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Polizei-Großeinsatz gegen Vielfalt

Katar macht Jagd auf Regenbogen bei der WM

Laut FIFA ist der Regenbogen bei der WM willkommen – das sehen die Veranstalter aber offensichtlich anders. Trotz der Einschüchterungsversuche reiste Innenministerin Faeser zum deutschen Auftaktspiel.


Fans, die mit Regenbogen-Symbolik in WM-Spiele wollen, müssen mit Repressalien rechnen (Bild: Twitter / Grant Wahl)

  • 23. November 2022, 10:20h 12 3 Min.

Mehrere Fans und Journalist*­innen berichten von erheblichen Eingriffen der katarischen Offiziellen, die bei Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Regenbogen-Accessoires vorgehen. Ein deutscher Fan, der beim Spiel der Niederlande gegen den Senegal eine Regenbogen­binde und ein Regenbogenschweißband trug, berichtete etwa von Ärger mit der Polizei: "Mitte der zweiten Halbzeit wurde ich von vier Polizisten von meinem Platz eskortiert, stand in den Katakomben umzingelt von zehn bis 15 Polizisten, die mich aufgefordert haben, die Binde abzunehmen", sagte Sportstudent Bengt Kunkel der Deutschen Presse-Agentur. Ihm sei gesagt worden: "Entweder nehmen wir deine Binde und dein Schweißband oder wir nehmen dich mit. Dann habe ich es natürlich auch abgegeben." Auch auf seinem TikTok-Kanal berichtete der Fan von dem Vorfall.

@ben9tk

Was aus der Regenbogen­flagge und der Armbinde im Stadion geworden ist … wir nehmens mit Humor und bleiben dran #katar #wm #wc #wc2022 #qatar2022 #regenbogen

Originalton – Bengt
TikTok / Bengt
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Der dänische Fernsehjournalist Rasmus Tantholdt veröffentlichte das Video eines dänischen Fans, der am Montag beim Spiel zwischen den USA und Wales wegen seiner Regenbogensocken und der One-Love-Binde nicht ins Stadion gelassen worden sei.

/ RasmusTantholdt
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Sogar Regenbogen, die offensichtlich nichts mit der queren Community zu tun haben, wurden zur Zielscheibe der katarischen Behörden: Sie nahmen etwa dem brasilianischen Journalisten Victor Pereira eine Flagge seines Heimat-Bundesstaates Pernambuco ab, weil darauf – neben einer Sonne und einem Kreuz – ein Regenbogen abgebildet ist. Außerdem zwangen sie ihn, ein von ihm aufgezeichnetes Video zu löschen, so Pereira auf Twitter.

/ ovictorpereira
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US-Fan Justin Martin beschrieb gegenüber der "Washington Post", dass er mehrfach wegen einer kleinen Regenbogen­fahne angegangen worden sei, teilweise von Personen in offizieller FIFA-Uniform. Einer von ihnen hätte Martin als "ekelhaft" beschimpft.

/ Justin_D_Martin
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Bereits zuvor waren mehrere weitere Fälle bekanntgeworden: So wurden Wales-Fans vor dem Auftaktspiel ihrer Mannschaft Hüte in Regenbogen­farben abgenommen, die in Kooperation mit dem walisischen Fußballverband produziert worden waren (queer.de berichtete).

Faeser: "Das enttäuscht mich sehr"

Die deutsche Bundesinnenminister Nancy Faeser kritisierte die Vorfälle, reiste aber am Mittwoch trotzdem nach Katar, um sich das Spiel der Hansi-Flick-Elf gegen die Auswahl Japans anzusehen (Mittwoch ab 14 Uhr mitteleuropäischer Zeit). "Das enttäuscht mich sehr", sagte die Sozialdemokratin laut der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Doha über den Fall des deutschen Fans Bengt Kunkel. "Das ist nicht mein Verständnis von Sicherheitsgarantien, die mir der Innenminister gegeben hat."

Die FIFA hatte mehrfach betont, dass Fans Regenbogen-Accessoires in die Stadien nehmen dürften. Letzte Woche erklärte FIFA-Sprecherin Gerdine Lindhout gegenüber dem britischen Sender ITV, dass es für queere Fans in Katar "kein Risiko" gebe und es ihnen freistehe, ihre Liebe in der Öffentlichkeit auszudrücken.

/ stevescott_itv
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Bereits seit Montag steht die FIFA in der Kritik, weil sie selbst die One-Love-Kapitänsbinde verboten hatte, die von mehreren europäischen Ländern getragen werden sollte (queer.de berichtete). Faeser bezeichnete die Entscheidung des Weltverbandes vor Ort als einen "großen Fehler". Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) erklärte am Dienstagabend in der ZDF-Sendung "Markus Lanz", er hätte an der Binde festgehalten: "Ich wäre interessiert zu sehen, was der Schiedsrichter macht, wenn da einer mit der Binde rumkommt", so der Bundeswirtschaftsminister. "Ich würde es darauf ankommen lassen." (dk)

/ NancyFaeser | Auch Faeser kritisierte das One-Love-Verbot der FIFA
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-w-

#1 Monakado
  • 23.11.2022, 11:30hMainz
  • Das läuft dann wohl unter dem beliebten Motto: Tadaaa, Üüüüberraaaschung!
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#2 Schon
  • 23.11.2022, 11:41hFürth
  • Ich bekomme von dem belanglosen Geplapper Pickel. Frau Faeser setzt mit Ihrer Reise trotz allen Vorfällen und Fakten ein Statement pro Diskriminierung und gegen Menschenrechte, und zwar freiwillig.
    Die Fußballspieler sind ja quasi Leibeigene der FIFA, da erleide ich, dass die sagen, machen und anziehen müssen was Imperator Infantino befiehlt.
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#3 EilebaldAnonym
  • 23.11.2022, 11:43h
  • Ich wünsche mir für die Dauer der WM unzählige Regenbögen am Himmel über Qatar. Da sollen sie mal versuchen, die wegzubekommen.
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