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Lesbische Show

Noch ein sexueller Übergriff bei "Princess Charming": "Wie viele 'Neins' braucht es?"

Die Produktionsfirma hinter "Princess Charming" verweigert Presseauskünfte und handelt sich neue Kritik ein. Zu dem sexuellen Übergriff am Set der ersten Staffel ist nun ein neuer Vorwurf hinzugekommen.


Irina ist als "Princess" das Gesicht der ersten Staffel "Princess Charming". Doch in der Show kam es zu sexueller Gewalt (Bild: TVNOW / René Lohse)

Mit der Schilderung eines sexuellen Übergriffs während der Dreharbeiten lenkte die ehemalige Teilnehmerin Jo vergangene Woche den Blick auf die lesbische Realityshow "Princess Charming". Die Mitbewerberin Wiki, der der Vorwurf galt, hat die Tat öffentlich eingeräumt (queer.de berichtete). Doch damit hat sich die Aufregung rund um die Sendung keineswegs gelegt.

Gegen die Produktionsfirma Seapoint werden Vorwürfe erhoben, das Thema durch ihr Schweigen zu deckeln. Am Donnerstag wurde dann bekannt, dass es einen weiteren sexuellen Übergriff am Set gegeben haben soll.

"Als Objekt benutzt"

Den Vorwurf erhob die ehemalige Teilnehmerin Sarina, wie Jo und Wiki ebenfalls Teil der ersten Staffel von "Princess Charming". Und wie schon zuvor Jo suchte Sarina für ihre Erfahrungen bei der Sendung via Instagram die Öffentlichkeit. Schriftlich beschreibt sie dort, wie eine namentlich nicht genannte Mitbewerberin sie im Schlafsaal, in dem die Teilnehmer*innen in Doppelbetten übernachten, zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben soll.

Demnach habe die Täterin mit einer metapherhaften Formulierung zunächst bei ihr nach Sex angefragt, was Sarina mit einem "Nein" quittiert habe. Doch statt das zu akzeptieren, soll die Frau Sarina weiter bedrängt haben – sowohl verbal als auch körperlich. Die Hand, die sie der Betroffenen unter das Shirt zu schieben versucht haben soll, habe Sarina noch beiseite geschoben. Daraufhin sei das selbe mit der Hose versucht worden. Auch das will die Betroffene verbal explizit verneint und darauf hingewiesen haben, dass sie schlafen wolle.

Als die Täterin sich dann weggedreht und nach Kuscheln angefragt habe, habe Sarina sich in Sicherheit gewogen, wie sie auf Instagram weiter beschrieb. Doch stattdessen soll es dann offenbar noch viel schlimmer geworden sein: "Dann nahmst du meine Hand. Du nahmst meine Hand und du hast meine Hand als Toy benutzt. Als Objekt."

Die Täterin habe die Hand dann an ihre Vulva geführt – und sie schließlich auch eingeführt. Sarina sei "geschockt" gewesen, wie sie schreibt, und: "Ich dachte doch, es sei vorbei gewesen." Sie habe aufgegeben und gedacht, dass es besser so sei, als wenn die Täterin umgekehrt sie berühre. So sei es "gleich wenigstens vorbei" gewesen.

Die Täterin sei irgendwann, so die Schilderungen weiter, "aufgesprungen" und ins Bad gelaufen. Bei ihrer Rückkehr habe Sarina sich schlafend gestellt. Ihre Vorwürfe an die Frau formuliert die Betroffene weiter aus: "Wie viele Neins braucht es, dass du aufhörst? Du hast meine Hand benutzt. Du hast mich benutzt. Als Utensil. Für dein Vergnügen."

Will Produktionsfirma Thema deckeln?

Doch die Vorwürfe und Schilderungen rund um die erste "Princess Charming"-Staffel richten sich nicht nur gegen Teilnehmer*innen, sondern inzwischen auch vermehrt gegen das Produktionsteam. So beklagt Jo, die das Thema mit ihrem Videostatement vergangene Woche Montag erstmals richtig aufgebracht hatte, dass sich die Macher*innen von Seapoint nicht gegenüber Medien äußerten.

