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Streamingtipp
So queer ist die internationale Metal-Szene
"Heavy Metal Saved My Life" heißt eine zweiteilige Fan-Doku, die der Hessische Rundfunk ab Donnerstag in die ARD-Mediathek einstellt. In der zweiten Folge geht es ausschließlich um "Queer Metal".

Addison Herron-Wheeler vom "Out Front Magazine" in Denver kommt in der "Queer Metal"-Folge zu Wort (Bild: hr)
- 16. November 2022, 03:37h - 3 Min.
Iron Maiden können Leben retten! Ganz sicher haben sie das Leben von Andy gerettet. Heroin, Raubüberfälle und Gewalt, Gefängnis: Er hatte sich schon aufgegeben. Doch dann wurde der Song "Fear of the Dark" sein Soundtrack auf dem Weg zurück ins Licht.
Die zweiteilige Dokumentation "Heavy Metal Saved My Life", die ab Donnerstag, den 17. November 2022 in der ARD-Mediathek gestreamt werden kann, erzählt von Andy und anderen Menschen, die in ihrem Leben fast gebrochen wurden, die sich aber wieder aufgerichtet haben, mit der Hilfe von Musik. Es sind Geschichten großer Fans und es sind die Geschichten großer Metal-Bands. In intimen Interviews erzählen Iron Maiden, Faith No More, Mastodon und Gahl von ihren Leidenschaften, von Schicksalsschlägen und Lebenskrisen, von ihren Triumphen.
Die Musik der Underdogs
Metal ist laut, schnell, hart. Keine Frage. Aber geht es deswegen bei Metal einfach nur um primitive Wut, Macht und Mackertum? Das alles gibt es zwar auch, doch die wirklich großen Metal-Bands nutzen die Härte ihrer Musik, um ihre eigene Zerbrechlichkeit auszustellen. Die Harten sind demnach die in Wahrheit Zarten, die Gefahr laufen, zerrieben zu werden in einer brutalen Welt. Das ist das eigentliche Thema dieser Musik.

Keyvisual zu "Heavy Metal saved my life" – im Bild: Black Metal-Sänger Gaahls Wyrd und Iron Maiden-Fan Zyan aus Mexico-City (Bild: hr)
Metal ist und war auch schon immer eher die Musik der Underdogs, der Ohnmächtigen, der Am-Rande-des-Schulhofs-Steher. Nicht selten hören Menschen laute, harte und kraftvolle Musik, weil sie eben genau das in ihrem Leben nicht sein können. Weil sie sich leise, schwach und kraftlos fühlen. Metal begleitet sie in allen Lebenslagen, besonders den schweren. Wie in keinem anderen Genre sind Metal-Fans ihren Bands über Jahrzehnte treu. Brann Dailor von Mastodon beschreibt es so: "Man kann nicht weinen und gleichzeitig Musik machen." Deswegen sucht diese Musik nach anderen Ausdrucksformen, um die Ohnmacht zu besiegen.
Die erste Folge "Fans" begleitet Andy zu einem Iron-Maiden-Konzert, ausgerechnet in der Stadt, in der er am tiefsten stürzte: Frankfurt am Main. Währenddessen nutzt in Mexiko die junge Mutter Zyan Metal als Empowerment und Selbstverteidigung gegen gewalttätige Männer. In Atlanta bereiten sich Mastodon, die einflussreichste Metal-Band des 21. Jahrhunderts, auf ihren Auftritt mit Iron Maiden in Mexiko-City vor.
Viel Raum für diversere Geschlechterbilder
Die zweite Folge "Queer" erzählt, dass es im Metal neben ausgestelltem heterosexuellen Machotum überraschend viel Raum für diversere Geschlechterbilder gibt – und zwar von Beginn an. Metal-Gott Rob Halford von Judas Priest brachte das Leder in den Metal und ist heute eine queere Ikone. Auch für den jungen trans Mann Rick aus Neapel, der davon träumt, sein Idol in Wacken zu sehen.

Trans Mann Rick bei seinem ersten Wacken-Besuch (Bild: hr)
Gaahl ist selbst im düsteren Black Metal Norwegens eine besonders düstere Erscheinung. Auf der Bühne: Tierblut und gekreuzigte Nackte. Im Leben: Gefängnisstrafen wegen Gewalt und Folter. Das brachte ihm die Auszeichnung "the most evil man alive" ein. Umso überraschender kam dann für viele sein Coming-out. Der erste Metal-Musiker, der sich outete, war aber Roddy Bottum von Faith No More. Er wollte Guns N'Roses provozieren.
Am 17. November werden die beiden Folgen in der ARD-Mediathek online gestellt, vorab gibt es dort bereits einen Trailer. Wenn die Filme genug geklickt und online angesehen werden, werden sie auch im regulären Programm von Das Erste gesendet. Es wird auch eine internationale, englischsprachige Fassung beider Filme geben. (cw/pm)
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