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- 23. Februar 2006 3 Min.
Die Bürgermeister von Berlin, London und Paris appellierten an ihren Moskauer Amtskollegen, den CSD nicht zu verbieten.
Von Dennis Klein
"Wir sind alle Freunde hier", sagte der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë auf der Pressekonferenz des "M4"-Treffens, bei dem er in Berlin mit Klaus Wowereit, dem Londoner Stadtoberhaupt Ken Livingstone und dem Moskauer Regenten Juri Luschkow aufeinander traf. Zur Sprache kam dabei auch das drohende Verbot des für Mai geplanten CSDs in Moskau. Bereits 2001 hatte Luschkow einen Christopher Street Day mit der Begründung verboten, das Festival verletze die religiösen Gefühle der Bevölkerung. Bei dem Berliner Treffen redete jetzt Londons Livingstone ebenso auf seinen Moskauer Amtskollegen ein wie auch die offen schwulen Wowereit und Delanoë. Bislang allerdings ohne Erfolg.
Zunächst herrschte ohnehin eitel Sonnenschein. Die großen Vier unterzeichneten strahlend die "Berliner Erklärung". In dem Kommuniqué vereinbarten die Städte, in den Bereichen Wirtschaft, Umweltschutz, Verkehr und Gesundheit näher zusammenzuarbeiten. Außerdem müsse in den Kapitalen Intoleranz und Diskriminierung strikt unterbunden werden. Den blumigen Worten in der Erklärung folgte bei der darauf folgenden Pressekonferenz allerdings die harte Realität: Ein Journalist fragte Luschkow, warum er denn so vehement gegen den CSD sei. Der Bürgermeister antwortete laut Interfax, er wolle "die Gesellschaft nicht provozieren, die sich gegen ein solches Phänomen ausspricht". Er sagte, dass alle religiösen Gruppen und die Öffentlichkeit den CSD nicht gut hießen. Er würde ja die Schwulen und Lesben nur schützen wollen: "Würde die Parade heute in Moskau abgehalten, würden sich die Teilnehmer einer großen Gefahr aussetzen." Später sprach er über den wahren Grund seiner Ablehnung: "Ich glaube diese Phänomene sind nicht natürlich, sie entsprechen nicht der menschlichen Natur", so Luschkow.
Delanoë hielt es dann nicht mehr auf dem Sitz: "Ich sagen das mal ganz offen", so der Franzose: "Nichts ist unnatürlich. Uns geht es um Gleichheit. Dieses Prinzip ist nicht verhandelbar." Er wies darauf hin, dass es auch in Berlin, London und Paris zunächst Widerstände gab. Heute sei der CSD allerdings in allen Städten ein friedliches Fest. Auch Klaus Wowereit sagte, heute seien CSDs in fast allen Teilen Europas etabliert. Um sich ein Bild von einer friedlichen Parade machen zu können, lud Wowereit seinen Amtskollegen Luschkow zum Berliner CSD am 22. Juli ein.
Vor allem religiöse Vertreter hatten vehement gegen den CSD in Moskau protestiert (queer.de berichtete). Ein islamischer Großmufti hatte sogar gesagt, dass Mohammed selbst angeordnet habe, Schwule zu ermorden (queer.de berichtete). Auch mehrere nationale Politiker haben inzwischen das Verbot verteidigt. So sieht Lubow Sliska, die Vize-Sprecherin der Staatsduma, nicht die Rechte der Schwulen und Lesben verletzt sondern ihre eigenen: "Manche sagen, das Verbot sei eine Verletzung der Menschenrechte. Mich hat aber jemand gefragt: 'Wer schützt meine Rechte, wenn ich diese Parade nicht sehen möchte?'. Es gibt mehrere Millionen Menschen in Moskau, die keine Homosexuellen-Prozession sehen wollen. Wer schützt deren Rechte?". Auch für den Parlamentsabgeordneten Issa Kostoew ist Diskriminierung etwas ganz Natürliches: "Der Staat muss die Interessen der Mehrheit aufrecht erhalten. Wir müssen wählen zwischen den 99 Prozent, die diese Prozession nicht unterstützen, und dem einen Prozent der Bevölkerung, die das will. Wir sollten daher die Rechte der Minderheit verletzen, nicht die der Mehrheit." Ohnehin sei der CSD eine "schlimme und ekelerregende Veranstaltung."
23. Februar 2006
Links zum Thema:
» CSD Moskau (auf Englisch)














Man kann es heutzutage immer noch nicht fassen, dass Menschen, die nicht willens sind, dazu zu lernen und ihre Vorurteile weiter pflegen wollen in der Politik sind und sehr viel Macht haben.
Ich kann es nachvollziehen, dass aufgrund der Erziehung viele Menschen Vorbehalte haben.
Gerade ein CSD sollte diese Vorbehalte ausräumen können.
Und warum kommen diese Menschen darauf, dass ein CSD ekelerregend ist, wenn sie es strikt ablehnen einen solchen zu besuchen und zuzusehen.
Ich finde es ermutigend, dass aus den großen europäischen Metropolen ein wenig Druck kommt, der den Regierigen in Moskau deutlich machen soll, dass man sie für diktatorisch und dumm hält und somit auch nicht für würdig der großen europäischen Gemeinschaft.