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Interview

"Weiß genau, was es heißt, ein Schwarzer, queerer Mann zu sein"

Wir sprachen mit dem Schauspieler, Tänzer und Sänger Keiynan Lonsdale über seine Vorbildfunktion, seine Rolle in der dritten Staffel von "Step Up" und seine Aufgaben als Schirmherr des WorldPride in Sydney.


Keiynan Lonsdale wurde im Dezember 1991 in Sydney geboren (Bild: Keiynan Lonsdale / facebook)

Seine Karriere begann Keiynan Lonsdale, geboren am 19. Dezember 1991 in Sydney, in der Heimat bereits als Teenager. Erst spielt er Rollen in Tanzfilmen, anschließend war er einige Jahre VJ bei MTV Australien. Mit einer Nebenrolle in "Die Bestimmung – Insurgent" gelang ihm auch der Sprung in die USA, wo er mit Serien wie "The Flash" und "Legends of Tomorrow" bekannt wurde.

Seit seinem Coming-out 2017 spielt seine Queerness auch immer stärker eine Rolle in Lonsdales Arbeit: Er war Gastjuror bei "RuPaul's Drag Race", sein 2020 veröffentlichtes Album heißt "Rainbow Boy" (und umfasst Songs mit Titeln wie "Gay Street Fighter") und er war in Filmen wie "Love, Simon" und zuletzt "My Fake Boyfriend" mit von der Partie.

Aktuell ist er in der dritten Staffel der Serie "Step Up" (bei Lionsgate+) zu sehen, außerdem ist er Schirmherr des nächsten WorldPride, der im Februar und März 2023 in Sydney stattfinden wird. Wir haben ihn exklusiv im Interview gesprochen.

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Keiynan, die "Step Up"-Serie basiert lose auf den gleichnamigen Kinofilmen, mit denen zum Beispiel auch Channing Tatum bekannt wurde. Haben Sie die damals gesehen?

Klar, wobei ich gar nicht mehr genau weiß, wie alt ich damals war. 15 oder so? Jedenfalls habe ich auf Channing gar nicht so sehr geachtet. Aber ich fand stark, dass der R&B-Sänger Mario da mitspielte. Ich glaube, dass war das erste Mal, dass ich einen Musiker, den ich toll fand, auch in einem Film gesehen habe. Außerdem war für mich als Tänzer natürlich diese Mischung aus Hip-Hop und Ballett total faszinierend. Dass ich genau in dieser Zeit groß wurde, als so viele Tanzfilme dieser Art populär waren, war ein echter Segen.

Tanzen war schon immer Ihr Ding, oder?

Seit meiner Kindheit. Ich tanzte im Wohnzimmer vor dem Fernseher zu Michael Jackson und Co. und hatte irgendwie nie einen Zweifel daran, dass Tanz mich mein Leben lang begleiten würde. Mich durch Bewegung auszudrücken, machte mich glücklich, und ich erinnere mich wirklich an keinen Moment in meinem Leben, in dem ich etwas anderes im Sinn hatte. Dass ich Geschichten auch auf anderem Weg erzählen kann – als Schauspieler oder Sänger etwa -, habe ich erst viel später für mich entdeckt.

War es dann schwierig, sich auch in diesen anderen Bereichen zu etablieren? Hatten Sie als Tänzer lange einen Stempel weg?

Anfangs war es eher schwierig, überhaupt anderes auszuprobieren. Immer wenn ich meinen Tanzlehrer*innen zu erzählen begann, dass mich auch Musik und Schauspielerei interessieren, hieß es: Nein, lass das bleiben! Du bist einer unserer besten Tänzer und darfst dich nicht mit anderem ablenken. Doch zum Glück war ich irgendwann selbstbewusst genug, um mich davon nicht abhalten zu lassen. Später, als es richtig losging mit der Arbeit vor der Kamera, war die Tanz-Vergangenheit dagegen kein Problem. Im Gegenteil wusste davon kaum jemand etwas, vor allem nicht in den USA.

