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"Wo bleibt der gesellschaftliche Aufschrei?"

Entsetzen in Kiel nach queer­feindlicher Attacke

Vor dem Lokal "Mum & Dad" wurden am Samstag mehrere Gäste mit Messern angegriffen, ein Opfer erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Die Täter hatten zuvor einen Mann mit lackierten Fingernägeln bedroht.


Die queerfeindliche Tat ereignete sich in der Nacht zum Samstag vor dem Lokal "Mum & Dad" (Bild: mumdadkiel / instagram)
  • 7. November 2022, 04:32h 28 4 Min.

Zu Update springen: Staatsanwaltschaft lobt 2.000 Euro Belohnung aus

Man prüfe auch Homophobie als ein mögliches Tatmotiv, hieß es am Samstag noch vage in der ersten Pressemitteilung der Polizei über die Gewalttat in Kiel (queer.de berichtete). Nun wurden mehr Details über die Messerattacke bekannt, die sich am frühen Samstagmorgen gegen 1.30 Uhr vor dem Lokal "Mum & Dad" am Ziegelteich ereignete. Alles deutet auf ein queer­feindliches Motiv der unbekannten Täter.

Wie Zeug*­innen des Vorfalls berichteten, wurde zunächst ein männlicher Gast vor der Bar wegen seiner lackierten Fingernägel aus einem Auto heraus mit homophoben Sprüchen angepöbelt und bedroht. Als weitere Gäste dem Bedrängten zur Hilfe eilten, stiegen die Täter aus dem Auto aus, und es kam zu einem Handgemenge. Mindestens einer der Angreifer setzte dabei ein Messer als Waffe ein. Ein Gast des "Mum & Dad" musste mit offenbar lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Zum Zustand des Mannes ist bislang nichts bekannt. Zwei weitere Opfer erlitten leichte Schnittverletzungen, ein vierter Gast wurde durch einen Faustschlag verletzt.

Die Angreifer rasten mit dem Auto davon

Es sei alles rasend schnell gegangen, berichteten die Zeug*innen. Die Angreifer sprangen wieder ins Auto und flüchteten mit hoher Geschwindigkeit. Obwohl Teile des Kennzeichens und der Autotyp bekannt sind, blieb eine Fahndung nach dem Wagen und den Tätern bisher erfolglos. Die Polizei will sich am Montag zum Stand der Ermittlungen äußern.

Das "Mum & Dad" zeigte sich in einem Instagram-Post "tief bestürzt" über die queerfeindliche Attacke. "Wir wissen überhaupt nicht, was wir sagen sollen. Das ist einfach so krass", schrieb das Kneipenteam. "Es ist real. Es passiert täglich. Es passiert vor unserer Haustür. Es ist abstoßend. Jegliche Anfeindungen gegenüber LGBTQIA*, sei es psychisch als auch physisch, verurteilen wir zutiefst."

Erste Reaktionen aus der Politik

Die Tat sei "abscheulich", schrieb der aus Schleswig-Holstein stammende grüne Europaparlamentarier Rasmus Andresen auf Twitter. "Meine Gedanken sind bei den Opfern. In diesem Jahr finden immer mehr homo- oder transphobe Übergriffe statt. Menschen werden aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Identität verletzt oder ermordet. Wo bleibt der gesellschaftliche Aufschrei?"

/ RasmusAndresen

Auch der FDP-Kreisvorsitzende Dennys Bornhöft nannte den Angriff "abscheulich". Menschenhass treffe die Begrifflichkeit wohl besser als Homophobie, schrieb der Lokalpolitiker auf Twitter. "Wovor sollte jemand derart 'Angst' haben, dass bunte Fingernägel jemanden dazu nötigen, einen Menschen abstechen zu wollen? Widerliche Typen, die Widerliches getan haben. Alles Gute den Opfern."

/ DABornhoeft
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"Ich hoffe sehr, dass dies ein schrecklicher Einzelfall bleibt", sagte der neue Landesvorsitzende der Grünen, Gazi Freitag, gegenüber den "Kieler Nachrichten" (Bezahlartikel). Allerdings habe er das Gefühl, dass Homofeindlichkeit in Deutschland zunehme. "Ich trage selbst lackierte Fingernägel und fühle mich bislang sicher", so Freitag, der mit seiner Familie nicht weit vom Tatort entfernt wohnt. "Die Menschen in Kiel sollen auch in Zukunft so leben können, wie sie es möchten." (cw)

 Update  11.58h: Staatsanwaltschaft lobt 2.000 Euro Belohnung aus

Die Staatsanwaltschaft Kiel hat am Montag für Hinweise, die zur Ermittlung und Ergreifung der Täter führen, eine Belohnung von 2.000 Euro ausgelobt. Die Ermittlungen werden wegen "versuchten Tötungsdelikts" geführt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Presseerklärung mit.

Der Zustand des jungen Mannes, der eine lebensbedrohliche Stichverletzung am Oberkörper erlitt, sei "mittlerweile aufgrund notärztlicher Behandlung stabil". Der 23-Jährige sei zuletzt hinzugekommen und habe noch versucht, zwischen den Gruppen zu schlichten. Auch der Mann mit den lackierten Fingernägeln wurde bei der Auseinandersetzung verletzt.

Die Tatverdächtigen werden als Mitte 20 Jahre alt und "vermutlich südeuropäischer Herkunft" beschrieben. Konkretere Angaben konnten bislang nicht gemacht werden. Zeug*innen, die noch nicht von der Polizei befragt wurden und die Angaben zum Hergang oder den Tatverdächtigen machen können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer (0431) 160 3333 mit der Kriminalpolizei in Verbindung zu setzen.

-w-

#1 Schon
  • 07.11.2022, 06:23hFürth
  • "Ich hoffe sehr, dass dies ein schrecklicher Einzelfall bleibt", sagte der neue Landesvorsitzende der Grünen, Gazi Freitag, gegenüber den "Kieler Nachrichten" (Bezahlartikel). Allerdings habe er das Gefühl, dass Homofeindlichkeit in Deutschland zunehme."
    Auf welchem Planeten läuft der denn rum? Das ist weder ein Einzelfall, noch braucht man dafür ein Gefühl. Es genügt die jährliche Statistk des Bundesinnenministeriums.
    Warum interviewt man völlig ahnungslose Menschen? Das ist wirklich peinlich.
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#2 nichtbinärePersonAnonym
#3 wahnsinnAnonym
  • 07.11.2022, 07:11h
  • Den gesellschaftlichen Aufschrei hatten wir doch schon von Herrn -machmirdieTaschenvoll - Gabriel.
    Und mal wieder halten die Kühnerts dieser Welt artig die Klappe.

    Was ein Wahnsinn, der zur unbeachteten und folgenlosen Normalität wird.

    Längst sind wir wieder in den 80ern.
    Silence is death.
    Und alle, die schweigen und in ihren Positionen nicht handeln, sind Unterstützer*innen der Gewalt der Straße.
    Deutschland normal.
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