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Beamte machen Jagd auf sexuelle Minderheiten
Katar: Schwuler berichtet von Gruppenvergewaltigung durch Polizeibeamte
Während die deutsche Bundesregierung Katar als sicheres Land für schwule WM-Fans beschreibt, berichtet ein Gastarbeiter, wie die Polizei wirklich mit sexuellen Minderheiten umgeht.

Hinter der glitzernden Skyline der katarischen Hauptstadt Doha geht es rau zu (Bild: Thameur Belghith / wikipedia)
- 7. November 2022, 03:27h 2 Min.
Ein schwuler Philippiner hat schwere Vorwürfe gegen die katarische Polizei erhoben: In der britischen Zeitung "i" (Bezahlartikel) erzählt "Ali" anonym, dass er Anfang 2018 von Polizeibeamten in eine Falle angelockt und dann brutal vergewaltigt worden sei.
"Ali" arbeitete seinen Angaben zufolge damals als Büroassistent in dem Emirat. Er berichtet davon, dass er auf einer schwulen Dating-App eine Nachricht von einem türkischen Mann erhalten habe, der wie er Gastarbeiter sei. Der Mann habe ihm 300 Riyal (rund 85 Euro) geboten. "Die Bedingung war, dass ich zu seinem Hotel kommen sollte und ein Kleid und Make-up für mich mitbringe", so "Ali". Da er fast sein gesamtes Geld bereits nach Hause geschickt hatte, habe er erstmals ein derartiges Angebot angenommen.
"Dann haben sie damit begonnen, mich zu vergewaltigen"
In dem Hotelzimmer hätten ihn aber neben dem Türken sechs weitere Männer erwartet, die sich als Mitglieder der katarischen Polizei identifiziert hätten. "Sie haben mich eingekreist und auf das Bett geworfen. Dann haben sie damit begonnen, mich zu vergewaltigen", so "Ali". Als einer fertig gewesen sei, habe der nächste weitergemacht. Danach hätten die Beamten ihm vorgeworfen, ein Prostituierter zu sein. Kurze Zeit später sei ein weiterer schwuler Mann, ein Indonesier, in das Hotelzimmer gekommen.
Die beiden seien dann verhaftet worden und hätten 300 Riyal Strafe zahlen müssen. "Ali" berichtete, er habe die Nacht im Gefängnis verbringen müssen und sei dann in sein Heimatland abgeschoben worden. Die Gruppenvergewaltigung habe ihn traumatisiert. Es habe ein Jahr gedauert, bis er wieder einen Job annehmen konnte. Laut dem Bericht seien neben "Ali" viele weitere Männer auf diese Art von der katarischen Polizei "gejagt" worden.
Ähnliche Vorfälle hatte kürzlich die Organisation Human Rights Watch ausführlich dokumentiert (queer.de berichtete). In Katar ist Homosexualität per Gesetz verboten – es stehen mehrjährige Haftstrafen auf gleichgeschlechtlichen Sex, nach Scharia-Recht könnten muslimische Gläubige sogar zum Tode verurteilt werden. Kurz vor Beginn der prestigeträchtigen Fußball-WM spielte die katarische Regierung die Verfolgung jedoch herunter: Der Emir des Landes erklärte erst kürzlich, dass alle Menschen bei dem Sportevent willkommen seien (queer.de berichtete).
Auch der Fußball-Weltverband Fifa bescheinigt dem Emirat "beachtliche Fortschritte" (queer.de berichtete). Zudem empfahl die deutsche Bundessportministerin Nancy Faeser (SPD) queeren Fußballfans die Reise nach Katar – zum Entsetzen des Lesben- und Schwulenverbandes (queer.de berichtete). (dk)