Wo liegt im Moment der Schwerpunkt?

Aktuell habe ich viel Freude daran, dem Tanz wieder mehr Raum in meinem Leben einzuräumen. Das reizte mich auch so an "Step Up": dass ich da zwei Dinge miteinander vereinen konnte – und vor allem wirklich doll trainieren musste, um mit den anderen Tänzern mitzuhalten. Aber ich arbeite gerade auch schon an meinem neuen Album.


Keiynan Lonsdale als queere Diva Isasiah in der Netflix-Teenie-Komödie "Work It" (Bild: Netflix)

Erst einmal steht jetzt noch der WorldPride an, wo Sie Schirmherr und verantwortlich für die Abschlussshow sind. Was bedeutet Ihnen das?

Das ist schon eine sehr besondere Aufgabe. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich überwältigt von der Aussicht. Auch weil es das erste Mal überhaupt sein wird, dass ich in meiner Heimat an einer Pride-Veranstaltung teilnehmen werde. Außerdem werde ich ja nicht nur performen, sondern auch als Ko-Moderator durchs Programm führen, was ich seit zehn Jahren nicht mehr gemacht habe. Das wird aufregend, und ich hoffe sehr, dass ich meinen Teil dazu beitragen kann, dem Publikum ein bisschen Regenbogen-Magie zu schenken.

Kylie Minogue wird auch mit dabei sein, richtig?

Genau, sie tritt bei der Eröffnung auf. Ich bin ihr noch nie begegnet, aber sie hat schon eine SMS geschickt und gefragt, ob ich nicht auch bei ihrer Show mal auf die Bühne kommen will. Also mal sehen! Mindestens aus dem Publikum werde ich mir die große Opening-Feier mit ihr natürlich nicht entgehen lassen.

Es ging nach Ihrem öffentlichen Coming-out sehr schnell, dass Sie auch zu einer Art Aktivist wurden und viel und oft über LGBTI-Themen Rede und Antwort standen. Wie schnell haben Sie sich mit dieser Vorbild-Rolle angefreundet?

Anfangs habe ich darüber gar nicht nachgedacht. Mir war es wichtig, die Welt wissen zu lassen, dass ich nicht heterosexuell bin, aber ich hatte eigentlich nicht vor, mich ansonsten weiter öffentlich dazu zu äußern. Doch dann wurde ich in New York im Fernsehen live dazu befragt, und irgendwie dachte ich mir in dem Moment: Okay, dann ist das jetzt so. Und dann wurde die Sache ein Selbstläufer. Mir war die Verantwortung, die damit einherging, sehr bewusst, und ich habe das sehr ernst genommen. Aber mir hat das auch Spaß gemacht, schließlich bin ich stolz darauf, wer ich bin, und freue mich, wenn ich vielleicht anderen helfen kann. Doch irgendwann stieß ich auch an meine Grenzen.

Warum?

Weil ich irgendwie nur noch nach außen repräsentierte und gleichzeitig mit meinem eigenen Leben kaum hinterherkam. Ich hatte ja noch gar nicht wirklich angefangen, mir meine eigene queere Existenz aufzubauen, und musste noch so viel lernen. Mir wurde einfach klar, dass alles so schnell gegangen war, dass ich mir gar nicht die Zeit genommen hatte, mich wirklich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Oder meine eigene Community zu finden und Gespräche mit meiner Familie und meinen Freund*innen zu führen. Deswegen habe ich mich eine Weile lang zurückgezogen und mich mit meiner eigenen Identität beschäftigt, statt große Reden zu schwingen. Aber heute fühle ich mich so wohl in meiner Haut und weiß genau, was es heißt, ein Schwarzer, queerer Mann zu sein, dass es mir ein Herzensanliegen ist, das auch mit anderen zu teilen und ein wenig Licht auf die Sache zu scheinen. Selbst wenn es nie aufhören wird, dass auch ich weiterhin dazu lerne.

-w-