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Episodenkritik

"Prince Charming": Für diesen Mann hat sich Fabian entschieden

In der letzten Folge der Gay-Datingshow muss sich der Prinz unter Tränen zwischen Tim und Basti entscheiden. Für die Zuschauer*innen ist das Finale eine Qual – trotz Katamaran- und Parasailing-Ausflug.


Prinz Fabian kullern die Tränen übers Gesicht, nachdem er einem der beiden Finalisten einen Korb gegeben hat (Bild: RTL)

Die Zelebration von Homosexualität für ein heteronormatives Publikum geht in die letzte Runde: Die finale neunte Episode von "Prince Charming" bietet neben der Überdramatisierung des Liebesschicksals, als handele es sich um einen Roland-Emmerich-Film, in erster Linie eins: gähnend langweilige Ereignislosigkeit.

Tim und Basti sind die verbleibenden Finalisten, für die sich der Prinz entschieden hat. In der griechischen Villa bildet sich durch die spürbare Abwesenheit der weiteren Kandidaten ein buchstäblicher Leerraum, den die beiden nicht füllen können. Es entsteht ein Vakuum in der Dynamik, der nicht mit heiteren Kommentaren aufgelockert bzw. verdeckt werden kann. Die Luft ist raus – und doch fühlt sich das Finale mit seiner unterdurchschnittlichen Laufzeit von 57 Minuten so zäh an wie eine "Wetten, dass…?"-Sendung in Überlänge.

Fabian habe viel ausprobiert und sich im Laufe der aktuellen vierten Staffel vor den Männern geöffnet, erzählt er zu Beginn. Es wird überschwängliche Dankbarkeit gezeigt, in prosaischer Nostalgie ertränkt. Die zahlreichen (!) Rückblenden können nicht darüber hinwegtäuschen, wie sehr der Schauwert des Sendungskonzepts in den letzten Wochen exponentiell abgenommen hat. Durch das großteilige Vorwegnehmen von Fabians Bewertungen in der finalen "Gentlemen's Night" durch die Vorschau nimmt sich "Prince Charming" selbst früh den (ohnehin schon lauen) Wind aus den Segeln.

Fabian und Tim spielen "Titanic"

Apropos Wind: Das letzte Date mit Tim führt die beiden auf eine stürmische Katamaran-Fahrt an der griechischen Bucht. Für Fabian – der sich in den vergangenen Wochen als ausgesprochen gefühlsduselig herausgestellt hat – steht das nicht nur als symbolischer Akt für Aufbruch und unbekannte Horizonte, der Wind passe auch zu der stürmischen Liebe, die die beiden entwickelt hätten. Um jegliches schwules Klischee zu komplettieren, ahmen die beiden die ikonische "Titanic"-Szene am Schiffsheck nach, Céline Dions Stimme zerschmettert die Lautsprecher.

Bei einem gemeinsamen Dinner an einem schnuckeligen Strandhaus lassen sie ihren Tag ausklingen. Tim lobt Fabian für seine (offensichtlich) in der Staffel selten angewendeten Kochfähigkeiten. Ich bezweifle doch sehr, dass es wirklich der Prinz war, der sich um die Verpflegung innerhalb diese bis ins kleinste Detail inszenierten Show sorgt.

Mittlerweile nervt mich diese verbitterte Art ja selbst, mit der ich über "Prince Charming" berichte. Aber beim besten Willen finde ich nichts Amüsantes darin, wenn Tim und Fabian am nächsten Morgen zusammen einen Brief formulieren, in dem sie der gemeinsamen Zeit huldigen und sich in Floskeln über "unvergessen" und "Ewigkeiten" verlieren. So halbherzig schnell, wie sie ihn dann im Sand vergraben, werden die belanglosen Worte sicherlich wieder von der griechischen Küste weggespült.

Fabian und Basti beim Glamping

Währenddessen in der Villa, immer wieder in Parallelmontage eingeblendet: Basti, der sich in der Höchstform an Selbstinszenierung verliert. Vor dem Kühlschrank stehend, wirft er Bildern der vergangenen Wochen Luftküsse zu und bricht bei Nelly Furtados "All Good Things (Come To An End)" in bittere Tränen aus: Er hat sich wohl zu sehr in den prosaischen Gedanken der Endlichkeit aller Dinge hineingesteigert.

"Hier auf Rhodos gibt es ihn noch, den Text-Messager der ersten Generation: ein Blatt Papier mit Stift." Mit diesen neunmalklugen Worten eines frustrierten Geschichtslehrers wird Bastis Verfassen eines Liebesbriefes kommentiert – ein weiteres Schriftstück der Begrenztheit des Vokabulars dieser Sendung: "Dankbarkeit", "Erinnerungen", "Liebe", jaja. Im Video-Chat tauscht sich Basti völlig verkrampft mit seiner besten Freundin Julia über den Prinzen aus: Er bezeichnet ihn als groß mit haariger Brust, bevor er ihr überhaupt Fabians Namen nennt. Die Prioritäten sind also klar gesetzt.

