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Bayern
Stichwahl: Bekommt Zwiesel eine trans Bürgermeisterin?
Bei der OB-Wahl in Zwiesel erzielte die parteilose Entertainerin Gloria Gray am Sonntag mit 31,56 Prozent die meisten Stimmen. Am 11. Dezember tritt sie erneut in einer Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten an.
- 29. November 2022, 03:10h 3 Min.
Die trans Künstlerin Gloria Gray hat gute Chancen, Oberbürgermeisterin von Zwiesel zu werden. Im ersten Wahlgang am Sonntag landete die parteilose 56-Jährige mit 31,56 Prozent der abgegebenen Stimmen auf Platz eins. Nun kommt es am 11. Dezember zu einer Stichwahl zwischen Gray und dem SPD-Kandidaten Karl-Heinz Eppinger (SPD), der mit 26,88 Prozent die zweitmeisten Stimmen holte.
Deutlich dahinter lagen Harald Haase (CSU, 19,42 Prozent), Jens Schlüter (Grüne, 14,07 Prozent) und Thomas Kagerbauer (PWG, 8,07 Prozent). Der bisherige parteilose Bürgermeister Franz Xaver Steininger wurde vor rund anderthalb Jahren vorläufig suspendiert und muss sich im kommenden Jahr wegen des Verdachts auf Bankrott und Vorteilsannahme vor Gericht verantworten.
Seit 2020 Mitglied des Kreistags von Regen
Bereits 2016 hatte Gray als unabhängige Kandidatin bei der OB-Wahl in Zwiesel kandidiert und mit 20,1 Prozent den dritten Platz und einen Achtungserfolg erzielt (queer.de berichtete). Vor zwei Jahren gelang ihr über die Wahlliste der FDP der Einzug in den Kreistag von Regen – und schrieb damit als Deutschlands erste trans Kreisrätin Geschichte (queer.de berichtete).
Die 56-Jährige, die sich mit Mitte zwanzig geschlechtsanpassenden Operationen unterzog, absolvierte eine Schauspielausbildung an der Deutschen Schauspielakademie in München und arbeitet seitdem als Sängerin, Showmasterin, Fotomodell und Entertainerin. Im Jahr 2010 kehrte Gray in ihren Heimatort Zwiesel zurück.
Gray: "Ich sehe mich nicht als Politikerin"
"Ich sehe mich nicht als Politikerin und das will ich auch nicht werden", sagte Gray vor der Wahl in einem Interview mit der Münchner "Abendzeitung". "Ich bin die Gloria und will das Gesicht und die Seele der Stadt Zwiesel als Bürgermeisterin werden."
Auf die Frage der Zeitung, ob Zwiesel bereit für eine trans Frau im Rathaus sei, meinte Gray: "Ich hoffe, dass die Bürgerinnen und Bürger mehrheitlich schon so weit sind, an mich und meine Talente zu glauben. Aber das Thema Transidentität ist abgehakt." Ihre Transition sei über 35 Jahre her. "Früher wurde es als etwas angeblich Verwerfliches und Abwertendes angesehen, heute ist man stolz, dass ich eine Zwieslerin bin. Es hat sich also genau ins Gegenteil gewandelt."
Erfolgreiche Krimiautorin
Im Jahr 2009 veröffentlichte Gloria Gray ihre Autobiografie "Mit allem, was ich bin: Mein Leben" (Amazon-Affiliate-Link ). Seit kurzem ist sie auch als Krimiautorin erfolgreich. Nach dem ersten Roman "Grüße aus Bad Seltsham", der im März erschien und verfilmt werden soll, erschien vor wenigen Wochen der zweite Bayern-Krimi "Zurück nach Übertreibling".
Für Empörung sorgte Gray Anfang des Monats, als sie in einem Interview in Bezug auf Transgeschlechtlichkeit – ebenso wie Terfs und rechte Queerfeind*innen – von einem "Trend" sprach, der sie "nervös" mache. "Es ist unfassbar, wie viele Menschen und Kinder und Jugendliche sich plötzlich so empfinden – das ist für mich persönlich gerade ein bissl unglaubwürdig. Und gefährlich!", erklärte sie gegenüber der "Mittelbayerischen Zeitung". Hormonbehandlungen für trans Jugendliche lehne sie ab: "Wir müssen genau hinschauen, ob es für Kinder in der Pubertät nicht ein Trend ist, um besonders zu sein und um Aufmerksamkeit zu bekommen." (mize)