"Ich spreche gerade des Öfteren mit Zeitungen, damit mein und unser Anliegen noch größer wird" heißt es in einem Videostatement von Donnerstag. Dadurch habe sie jedoch erfahren, dass RTL und Seapoint "zu keinen Aussagen bereit gewesen" seien. In dem entsprechenden Fall sei ein Artikel zur Verantwortung der Produzent*innen am Set vonseiten der Journalist*innen bei "so einem sensiblen Thema" als ein "No Go" eingestuft worden. Er hätte dann nämlich nur Jos "einseitige Perspektive" enthalten, nicht aber die der Produzent*innen. Darum sei er schließlich nicht erschienen. Um welche Zeitung es sich dabei gehandelt haben soll, nannte die Teilnehmerin nicht.

Im Ergebnis bedeute dies, beklagt Jo, dass ihre Stimme "von Dritten abhängt", und zwar "genau von denen, die ich öffentlich anzuklagen ersuche". Die Produktionsfirma finde dadurch, dass sie Rufe nach Verantwortung und nach Antworten ignoriere, Wege, "meine Wahrheit leiser zu stellen".

Hintergrund ist, dass Jo bereits in der vergangenen Woche auch den Umgang von Seapoint mit dem Übergriff gegen sich kritisiert hatte. Ein Vorwurf hatte etwa auch gelautet, dass Seapoint seine Verträge mit Teilnehmer*innen mit einer Verschwiegenheitsklausel ausstatte, die es Jo erschwert habe, öffentlich über den Übergriff zu reden.

Dabei hatten sich die Produzent*innen auf ihrem Instagram-Kanal "charmings.official", dessen Impressumsangabe wiederum auf RTL verweist, durchaus geäußert. Am vergangenen Freitag teilten sie in einem kurzen Statement mit, dass ihnen Details und Ausmaß des von der Teilnehmerin beschriebenen Vorfalls "so nicht bekannt" gewesen seien. Ansonsten hätte man "vor Ort selbstverständlich sofort reagiert".

Aber wie hätte Seapoint dann mitten in den laufenden Dreharbeiten reagiert? Zumindest wegen des auch immer wieder in Kritik stehenden Umgangs der Macher*innen mit anderen Grenzverletzungen aus beiden Staffeln besteht an einem verantwortungsvollen Handling berechtigter Zweifel. Die wurden nämlich teilweise sogar ausgestrahlt und in die Dramaturgie eingebaut. Darunter befinden sich zum Beispiel auch aufgezwungene Küsse.

"Körperlichkeit" brauche "unbedingt Konsens", hieß es dann noch, kaum kontrovers, im Seapoint-Statement. Zudem habe "das Wohlergehen unserer Singles" bei der Sendung "für uns jederzeit höchste Priorität". Doch mit dem inzwischen neu aufgekommenen Vorwurf eines sexuellen Übergriffs, der wie der von der Teilnehmerin Wiki verübte durch die Schlafsituation am Set erleichtert worden sein dürfte, scheinen auch an dieser Behauptung durchaus kritische Fragen angemessen.

Von Jos Wunsch, über den Vorfall zu reden, habe man, darüber hinaus, "ebenfalls erst jetzt erfahren". Kurzfassung: Seapoint will nichts falsch gemacht und von nichts gewusst haben. Doch wenn das so ist, wieso beantworten die Produzent*innen dann keine Presseanfragen? Tatsächlich blieb auch eine queer.de-Anfrage von vergangenem Freitag bisher unbeantwortet.

Die Äußerung von Seapoint brachte nicht nur viele Nutzer*innen gegen die Verantwortlichen auf, sondern auch die Betroffene Jo. Sie sei "von eurem implizierten Vorwurf, eurer toxischen Verharmlosung und nicht zuletzt euren Lügen abgrundtief geschockt", erwiderte sie auf die Behauptungen, die die Produzent*innen in ein für sie günstiges Licht rückten.

"Dieses Statement ist eine Schande und ein Schlag ins Gesicht jeder betroffenen Person" kommentierte ein anderer Nutzer denn auch. Jedem sei zudem bekannt, dass am Set "24/7 mitgeschnitten wird". Zudem sollte auch "der eigene Anspruch anders angelegt" sein. Seapoint verstecke sich in einem Moment, in dem reflektiert und aufgearbeitet werden sollte, hinter dem Statement.

"Übernehmt Verantwortung!" ruft er den Macher*innen dann auch zu. Doch das einzige, was auf dem Kanal seitdem veröffentlicht wurde, war Promo für die laufende "Prince Charming"-Staffel.

