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Streamingtipp

Aufgeklärt-feministische Gags vs. zweideutige Schlüpfrigkeiten

Serienfans, die ein wenig Ahnung haben vom Sitcom-Genre, der heutigen Streaming-Landschaft und allgemein Popkultur, werden bei der wunderbar queeren Disney-Serie "Reboot" viel Spaß haben.


In "Reboot" geht es um die Neuauflage der fiktiven Familien-Sitcom "Step Right Up" aus den 2000er Jahren (Bild: Hulu)

Anfang der 2000er Jahre war "Step Right Up" eine kleine Weile lang ein echter Hit im US-Fernsehen; eine klassische Familien-Sitcom, zwischen Wohnzimmer und Küchentisch spielend, rund um eine Stiefvater-Mutter-Sohn-Konstellation, in der immer auch noch irgendwie Platz sein musste für den chaotischen Ex-Mann und leiblichen Papa. Als Serien-Konzept klingt das so vertraut, dass man fast glaubt, eine Titelmelodie dazu im Ohr zu haben. Oder mindestens die permanent eingeblendeten Studiolacher. Doch natürlich hat es "Step Right Up" gar nicht gegeben: Die Sitcom ist nun lediglich die Basis einer brandneuen, ganz realen Comedy-Serie namens "Reboot", die aktuell bei Disney+ zu sehen ist.

Weil im Jahr 2022 alle Verantwortlichen in Hollywood nur noch auf Nostalgie und Wiedererkennungswert zu setzen scheinen, schlägt die junge Drehbuchautorin Hannah (Rachel Bloom, "Crazy Ex-Girlfriend") eine Neuauflage, also ein Reboot, der Sitcom vor. Ihr schwebt ein moderner, aufgeklärter und möglichst unkonventioneller Blick auf die Figuren von damals vor. Beim Streamingdienst Hulu ist man von der Idee schnell angetan, und auch die Schauspieler*innen lassen sich von Hannahs Ideen überzeugen. Was vermutlich kein Wunder ist, schließlich konnte keine*r von ihnen je an den Erfolg von "Step Right Up" anknüpfen.

Bei den Dreharbeiten geht es drunter und drüber

Reed (Keegan-Michael Key), der immer schon stolz war auf sein Yale-Studium, wurde weder beim Film noch am Broadway zum Star und hofft jetzt darauf, der Stiefvater-Rolle neue, komplexere Seiten abgewinnen zu dürfen. Bree (Judy Greer) ist nach langer Auszeit und einer Ehe mit dem Herzog eines nordeuropäischen Landes vor allem froh, überhaupt mal wieder vor der Kamera zu stehen. Clay (Johnny Knoxville) als Ex und leiblicher Vater hatte zuletzt ohnehin nur noch mit Drogen, Alkohol und Gerichtsverfahren zu tun. Und Zack (Calum Worthy), damals der Kinderstar und anschließend noch eine Weile in drittklassigen Teenie-Komödien zu sehen, hat zwar am Set nach wie vor seine überbehütende Mutter dabei, bräuchte aber längst mal Erwachsenen-Rollen.

Doch kaum sollen die Dreharbeiten beginnen, läuft dann doch nicht alles so rund wie gehofft: die Produzent*innen bestehen darauf, dass die wichtigste neu kreierte Rolle ausgerechnet von einem Reality-TV-Sternchen (Alyah Chanelle Scott) gespielt wird, und statt dass Hannah alleinige kreative Verantwortung bekommt, stellt man ihr Gordon (Paul Reiser) an die Seite, der schon vor 20 Jahren der Showrunner war.

Viel rausgeholt aus dem Comedy-Generationskonflikt

Steven Levitan, der sich "Reboot" ausgedacht hat, kennt sich aus mit Sitcoms sowohl der alten Schule als auch der neuen Generation, schließlich war er früher bereits Autor bei "Frasier" und zuletzt einer der Schöpfer des Mega-Erfolgs "Modern Family". Aus dem Comedy-Generationskonflikt holt er nun entsprechend viel heraus. Die Diskussionen im Writers Room etwa sind herrlich, weil sich Hannah und ihr dezidiert diverses Team, dem es um aufgeklärt-feministische Gags und den Bruch mit Traditionen geht, und Gordon und seine Leute, die noch immer zweideutige Schlüpfrigkeiten und Türschwellen-Stolperer am witzigsten finden, recht unversöhnlich gegenüberstehen.

Je besser tiefer man drin ist in der Materie und ein wenig Ahnung hat vom Sitcom-Genre, der heutigen Streaming-Landschaft und allgemein Popkultur, desto mehr Spaß macht "Reboot". Hulu etwa, wo auch die reale Serie in den USA zu sehen ist, bekommt regelmäßig selbstironisch ihr Fett weg, und dass jede Episode den Titel einer echten Sitcom trägt (von "New Girl" bis "Who's the Boss?") ist nur einer von vielen Meta- und Insider-Scherzen.

Auch in Sachen Queerness wird einiges geboten


Hannah ist offen lesbisch (Bild: Hulu)

Das gesamte Ensemble – in den meisten Fällen ebenfalls Humor-erprobt – ist blendend aufgelegt, und erfreulicherweise wird auch in Sachen Queerness einiges geboten. Hannah ist lesbisch, der junge Drehbuchautor Benny (Dan Leahy) schwul, und die beiden sind noch längst nicht die einzigen, die, wie sich im Verlauf der Serie herausstellt, nicht in strikte Hetero-Schemata passen.

Dürften die Gags hier und da noch ein wenig bissiger sein? Keine Frage. Aber nach acht Episoden ist man trotzdem enttäuscht, dass die Staffel so schnell rum ist und hofft auf eine zweite. Und sollte es die nicht geben, versucht sich vielleicht in ein paar Jahren wenigstens jemand an einem Reboot.

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