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Bestätigte Anschuldigung
Sexueller Übergriff bei erster "Princess Charming"-Staffel
Während des Drehs der ersten Staffel von "Princess Charming" versuchte eine Teilnehmerin, einer anderen ihre sexuellen Wünsche aufzuzwingen. Die Betroffene wandte sich nun per Instagram an die Öffentlichkeit.

20 Teilnehmer*innen wollten sich in der ersten Staffel von "Princess Charming" um das Herz von "Princess" Irina bemühen (Bild: RTL / René Lohse)
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17. November 2022, 11:50h 6 Min.
Die erste Staffel der lesbischen Datingshow "Princess Charming" hat unter Kritiker*innen ein weitgehend positives Echo hervorgerufen. Gerade die von den Macher*innen getroffene Mischung aus Unterhaltung und Aufklärung über lesbische Themen, in der zweiten Staffel teils schmerzlich vermisst, wusste zu überzeugen (queer.de berichtete).
Doch nun, über ein Jahr nach Ausstrahlung der letzten Folge, rückt ein lesbisches Thema in den Mittelpunkt, dem sonst eher selten große Aufmerksamkeit gewidmet wird. Denn am Set von "Princess Charming" ist es zu einem sexuellen Übergriff durch Teilnehmerin Wiki gekommen.
Botschaft auf Instagram
Bekannt wurde das nun durch die Betroffene, Jo, die sich zu Zeiten der Ausstrahlung noch als Johanna vorstellte. Am Montag sprach sie erstmals öffentlich in einer auf Instagram geposteten Videobotschaft darüber. In Reaktion darauf bestätigte die Angeschuldigte die in dem Video geschilderte Darstellung.
"Ich möchte gerne über den sexuellen Übergriff sprechen, der am Set von Princess Charming, Staffel 1, passiert ist", sagt Jo in dem Videoclip vom Montag sichtlich belastet. Kurz vor der fünften Entscheidungsnacht sei sie zum Schlafen in ihr Doppelbett gegangen, das sie sich sonst mit Wiki geteilt hatte. In der Sendung ist es üblich, dass sich die Bewerber*innen in einer Villa auf Kreta einen großen Schlafsaal teilen.
Wiki habe an dem Abend eigentlich in einem anderen Bett übernachten wollen, so dass Jo allein dort gewesen sei. Später sei die jedoch davon wach geworden, dass Wiki "sehr dicht an mir dran lag". Noch im Halbschlaf befindlich, habe sie Jo von ihren Gefühlen für sie und ihren "Wünschen in der Situation" erzählt. Dann habe sie versucht, Jo zu küssen, was diese jedoch verneint habe. Daraufhin habe Wiki sich nach einer Weile auf Jo gelegt, deren Arme über ihrem Kopf festgehalten und abermals versucht, sie zu küssen. Jo habe sich daraufhin nicht mehr bewegt. Weitere Details zum Ablauf des Übergriffs nennt die Betroffene nicht.
Am Tag darauf sei Jo von anderen Kandidat*innen darauf hingewiesen worden, dass Wiki in dem Moment, in dem sie zu ihr ins Bett gestiegen sei, "untenrum nackt" gewesen sei. Jo habe das Vorgefallene dann auch gegenüber Wiki "als sexuellen Übergriff deklarieren" können. Darum habe sie die Villa auch am Tag nach der Grenzverletzung verlassen müssen.
Geschwiegen wegen Vertragsklausel
Im Anschluss habe Jo eine turbulente Zeit durchlebt. Ihr sei nicht klar gewesen, was die Außenwelt von dem Vorfall mitbekommen hatte. Menschen seien an den Gründen für ihren Auszug und ihrer Zeit bei "Princess Charming" interessiert gewesen. Immerhin hätten die Erfahrungen dort doch "so großartig" gewesen sein müssen.
"Das waren sie auch, mitunter" stellt Jo klar. Neben all den tollen Erfahrungen mit "Princess Charming" und den tollen Menschen, die sie dort habe kennenlernen dürfen, verbinde sie die Serie jedoch auch "mit diesem Trauma".
Sie habe eineinhalb Jahre geschwiegen, weil sie nicht gewusst habe, ob sie über den Vorfall habe reden dürfen. Gemeint dürfte damit wohl auch die Verschwiegenheitsklausel im Vertrag mit den Macher*innen von "Princess Charming" gewesen sein, die bei solchen TV-Produktionen üblich ist, wie Jo in einer späteren Botschaft noch ein mal genauer darlegte.
Zuletzt habe sie "in Situationen, die es hervorrufen" gemerkt, "wie doll es mir wehtut, zu schweigen", zumal sie nicht wisse, für wen eigentlich. Jo bereue es nicht, bei der Sendung mitgemacht zu haben und wolle niemandem etwas wegnehmen. In die Show sei sie aber gegangen, um sichtbar zu machen, was in der Gesellschaft falsch laufe.