Sein Date mit dem Prinzen führt Basti nach einem Parasailing-Ausflug – damit die beiden mal was machen, was richtig "crazy" ist – auf einen kurzen Glamping-Trip. Mir war der Ausdruck neu, der Neologismus stellt wohl eine Abkürzung für "Glamorous Camping" dar. Für den neuen Tag ist sich RTL nicht zu schade dafür, eine Kakaozeremonie anzukündigen, die nach Eigenaussage "die Aura reinigen und alte Verletzungen verarbeiten" soll. Neben der erneut pessimistischen Darstellung von Homosexualität als ewige Qual aus dem Coming-Out, ist das kulturelle Aneignung in ihrer Bestform. Eine Kontextualisierung des Rituals findet keineswegs statt, es dient lediglich befremdenden Unterhaltungszwecken.

Abenteuer vs. Geborgenheit

Basti stehe für den Prinzen für Abenteuer und Leichtigkeit, Tim hingegen für Geborgenheit. Die endgültigen Bewertungen der Kandidaten wirken fast wie abgelesen – wie ein Schulkind, das höchst konzentriert ein Gedicht für versammelter Klasse vortragen muss. Die Entscheidung, für wen Fabian sich letztendlich entscheidet, der sich so verzweifelt als abenteuerlustig in Szene setzt, kommt daher nicht sonderlich überraschend: Während die deplatzierten Feuerfontänen losgehen und Blümchens "Nur geträumt" aus den Lautsprechern quäkt, verkündet der Prinz Basti als den Sieger der vierten "Prince Charming"-Staffel. Zuvor kullern ihm noch die Tränen übers Gesicht, als er Tim nach Hause schickt.

Inwiefern diese auf Selbstaufgabe und lediglich erotischer Basis beruhende Beziehung zwischen den beiden zukunftstauglich ist, wird sich wohl im Laufe der kommenden Nachbesprechung zeigen. Die griechische Villa mit ihrem patriarchalen "Boys Only"-Neonschild – und das dort gefeierte Fest der plakativen Homosexualität – können die Zuschauer*innen nach neun Episoden nun endlich verlassen und ihre Krawatten abgeben.

Kritik von Folge 1: Der Prinz, die Penis-Seife, peinliche Plattitüden und ein Pupser
Kritik von Folge 2: Seestern-Reiten auf der schwulen Klassenfahrt
Kritik von Folge 3: Vor der Pool-Party gibt's ein Penis-Eis für alle
Kritik von Folge 4: Haben Fabian und Sebastian etwa Sex?
Kritik von Folge 5: Sklaven, Tränen, internalisierte Homophobie
Kritik von Folge 6: Massage (fast) mit Happy Ending
Kritik von Folge 7: Flaschendrehen und ganz viel Wodka
Kritik von Folge 8: Die Kandidaten als Karikaturen ihrer selbst

Wann und wo läuft die Show?

Die vierte Staffel von "Prince Charming" kann seit Donnerstag, den 29. September 2022 auf RTL+ gestreamt werden. Jede Woche gibt es für die Abonnent*­innen (ab 4,99 € im Monat) eine neue Episode. Auf Youtube gibt es ein Sneak Peak, in dem die ersten 18 Minuten der Premierenfolge zu sehen sind. Insgesamt zeigt RTL+ neun Folgen plus eine später aufgenommene Wiedersehensfolge. Darin wird der Prince verraten, ob er immer noch mit dem von ihm ausgewählten Mann zusammen ist. Mehr in einem Interview mit Fabian Fuchs.
-w-

#1 KopfschüttelAnonym
  • 24.11.2022, 11:46h
  • Und für wenn haben sich die anderen Kandidaten untereinander entschieden, wo doch statistisch gesehen niemand leer ausgehen und 10 Paare rauskommen sollten?
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#2 DanbaAnonym
  • 24.11.2022, 12:49h
  • Die gesamte Staffel war eine Qual, dabei fand ich die bisherigen großartig. Hauptproblem war Fabian selbst, der einfach keine Lust auf eine Beziehung hatte und nur ins TV Geschäft wollte - das hat er ja immer wieder sehr deutlich gemacht. Da war es auch kein Wunder, dass er den nimmt, der ebenfalls kein Bock auf was ernstes hat, sondern sich einfach nur im TV zeigen will.

    Aber auch der Cast war... irgendwie nicht gut gewählt. Tolle Einzelkandidaten, von denen aber die Vielfalt in den ersten 3 Folgen aussortiert wurde. "Ok, ist halt sein Typ" kann man sagen, aber so ist halt keine Stimmung im Haus aufgekommen. Alle sehr verbissen, kaum Spaß gehabt, dabei war die Dynamik unter den Kandidaten bislang das wichtigste für die Sendung. Das hat die zweite Staffel nach der Hälfte überhauot guckbar gemacht.

    Hoffe sehr, dass Staffel 5 wieder besser wird. Aber hey, jede Show hat ihre schlechten Staffeln.
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#3 FipsAmalfAnonym
  • 25.11.2022, 08:15h
  • Ich habe irgendwie noch bei keiner Staffel irgendetwas "gefühlt". Außer vielleicht als Lauritz beim Wiedersehen der Staffel 2 geweint hat.
    Ansonsten ist mir das alles zu aufgeblasen, gekünstelt und gewollt.
    Mit den meisten Typen kann ich mich nicht identifizieren, ich kann auch nicht nachvollziehen, wie man so schnell von Verliebtheit oder Gefühlen sprechen kann (v.a. gegenüber mehreren Typen).

    Ich finde es wäre langsam mal an der Zeit für ein Gay-Format ohne Prinzen, wo sich untereinander ganz andere Dynamiken ausbilden können.
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