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Australien

Hass-Mord an schwulem Mann: Gericht hebt Urteil auf

1988 wurde der schwule Student Scott Johnson in Sydney brutal ermordet. Anfang dieses Jahres gab ein Mann die Tat zu und wurde verurteilt. Doch jetzt nimmt der Fall eine überraschende Wendung.


Der Mord am schwulen Studenten Scott Johnson ist auch 34 Jahre nach der Tat noch nicht juristisch aufgearbeitet worden

  • 19. November 2022, 02:37h 2 3 Min.

Ein Berufungsgericht in Sydney hat am Freitag die Verurteilung des 52-jährigen Scott White wegen eines Hass-Mordes an einem schwulen Mann vor 34 Jahren aufgehoben. Ein Gericht soll sich laut australischen Medienberichten am 1. Dezember erneut mit dem Fall befassen, der nun wohl noch einmal von vorne aufgerollt wird.

Der Mord ereignete sich im Dezember 1988: Damals war der 27-jährige US-Mathematikstudent Scott Johnson offensichtlich aus Homo-Hass von einer Klippe am Strand von Sydney gestürzt worden und dabei gestorben. Die Tötung war offenbar Teil einer Mordserie der späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahre. Zu dieser Zeit sollen Homo-Hasser gezielt in Cruising-Gebiete gegangen sein und ihre Opfer in eine Falle gelockt haben. Nach Schätzungen sind bis zu 80 Schwule an Stränden um Sydney, etwa dem bekannten Bondi Beach, von jungen Männern ermordet worden. Zu dieser Zeit ermittelte die homophobe Polizei allerdings kaum – und verschleierte die Morde oft als Suizide.

Die Polizei entschuldigte sich bereits vor mehreren Jahren für ihr Fehlverhalten und ermittelte in einigen Fällen erneut. Scott Johnsons Fall sorgte für besonderes Interesse: Die Behörden setzten 2018 eine Belohnung in Höhe von einer Million Dollar (650.000 Euro) auf Hinweise auf den oder die Täter aus, Johnsons in den USA lebender Bruder – ein Selfmade-Millionär – verdoppelte die Belohnung. 2020 wurde Scott White als mutmaßlicher Täter festgenommen (queer.de berichtete).

White gestand die Tat, leugnete sie aber wieder

Beim Gerichtsverfahren gab White im Januar diesen Jahres überraschend die Tat zu (queer.de berichtete). Kurze Zeit später zog er jedoch sein Geständnis zurück, was die Richterin allerdings nicht akzeptierte. Im Verfahren sagte die Ex-Frau des Angeklagten zudem aus, dass er ihr die Tat vor Jahren gestanden und gesagt habe: "Die einzig gute Schwuchtel ist eine tote Schwuchtel." Zum Tatzeitpunkt war White 18 Jahre alt und obdachlos. Schließlich wurde der Angeklagte im Mai zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren und sieben Monaten veurteilt (queer.de berichtete).

Die Anwälte des 52-Jährigen legten Rechtsmittel gegen die Verurteilung ein, da ihr Mandant während seines Geständnisses "verwirrt" und "gestresst" gewesen sei und davor und danach stets seine Unschuld beteuert habe. Dem folgte der Court of Criminal Appeal.

Direktlink | Bericht über die Aufhebung des Urteils in einer Nachrichtensendung
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Aus dem ersten Verfahren war hervorgegangen, dass White in einer äußerst homophoben Familie aufgewachsen sei und von "Selbsthass" angetrieben wurde, so die Richterin. Jahre nach der Tat habe er sich selbst als schwul geoutet.

Der ermittelnde Hauptkommissar Peter Yeomans erklärte, dass der Bruder des Getöteten "sehr, sehr enttäuscht" über die Aufhebung des Urteils sei. Auch Peter Rolfe, ein Freund des Ermordeten, kritisierte die Entscheidung: "Das geht jetzt schon so lange. Und es hört einfach nicht auf", sagte er laut dem Fernsehsender ABC. (dk)

Direktlink | Bereits 2016 hatte der australische Fernsehsender SBS die vierteilige Kriminalserie "Deep Water" ausgestrahlt, in der eine fiktive Polizeikommissarin (Yael Stone, bekannt aus "Orange Is the New Black") die alte Mordserie neu aufrollt und dabei auf Widerstand stößt
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#1 Julian SAnonym
  • 19.11.2022, 08:50h
  • "Nach Schätzungen sind bis zu 80 Schwule an Stränden um Sydney, etwa dem bekannten Bondi Beach, von jungen Männern ermordet worden. Zu dieser Zeit ermittelte die homophobe Polizei allerdings kaum und verschleierte die Morde oft als Suizide."

    Ich weiß nicht, was mich mehr ankotzt:

    Dass so viele Schwule ermordet wurden.
    Dass die Polizei das vertuscht hat und sich so zu Mittätern gemacht hat.
    Dass auch heute, Jahrzehnte später, immer noch keine Gerechtigkeit stattfindet.
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#2 ZustimmungAnonym
  • 20.11.2022, 13:37h
  • Antwort auf #1 von Julian S
  • Man sollte sich auch mal die Zahl 80 vor Augen führen, wie viele Menschen da umgebracht wurden und das scheinbar so normal war dass man nicht mal richtig ermittelt, sind ja nur Schwuchteln.
    80 Familien, die ihre Söhne, Brüder verloren haben. 80 geliebte Personen die es nicht wert gewesen waren mal zu fragen was da los war. Man sollte nicht nur diesen einem Opfer ein Gesicht geben, sondern allen.
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