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Fußball-Weltmeisterschaft

Reisewarnung oder Teilboykott für Katar-WM?

Nach homophoben Äußerungen des katarischen WM-Botschafters gibt es scharfe Reaktion aus Gesellschaft und Politik.


Queere Aktivist*innen protestierten am Dienstag vor dem FIFA-Museum in Zürich mit einem Kiss-in gegen die Austragung der WM im Verfolgerstaat Katar (Bild: Pink Cross)
  • 9. November 2022, 04:06h 23 3 Min.

Im ZDF hatte der katarische WM-Botschafter Khalid Salman Homosexualität als "geistigen Schaden" bezeichnet (queer.de berichtete). In Deutschland löste die Aussage weniger als zwei Wochen vor Beginn der WM im Emirat Entsetzen aus.

Der Lesben- und Schwulenverband forderte daher ausdrücklich Konsequenzen von der Bundesregierung: "Wir erwarten, dass die deutsche Bundesregierung diese Aussage ernst nimmt, und fordern die Bundesregierung jetzt auf, konsequent alle diplomatischen Reisen während und zur WM in Katar abzusagen", erklärte LSVD-Vorstandsmitglied Alfonso Pantisano. "Gleichzeitig erwarten wir vom Auswärtigen Amt, eine explizite Reisewarnung für alle Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen (LSBTIQ*) auszusprechen."

Der Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, brachte einen Teilboykott der Fußballweltmeisterschaft ins Gespräch: "Diese WM ist eine Farce – und darf kein Erfolg für Katar oder die FIFA werden. Dafür können wir alle sorgen: nicht anschauen, nicht hinfahren, kein Merchandise kaufen", erklärte der Kölner Grünenpolitiker auf Twitter.

/ svenlehmann

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) forderte im ZDF die Einhaltung der Sicherheitsgarantien für queere Fußballfans. "Wenn wir echte internationale Verständigung wollen: Dann müssen alle Menschen akzeptiert werden so wie sie sind – egal welches Geschlecht sie haben und wen sie lieben", betonte Buschmann. "Homosexualität ist keine Krankheit. Wer die Welt zu einem Sportfest einlädt, der sollte dies längst eingesehen haben."

/ MarcoBuschmann
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FDP-Bundesvorstandsmitglied Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagte am Dienstagabend in der Talkshow von Markus Lanz, dass Hoffnungen auf Veränderungen in Katar durch ein sportliches Großevent naiv seien: "Keine Spiele dieser Welt, keine WM dieser Welt hat in irgendeiner Form ein System verändert." Sie verwies dabei auf die letzten Olympischen Winterspiele in Peking, bei denen sich der russischen Staatschef Wladimir Putin von Xi Jinpin "das grüne Licht geholt hat, in die Ukraine einzufallen". Die "traurigste Geschichte" seien die Olympischen Winterspiele 1936 in Berlin gewesen.

"Die Entgleisung des WM-Botschafters ist völlig indiskutabel"

DFB-Chef Bernd Neuendorf zeigte sich erzürnt über die Aussage des WM-Botschafters: "Ich habe heute mit Thomas Hitzlsperger in dieser Angelegenheit telefoniert. Wir sind uns in der Bewertung einig: Die Entgleisung des WM-Botschafters ist völlig indiskutabel und macht uns fassungslos", heißt es in einem Statement des Fußballfunktionärs. "Die Äußerung diskreditiert die gesamte LGBTIQ-Community und offenbart ein überaus problematisches Verhältnis zu den Menschenrechten. Aus unserer Sicht sollte die FIFA ernsthaft prüfen, ob sich hiermit nicht die Ethik-Kommission des Weltfußballverbandes befassen muss."

Kritik kommt auch vom 44-fachen Nationalspieler Leon Goretzka. Der Profi des FC Bayern München bezeichnete die Homophobie im WM-Gastgeberland als "sehr beklemmend". "Das ist ein Menschenbild aus einem anderen Jahrtausend", sagte der 27-Jährige am Dienstagabend nach dem Spiel seiner Mannschaft gegen Werder Bremen.


Leon Goretzka spielt seit 2018 für den FC Bayern München (Bild: Steffen Prößdorf / wikipedia)

Wirtschaftliche Konsequenzen wird der deutsche Meister aber wohl nicht ziehen. Angesprochen darauf, ob solche Aussagen das Kalkül des FC Bayern hinsichtlich der Zusammenarbeit mit Qatar Airways beeinflussen könnten, erklärte Sportvorstand Hasan Salihamidzic zurückhaltend: "Das ist die Aussage einer einzelnen Person. Darüber müssen wir reden, klar", sagte er. "Aber das ist erstmal eine einzelne Person – und das ist inakzeptabel."

/ ArthiHad | Die Bayern-Fans machten am Dienstagabend deutlich, was sie von den homophoben Äußerungen von Khalid Salman halten
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Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte vergangene Woche noch Katar besucht und erklärt, dass sie queeren Fans guten Gewissens die Reise in das Emirat empfehlen könnten. Der LSVD zeigte sich damals über die Äußerungen der Sozialdemokratin entsetzt (queer.de berichtete).

In Katar steht auf Homosexualität eine mehrjährige Haftstrafe. Nach Scharia-Recht ist sogar die Verhängung der Todesstrafe für muslimische Gläubige möglich. Die WM geht am 20. November mit dem Auftaktspiel Katar gegen Ecuador los. (dk)

/ ZDF | Der Ausfall des katarischen WM-Botschafters wurde am Dienstag in einer ZDF-Doku in der Primetime gezeigt
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Wöchentliche Umfrage

» Der LSVD ruft die Bürger*innen dazu auf, sich Spiele der Fußball-WM in Katar nicht anzuschauen. Was machst du?
    Ergebnis der Umfrage vom 07.11.2022 bis 14.11.2022
-w-

#1 stephan
  • 09.11.2022, 06:17h
  • Anständige Staaten sollten die WM-Teilnahme jetzt noch absagen, anständige Medien die Spielübertragungen und Berichte darüber einstellen! Und dann sollte die FIFA in Grund und Boden geklagt werden, dass sie die internationale Sportwelt in eine solche Lage gebracht hat!
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#2 MarcAnonym
  • 09.11.2022, 06:26h
  • Beginn der Schand-WM am Totensonntag? Na, das passt doch!
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#3 Schon
  • 09.11.2022, 08:17hFürth
  • Wir brauchen noch einen musikalischen Ohrwurm für die WM. Wir haben doch so viele Liedtexter*innen und Sänger*innen.

    Irgendwas mit:
    Ich habe Ehre und steh nicht auf Korruption
    Refrain: Ich scheiß auf Katar
    Ich bin für Menschenrechte und gegen Sklaverei
    Refrain: Ich scheiß auf Katar
    Ich bin Queer und steht nicht auf Gewalt
    Refrain: Ich scheiß auf Katar
    Ich schütze die Umwelt und lieb die Erde
    Refrain: Ich scheiß auf Katar
    Ich bin Frau und ein Mensch, kein Eigentum
    Refrain: Ich scheiß auf Katar
    Ich bin Fußballfan und will ein sauberes Spiel
    Refrain: Ich scheiß auf Katar
    Wir alle scheißen auf Katar....

    Sorry ich kann nicht texten und nicht singen.
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