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Fußball-Weltmeisterschaft
Hitzlsperger: WM-Boykott keine konstruktive Lösung mehr
Über die Fußball-WM in Katar wird auch kurz vor dem Anpfiff weiter heftig diskutiert. Der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsperger äußert sich zu den anhaltenden Boykottforderungen.

Thomas Hitzlsperger wurde 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister ( (Bild: Philip Flämig / ZDF)
- 7. November 2022, 06:45h 2 Min.
Thomas Hitzlsperger hält einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar jetzt nicht mehr für sinnvoll. "Die Stadien stehen, es ist alles hergerichtet und der Schaden, wie etwa die Todesopfer im Zusammenhang mit dem Bau der Stadien, nicht mehr zu reparieren", sagte der 40 Jahre alte ehemalige Nationalspieler in einem Interview dem Portal t-online.de. "Wir sind an einem Punkt, an dem wir weiter Missstände ansprechen und daran appellieren müssen, dass es so, wie die WM zustande gekommen ist, nicht geht."
Ein Boykott sei keine konstruktive Lösung mehr, befand Hitzlsperger. "Wenn sich alle daran beteiligen würden: ok. Aber wenn sich Einzelne herausziehen würden, wäre das nicht zielführend. Damit wäre den Menschen, die massiven Schaden genommen haben, auch nicht mehr geholfen."
Hitzlsperger war fünf Tagen in Doha
Hitzlsperger war im Zusammenhang mit einer Dokumentation der ARD, für die er bei der WM als Experte arbeiten wird, in den Golfstaat gereist . "Ich war insgesamt fünf Tage in Doha und habe mit Menschen geredet, die dort leben. Es war ein kurzer Besuch, der mir einen guten Überblick darüber gegeben hat, wie das Alltagsleben aussieht", erklärte Hitzlsperger.
Ein privater Besuch des reichen Landes, das vor allem wegen seines Umgangs mit den Menschenrechten schwer in der Kritik steht, wäre für den ehemaligen Bundesliga-Profi und Vereins-Funktionär nicht infrage gekommen. Angst habe er aber nicht gehabt, sagte Hitzlsperger.
Regenbogenbinde für Hitzlsperger zu provokativ
Er hatte nach seiner Profi-Karriere sein Schwulsein öffentlich gemacht. In Katar ist Homosexualität verboten. "Wenn wir bei den Rechten von Homosexuellen davon reden, dass sich beispielsweise zwei Männer in der Öffentlichkeit ihre Zuneigung nicht zeigen dürfen, dürfen wir auch nicht unterschlagen, dass Mann und Frau das auch nicht dürfen", sagte Hitzlsperger.
Zweifel äußerte Hitzlsperger an der Wirkung der "One-Love"-Kapitänsbinde. "Dass Manuel Neuer in den vergangenen Jahren immer wieder die Regenbogenbinde getragen hat, ist erst einmal eine tolle Entwicklung. Zu meiner Zeit wäre das undenkbar gewesen", betonte Hitzlsperger: "Ich glaube schon, dass diese Binde in Katar eine Provokation ausgelöst hätte – und die One-Love-Binde dies nicht tun wird." (cw/dpa)














Integer wäre diese Argumentation gewesen:
"Die Stadien stehen, es ist alles hergerichtet und die allein die ächtenswerten Todesopfer im Zusammenhang mit dem Bau der Stadien, nicht mehr zu ändern. Deshalb müssen und dürfen wir uns jetzt nicht zu Steigbügelhaltern für eine Veranstaltung machen, die auf den Gräbern der Zwangsarbeiter tanzt. Und nicht für ein Regime, das Menschenrechten ins Gesicht spuckt. Ein totaler Boykott ist das einzige Signal, das wir als ethisch und moralisch integere Personen jetzt noch setzen können".
Aber da Geld und der Narzissmus wichtiger sind als Menschenrechte, bedient man sich halt dieser Nichtargumentation, dass man jetzt auch nichts mehr ändern könne und es eh nichts bewirkte.
Doch, Herr Hitzlperger, ein Boykott würde "einiges" ändern und wäre das einzig richtige Zeichen. Das wissen Sie, das wissen Frau Faeser, Herr Gabriel und all die anderen, die sich brav vor den Karren der Menschenfeinde spannen lassen und genau das wiehern, was die Herren aus Katar feat. Gianni I. und seine Spießgesellen vorgeben.
Erwartbar war es, enttäuschend ist es dennoch. Nun denn: Viel Spaß beim Tanz auf den Gräbern und dem hämischen Lachen in die Gesichter all derer, insbesondere LGBTQIA*, für deren weitere Verfolgung und Unterdrückung Sie, Frau Faeser und alle Beteiligten letztlich die Absolution in Form von nicht nur braver Teilnahme, sondern durch das gezielte Bekämpfen der einzig wirksamen Kritikform erteilen.