gute den Opfern https://t.co/UyxYNsML4g
Dennys Bornhoeft (@DABornhoeft) November 6, 2022
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"Ich hoffe sehr, dass dies ein schrecklicher Einzelfall bleibt", sagte der neue Landesvorsitzende der Grünen, Gazi Freitag, gegenüber den "Kieler Nachrichten" (Bezahlartikel). Allerdings habe er das Gefühl, dass Homofeindlichkeit in Deutschland zunehme. "Ich trage selbst lackierte Fingernägel und fühle mich bislang sicher", so Freitag, der mit seiner Familie nicht weit vom Tatort entfernt wohnt. "Die Menschen in Kiel sollen auch in Zukunft so leben können, wie sie es möchten." (cw/dpa)
















