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Kinostart "Nelly & Nadine"

Eine einzigartige lesbische Liebe im KZ Ravensbrück

An Heiligabend 1944 verlieben sich Nelly und Nadine im Konzentrationslager ineinander. Nach dem Krieg finden sie sich wieder. Eine bewegende Doku zeigt diese über Jahrzehnte geheim gehaltene Liebesgeschichte.


Nadine Hwang (l.) und Nelly Mousset-Vos hielten ihren Liebe über Jahrzehnte geheim (Bild: Familienarchiv Mousset-Vos)

Dachböden sind für allerlei Überraschungen gut. Was Sylvie Bianchi in ihrem Bauernhof in Nordfrankreich findet, ist nicht weniger als eine Sensation: Tagebucheinträge ihrer Großmutter Nelly Mousset-Vos aus dem Konzentrationslager, Fotos, 8-mm-Filmmaterial, das sie in Caracas zeigt. Jahrzehntelang schlummerte in dieser Kiste eine einzigartige Liebesgeschichte.

Der schwedische Regisseur Magnus Gertten erweckt diese Geschichte zum Leben. Als Ausgangspunkt dient ihm dabei Archivmaterial aus dem Hafen von Malmö: Im April 1945 kamen hier KZ-Überlebende an, das schwedische Fernsehen dokumentierte das – die ersten Bilder der Gräueltaten der Nazis, die in Schweden zu sehen waren. Dieses Material führte Regisseur Gertten bereits zu zwei Dokumentarfilmen ("Harbour of Hope" von 2011 sowie "Every Face has a Name" von 2015). "Nelly & Nadine" ist der dritte.

Die Enkelin erfährt von der lesbischen Beziehung der Großmutter


Poster zum Film: "Nelly & Nadine" startet am 24. November 2022 im Kino

Eine der prägnantesten Figuren in dem Archivfilm: Nadine Whang, Tochter des chinesischen Botschafters in Spanien und Ehrenoberst der chinesischen Armee. Sie lernte Nelly Mousset-Vos, eine belgische Sängerin, an Heiligabend 1944 im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück kennen. An einem Ort, der wie andere Lager für die schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte steht, verlieben sie sich ineinander.

So besonders eine Geschichte aus der Nazi-Zeit auch sein mag: Bei der schieren Fülle an Romanen, Schicksalsverfilmungen und Dokumentationen ist es ein schwieriges Unterfangen, nicht zu beliebig zu erzählen. "Schlussstrich"-Debatten zeigen, dass manche übersättigt sind von Kriegsgeschichten und Erinnerungskultur.

Doch "Nelly & Nadine" reiht sich eben nicht bloß ein in diesen Kanon. Natürlich ist die Geschichte an sich einzigartig, doch es ist vor allem das Verdienst von Regisseur Gertten, diese sehenswert zu erzählen. Dass er Sylvie Bianchi, die Enkelin von Nelly, zu seiner Hauptprotagonistin macht, ist geschickt. Sie ist eine zurückhaltende, aber emotionale Erzählerin, die ihrer eigenen Familiengeschichte näherkommt und erfährt, weshalb die Beziehung ihrer Großmutter zu Nadine Whang jahrelang geheim gehalten wurde.

Intime Aufnahmen einer besonderen Beziehung

"Einzigartig" ist sicher das Wort, das auf "Nelly & Nadine" auf so vielen Ebenen zutrifft: Einzigartig ist nicht nur die Geschichte selbst, es ist auch deren Dokumentation. Nellys Tagebucheinträge geben einen bewegenden, eindringlichen Einblick ins (Über-)leben im Konzentrationslager, über die Liebe und die Hoffnung. "Wird es jemals ein Leben für uns zwei geben?", fragt sie sich etwa. Unterlegt sind diese vorgelesenen Erinnerungen mit ländlichen Aufnahmen des Belgiers Henri Storck, der diese während der Nazi-Besatzung in seiner Heimat anfertigte.

Nur zwei Monate, nachdem sich Nelly und Nadine kennenlernten, trennten sich ihre Wege, als Nelly in ein anderes Lager verlegt wird. Beide werden nach dem Krieg befreit – und führen dieses gemeinsame Leben. Sie ziehen schließlich nach Venezuela, wo sie ihre Beziehung frei leben wollen. Dort drehte Nadine 8-mm-Filme, die ihre Freundin Nelly zeigen, mit Perlenkette und einfachen Kleidern: Intime Aufnahmen einer besonderen Beziehung – die sich von keinen Widrigkeiten hat zerstören lassen.

Infos zum Film

Nelly & Nadine. Dokumentarfilm. Schweden, Belgien, Norwegen 2022. Regie: Magnus Gertten. Laufzeit: 92 Minuten. Sprache: Originalfassung (Französisch, Englisch, Spanisch, Schwedisch) mit deutschen Untertiteln. FSK 0. Verleih: Rise and Shine Cinema. Kinostart: 24. November 2022
Galerie:
Nelly & Nadine
11 Bilder
-w-

#1 Frank LaubenburgAnonym
  • 24.11.2022, 12:28h
  • Schön, dass den Film gibt. "Einzigartig" war diese Liebe aber keineswegs. Cilly Helten und Rosa Jochmann lernten sich ebenfalls im KZ Ravensbrück kennen und lebten bis zu Cilly Heltens Tod 1974 in Wien zusammen. Und es dürfte weitere, bislang nicht erzählte, Liebesgeschichten aus Ravensbrück geben.
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#2 Miguel53de
  • 24.11.2022, 23:04hOttawa
  • Was für eine wunderbare Geschichte, die dazu noch ein Happy End hat.
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#3 IngoAnonym
  • 25.11.2022, 07:44h
  • Ich sah den Film auf der Berlinale und finde, dass es einer der schönsten und zartesten Liebesfilme ist, den ich je gesehen habe. Ganz wundervoller Erzählrhythmus und so würdevoll, wie sich die Beteiligten - Regisseur, Enkeltochter... - den Liebenden nähern. Sehr sehenswert!
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