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Zeitungsinterview

Kim de l'Horizon: Mehrere Verlage lehnten "Blutbuch" ab

Als erste nichtbinäre Person wurde Kim de l'Horizon mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Lektor*innen hätten das Werk zuvor als "zu experimentell" abgelehnt.


Kim de l'Horizon im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse (Bild: Harald Krichel / wikipedia)
  • 5. November 2022, 15:19h 4 2 Min.

Kim de l'Horizon hat in einem Interview über den Werdegang zum Schreiben gesprochen. "Ich komme nicht aus einer so kulturaffinen Familie. Durch die Schule hab ich zur Literatur gefunden", sagte de l'Horizon der "Berliner Zeitung" (Bezahlartikel). "Mit 16 hab ich schlechte Gedichte geschrieben, die nun im Keller verdorren, und das ist auch gut so. Aber ich schreibe schon lange viel tagebuchartig." Mitte Oktober hatte Kim de l'Horizon mit dem queeren Roman "Blutbuch" den Deutschen Buchpreis gewonnen (Buchkritik von Anja Kümmel).

"Leute auf Instagram schreiben oft sinngemäß: 'Blutbuch' sei anspruchsvoll zu lesen, aber es lohne sich", sagte de l'Horizon. "Klar ist es auch mal schön, einen Provence-Krimi zu lesen, aber ab und an möchte man doch herausgefordert werden, oder? Und seinen Horizont erweitern."

Hoffen auf mehr anspruchsvolle Bücher

De l'Horizon wurde in der Schweiz geboren und ist nichtbinär. In dem Interview sprach de l'Horizon auch über die Suche nach einem Verlag. Der Text sei schon auf viel Interesse gestoßen, aber einige Verlage hätten abgelehnt. "'Zu queer' wurde nie als Argument genannt, aber 'zu experimentell' schon."

Vielleicht trauten die Verlage dem Publikum zu wenig zu? "Ja, das glaube ich auch. Die Hater behaupten, dass das Buch nur für eine queere Bubble interessant sei. Aber es verkauft sich ziemlich gut", wurde de l'Horizon zitiert. "Ich hoffe, dass der Preis für 'Blutbuch' hilft, dass wieder mehr anspruchsvolle Bücher gelesen werden. Und es geht mir auch um Empathie: dass Menschen eine Empathie für verschiedene Geschichten aufbringen."

Kim de l'Horizon wuchs in Ostermundigen auf und besuchte in Winterthur das Gymnasium. An den Universitäten Zürich und Bern studierte Kim de l'Horizon ab 2012 Germanistik, Film- und Theaterwissenschaften. Es folgte ein Studium des literarischen Schreibens am Literaturinstitut in Biel mit Bachelorabschluss 2020. Danach schrieb sich Kim de l'Horizon für den Masterstudiengang Transdisziplinarität an der Zürcher Hochschule der Künste ein. (cw/dpa)

-w-

#1 Leser_inAnonym
  • 05.11.2022, 17:43h
  • Das ist leider wenig überraschend, weil im Verlagswesen ebenso wie in den anderen Unterhaltungsmedien nur noch etablierte Franchises, monetaeisierbare Big Names und/oder Einlull-Genres gefragt sind, insbesondere cosy stuff. Der dann aber schön brav, hetero und wenn möglich: weiss as fck. Es gibt natürlich Ausnahmetitel (wenige) und einige Mainstream-Verlage haben primär im YA-Bereich einige wenige queere Titel - weniger aber aus Überzeugung, sondern weil man bei den gewählten Titeln in anderen für die Einschätzung relevanten Ländern gesehen hat, dass sie in der Zielgruppe funktionieren, nicht aus Eigeninitiative.
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#2 Pride
  • 05.11.2022, 17:48h...
  • Na, Mensch de l'Horizon. Im Sprech verwendet mensch geschriebenes Pronom (ist's ein's ?) wohl noch schwerlich. So unangenehm die alte patriachale Form jedoch sein sollte, so leicht läßt sie sich sprachlich umgehen.
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#3 gastAnonym
  • 05.11.2022, 23:39h
  • Nach drei Sätzen aus der Leseprobe habe ich dankend abgelehnt. Ich denke wer nicht "nicht binär" ist, wird sich kaum die Mühe machen, sich durch das Buch mit dem sicherlich berechtigten Anliegen dieser Person durchzuarbeiten. Es wird wenn, dann höchstens ein Nischenprodukt bleiben.
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