11 Kommentare

#1 30167Anonym
  • 26.11.2022, 08:25h
  • Finde nur ich es seltsam, das es zu diesem Thema hier bisher keinen einzigen Kommentar gibt? Alles und jedes wird hier in den Foren kommentiert, sexuelle Gewalt plötzlich nicht mehr? Kein weiteres Interesse bei schwulen, lesbischen und Trans Menschen? Oder alle Kommentare sooo heftig, das diese garnicht erst veröffentlicht wurden? Fast nicht vorstellbar. Bei manchen Themen ist ja nicht nur der Inhalt interessant, sondern auch die Frage, warum so ausdauernde geschwiegen wird.
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#2 HexeAnonym
  • 26.11.2022, 08:57h
  • Antwort auf #1 von 30167
  • Hast du Recht. Sexuelle Gewalt wird hier oft runter gespielt in den Kommentaren.
    Schätze wer sich dagegen einsetzen will und es tut hat schlicht kein Bock mehr was zu sagen. Hier wurde auch schon Pädophilie relativiert. Also noch ganz die 80er.
    Aber selbst wenn man Bock hätte sich mit repressiven Idioten anzulegen, was soll man sagen?
    Das übliche, man sei "Schockiert!"?
    Bin ich nicht. Homos und co. sind weder besser noch schlechter als andere Menschen.
    Wenn man jetzt was sagen würde kommt sowieso die Mackercrowd mit dem "Unschuldsvermutung" Todachlagargument.
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#3 WieImmerAnonym
  • 26.11.2022, 09:06h
  • Antwort auf #1 von 30167
  • "Die Betroffene war doch Alt genug, sie wusste worauf sie sich einlässt, sie wollte es nicht anders, alles ist gescripted und hier will sich jemand nur rächen, alles für die quote und alle homophob!"

    Du weisst doch was für Antworten da kommen, bei sexuelle Übergriffigkeit innerhalb der queeren szene ist immer das opfer schuld !
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#4 MandalorianAnonym
  • 26.11.2022, 11:03h
  • Gab es eigentlich bei der schwulen Version Grenzüberschreitungen oder Übergriffe? Mich verwundert, dass es ausgerechnet bei der lesbischen Version zur wiederholten Übergriffigkeit kommt, wo man doch sonst weiße maskuline cis-Männer mit solchen Verhalten in Verbindung bringt
    Scheinbar setzt bei einigen das Hirn aus unter solchen Umständen. Obwohl denen bewusst sein muss, dass da überall Kameras sind
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#5 ReallyAnonym
#6 VorverurteiltAnonym
#7 WeirdAnonym
#8 SeraphinaAnonym
  • 26.11.2022, 13:42h
  • Antwort auf #4 von Mandalorian
  • Wundert mich nicht wirklich gerade, vor allem wenn man TERF Lesben sieht, die Mantraartig vorhalten "Vergewaltigung" bzw. sexuelle Gewalt kann nur durch Menschen mit Penis geschehen und wehe du diskutierst dagegen an als trans Frau, trans Mann oder Nicht-Binäre Person, dann sind auch in sogenannten FLINTA* Spaces, die in der Theorie angeblich das inklusive Gegenstück zu offenen TERF Frauen-Lesben Spaces sein sollen schnell die Furien am Start.

    Es gibt zwar in Teilen dieser Spaces mehr feministisches Bewusstsein für dieses Thema als in der schwulen Community, aber die sexuellen Übergriffe sind wie gesagt nicht überraschend.
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#9 PiakAnonym
  • 26.11.2022, 23:20h
  • Typisch ist die Berichterstattung auf Spiegel. Berichtet wird über die Übergriffsvorwürfe unter "Prince Charming" mit einem Bild des aktuellen Prinzen. Keine weiteren Fragen, euer Ehren.
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#10 UffaAnonym
  • 26.11.2022, 23:22h
  • Diese Vorwürfe sind justiziabel und erfüllen den Straftatbestand. RTL wird diese Vorwürfe, schon aus Eigeninteresse aufklären wollen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.
    Da alles gefilmt wurde, sind die Vorwürfe also entweder nachweisbar oder widerlegbar.
    In jedem Fall sind in erster Linie die Kandidat_innen zu schützen, sowohl vor sexueller Gewalt als auch vor Verleumdung und übler Nachrede.
    The court of public opinion doesn't count.
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