Das bezog sie nun augenscheinlich auch auf das Thema sexueller Gewalt: "Wenn andere Menschen euch irgendwie das Gefühl geben, eure Stimme verdiene kein Gehör", dann stimme das nicht. Sie wünsche sich "aus vollstem Herzen", dass Zuschauende, die etwas mit sich herumtrügen, wüssten, dass es Menschen gebe, die ihnen zuhören würden.
Mit der Täterin habe Jo vor dem Übergriff sogar über ihre Vorbelastung in dem Bereich gesprochen. Das sei ein Muster, das sich durch ihre Jugend ziehe und das nun auch vor dem Set von "Princess Charming" nicht Halt gemacht habe. Doch vor der nächtlichen Grenzverletzung hat sie das wohl nicht geschützt.
Anschuldigungen bestätigt
Am Dienstag dann reagierte Wiki in einem eigenen Video auf die Öffentlichmachung. Zunächst bittet sie ihre Follower*innen darin darum, Jos Botschaft anzusehen. Dann schickt sie, sichtlich nervös, voraus, sie wolle mit ihrem eigenen Beitrag nicht zu viel Raum einnehmen. Er sei darum auch nicht besonders lang. Es sei ihr trotzdem wichtig, "was dazu zu sagen".
Sie wisse, dass das, was sie Jo bei "Princess Charming" angetan habe, "sehr übergriffig" gewesen sei. Es tue ihr "unheimlich Leid". Es sei "mit nichts zu rechtfertigen" und sie könne die Sache auch nicht "klären". Das Einzige, was sie tun könne, sei, ihr Verhalten zu reflektieren und "verantwortungsvoll mit meiner Schuld umzugehen", damit sie sich "so eben nicht mehr verhalte".
Das habe sie gleich nach dem Übergriff gemacht, tue es weiterhin tagtäglich und es spiegle sich auch in ihrem "Content" wieder. Tatsächlich hatte sich Wiki auf Instagram auch immer wieder mit dem Thema sexueller Gewalt oder auch mit Konsens beschäftigt und sich für eine gewaltfreie Sexualität eingesetzt.
An sie gerichteten Fragen, warum sie nicht früher darüber gesprochen habe, wenn ihr das Thema angeblich so wichtig sei, entgegnet Wiki in ihrem Beitrag, dass es nicht ihre Position gewesen sei, darüber zu sprechen. Sie sei nicht die betroffene Person gewesen und habe gewartet, bis diese bereit gewesen sei, darüber zu reden. Sie habe Jo so den Raum dafür geben wollen.
Dass die sich jetzt an die Öffentlichkeit gewandt habe, sei "auch gut so". Ihre Follower*innen bittet sie zudem, aufzuhören, von "Vorwürfen" zu sprechen. Es handle sich nicht um einen "Vorwurf". Denn das, was Johanna sage, stimme "und es ist passiert".
Widerspruch von Community und Betroffener
Doch nicht nur Kommentator*innen unter Wikis Video zeigen sich irritiert. Auch Jo selbst reagierte auf das Statement. Der Behauptung, wonach Wiki sich erst jetzt zur Sache geäußert habe, da sie vorher darauf gewartet habe, dass die Betroffene sich zuerst äußert, widerspricht sie.
Demnach habe Jo Wiki vorab kontaktiert und ihr mitgeteilt, dass sie öffentlich über das Vorgefallene sprechen wolle. Zu diesem Zweck habe sie sie darum gebeten, gemeinsam die Verschwiegenheitserklärungen in ihren Princess-Charming-Verträgen prüfen zu lassen. Daraufhin habe Wiki, so Jo, klargestellt, dass sie daran kein Interesse gehabt hätte. "Einer der wichtigsten Gründe, warum ich mich erst gestern geäußert habe, ist dieser Vertrag", stellte Jo in der nachgeschobenen Instagram-Botschaft denn auch klar.
Eine Nutzerin kommentierte: "Puh, Wiki. Ich versteh es einfach nicht. Wie konntest du fast zwei Jahre lang gerade Konsens zu deinem Kernthema machen, dich selbst als öffentliches Gesicht für Betroffene sexualisierter Gewalt inszenieren und von der entsprechenden Reichweite profitieren, wenn du gleichzeitig wusstest, wozu du selbst – aus welchen Gründen auch immer – fähig bist? Wie muss Jo sich gefühlt haben, das mitanzuschauen?"
Links zum Thema:
» Jos Videobotschaft auf Instagram















Ihre Ausrede in diesem Fall ist dazu noch lächerlich. Sie teilt aufs Schärfste gegen andere aus, aber über sich wird erst gesprochen, wenn es sowieso ans Licht kommt. Sie hätte dich ein Posting machen können, dass auch sie manchmal bewusst und/oder unbewusst Grenzen überschreitet, ohne konkret ein Opfer zu benennen, welches dann weiter die Chance hätte selbst zu sprechen.
Wie dem auch sei. Man sollte Menschen, die Schwächen/Fehler/Taten ausschließlich und nur bei anderen suchen konsequent meiden. Am Ende machen sie das doch auch nur, um sich selbst aufzuwerten.