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Kampf gegen Selbstbestimmungsgesetz
Alice Schwarzer warnt vor Trans-"Welle"
Die Feministin bezeichnet bei "Maischberger" das Selbstbestimmungsgesetz als "hellen Wahnsinn", widersprach aber dem Vorwurf, transfeindlich zu sein.

Alice Schwarzer lächelte vergnügt, als sie von Moderatorin Sandra Maischberger auf den "Hass" angesprochen wurde, der ihr wegen ihrer transfeindlichen Haltung entgegenschlage (Bild: Screenshot / Das Erste)
- 30. November 2022, 11:02h 4 Min.
Alice Schwarzer hat sich in der ARD-Sendung "Maischberger" am Dienstagabend erneut gegen das Selbstbestimmungsgesetz ausgesprochen und vor einer Trans-"Welle" gewarnt. Sie selbst setze sich aber "für die Rechte von transsexuellen Menschen" ein, betonte die 79-jährige Feministin bei der Sendung aus Köln.
Die Ampel-Koalition will das Selbstbestimmungsgesetz kommendes Jahr beschließen (queer.de berichtete). Es soll das in großen Teilen verfassungswidrige Transsexuellengesetz aus dem Jahr 1981 ablösen.
Moderatorin Sandra Maischberger sprach Schwarzer am Ende ihrer Sendung auf das Thema an – genauer gesagt auf den "Hass", der der Feministin unter anderem wegen ihrer Kritik an ihrer Position zu trans Menschen entgegenschlage. "Du brauchst dir wirklich keine Sorgen zu machen. Der Hass hält sich sowas von in Grenzen", antwortete Schwarzer ihrer Duz-Freundin.
"Seit 1984 setze ich mich für die Rechte von transsexuellen Menschen ein", so Schwarzer weiter. "Für mich ist es selbstverständlich, dass Menschen, die ganz ernsthaft in einem tiefen Konflikt sind mit ihrem Körper und sagen 'Ich bin im falschen Körper' – das ist ja auch ein seelischer Konflikt – dass diese extreme Minderheit von Menschen die Möglichkeit hat, in Würde auch personenstandsrechtlich das Geschlecht zu wechseln." Seit einigen Jahren gebe es aber "im gesamten Westen" eine "Welle von zehntausenden Jugendlichen, vor allem Mädchen", die sagten, sie seien trans. "Sind sie trans?", fragte Schwarzer. Als Frau, die sich seit Jahrzehnten mit Fragen von Identität und Körper beschäftige, stelle sich der "Verdacht" ein, dass diese Mädchen "sich unwohl fühlen nicht im Körper, sondern in der Geschlechtsrolle".
"Das ist der helle Wahnsinn!"
Ferner erklärte die 79-Jährige, sie sei mit vielen Anhänger*innen dabei, das Selbstbestimmungsgesetz der "unglückseligen Regierung" zu verhindern. Der Grund: Mit dem Gesetz könnten schon 14-Jährige zum Standesamt gehen und sagen: "Und übrigens – heute bin ich ein Mann". "Nach einem Jahr soll man wieder wechseln können. Das ist der helle Wahnsinn!", so Schwarzer. Viele ihrer "transsexuellen Freunde und Freundinnen" seien auch schockiert über den Gesetzentwurf.
Maischberger erklärte dann, dass viele trans Menschen völlig anderer Meinung als Schwarzer seien – woraufhin die Feministin erwiderte: "Ich muss dich enttäuschen, die sind meistens knallend hetero – im besten Fall mal schwul." Warum sie die angebliche sexuelle Orientierung ihrer trans Kritiker*innen hervorhob, verriet Schwarzer aber nicht.
Schwarzer: LSVD-Aktivist*innen sind "Ideologen"
In dem Interview kanzelte Schwarzer Aktivist*innen des LSVD, der die Äußerungen Schwarzers scharf kritisiert hatte, als "Ideologen" ab. Sie dagegen sei nicht ideologisch, sondern interessiere sich für die "Realität der Menschen".
In dem Interview sorgte Schwarzer auch mit ihren Thesen zum Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine für Aufregung. Dieser sei auch ein "Stellvertreterkrieg zwischen Amerika und Russland", so die Feministin, die sich bereits seit längerem gegen Waffenlieferungen an die Ukraine ausspricht. ARD-Ukraine-Korrespondent Vassili Golod erklärte daraufhin: "Da sind wir im Bereich der Verschwörungsmythen angekommen." Würde die Ukraine jetzt aufgeben, "dann würde Russland noch mehr Territorium einnehmen und noch mehr Menschen terrorisieren".
/ VassiliGolodAlice Schwarzer ist mehr denn je gegen Waffenlieferungen an die Ukraine, spricht von einem Stellvertreterkrieg ein gefährliches & falsches Bild. Russland greift die Ukraine brutal an. Um Leben & Freiheit zu verteidigen, braucht die Ukraine Waffen. pic.twitter.com/dsv2IzQws3
Vassili Golod (@VassiliGolod) November 30, 2022
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/ EmmanzipationAlice Schwarzer ist keine Expertin. Weder zur Ukraine, noch zu trans* Themen.
Emma Kohler (@Emmanzipation) November 30, 2022
Dass sie bei #Maischberger einfach so Verschwörungstheorien verbreiten darf, ist keine ausgewogene Berichterstattung, sondern ein Armutszeugnis für die ARD.
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Schwarzer steht bereits seit längerem wegen ihrer Haltung gegenüber trans Menschen in der Kritik. Ihr Magazin "Emma" kämpft derzeit gegen das Selbstbestimmungsgesetz der Ampel-Regierung. LGBTI-Aktivist*innen zeigten sich insbesondere wegen der herablassenden Haltung gegenüber der trans Abgeordneten Tessa Ganserer schockiert. Der Befürworterin des Selbstbestimmungsgesetzes wurde in der "Emma" ihre Identität als Frau abgesprochen (queer.de berichtete). Sven Lehmann, der Queerbeauftragte der Bundesregierung, kritisierte Schwarzer wegen ihrer Äußerungen im März scharf: "Alice Schwarzer kann von außen nicht beurteilen, was trans Menschen bewegt, und sollte das auch nicht tun" (queer.de berichtete).
Schwarzers Positionen werden dagegen von vielen Konservativen und Rechtspopulist*innen geteilt. Die bayerische Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) warnte etwa vor einer "Trans-Mode" (queer.de berichtete). AfD-Vizefraktionschefin Beatrix von Storch kritisierte, dass das Selbstbestimmungsgesetz "biologische Realitäten der Ideologie einer kleinen, radikalen Minderheit opfert" (queer.de berichtete).
Das Erste strahlt am Mittwochabend zwischen 20.15 und 23.15 Uhr den (Zweiteiler "Alice" aus. Der Film mit Hauptdarstellerin Nina Gummich zeigt, wie die junge Alice Schwarzer ihren Weg zum Journalismus findet und politisch aktiv wird – insbesondere im Kampf gegen das Abtreibungsverbot im Paragrafen 218. Die beiden Teile sind bereits jetzt in der ARD-Mediathek verfügbar. (dk)
Links zum Thema:
» „Maischberger“ in der ARD-Mediathek anschauen














Danke ARD!/s