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Jetzt im Kino

Putzfrau verliebt sich in Friseuse

Im hochkarätig besetzten Episodenfilm "Die stillen Trabanten" spielen Nastassja Kinski und Martina Gedeck zwei wirtschaftlich schwache Frauen, die sich im nächtlichen Leipzig näher kommen.


Reinigungskraft Christa (Martina Gedeck) sucht nach Ende ihrer Schicht Trost an der Seite von Friseurin Birgitt (Nastassja Kinski) (Bild: Warner Bros. Pictures Germany)

Das Kino nimmt sich gern der ganz großen Dinge an. Die großen Emotionen, Intrigen, weltbewegende Ereignisse. Neben global agierenden Superagenten und ebensolchen Helden, die auch direkt auf kosmischer Skala agieren, gehen die kleinen und stillen Momente dieser Tage oft unter. In diesem Sinne ist Thomas Stubers "Die Stillen Trabanten" zu begrüßendes Kino des Kleinen, eine willkommene Abkehr vom Globalen.

Die Adaption des gleichnamigen Kurzgeschichtenbandes von Clemens Meyer erzählt drei verhaltene Liebesbegegnungen (von Beziehungen kann kaum die Rede sein) im nächtlichen Leipzig. Der Wachmann Erik (Charly Hübner) trifft bei seinen Runden durch Sozialbauprojekte auf die geflüchtete Marika (Irina Starschenbaum); der Imbissbetreiber Jens (Albrecht Schuch) bei der abendlichen Zigarette auf dem Balkon der Wohnanlage auf Nachbarin Aischa (Lilith Stangenberg); und Christa (Martina Gedeck), Reinigungskraft bei der Bahn, lernt am Tresen der Nachtkneipe die Friseurin Birgitt (Nastassja Kinski) kennen.

Unheimlicher Alltag


Poster zum Film: "Die stillen Trabanten" startet am 1. Dezember 2022 in den Kinos

Der Film beginnt gewissermaßen mit einer Prologsequenz. An einem heißen Sommertag mähen einige Forstarbeiter das Gras neben der Schnellstraße. Während einer Pause treffen sie an einer Tankstelle auf zwei Männer, die kein Deutsch sprechen, denen aber die Angst in die Gesichter geschrieben steht. Mit sehr ruhiger Kamera, gleitenden Schwenks, immer wieder weiten Einstellungen und ganz viel Schweigen – es wird kaum gesprochen in den ersten Momenten des Films – wird ein Gefühl der Bedrohlichkeit vermittelt. Jedoch eine paradoxe, weil gleichzeitig sanfte Bedrohlichkeit, die sich durch den Film zieht.

"Die Stillen Trabanten" fokussiert auf alltägliche Momente, in denen das Leben aus den Fugen gerät. Aber nur leicht, fast unmerklich. Nachdem Reinigungskraft Christa von ihren Vorgesetzten zurechtgewiesen wird, weil sie zwei Kirschkerne bei der Reinigung eines Bahnwaggons übersehen hat, ist sie wütend, über sich selbst, aber vor allem über die Kleinlichkeit ihres Arbeitgebers. Sie schiebt Frust bzw. versucht, diesen im Schnaps in der Kneipe am Bahnhof zu mildern. Es ist allerdings die Begegnung mit Friseurin Birgitt, die sie viel mehr ablenkt und ihr einen neuen Halt gibt.

Es sind gar keine kolossalen Ereignisse notwendig, um dem Leben der Figuren eine neue Richtung zu geben, es sind einfach die Begegnungen in einer von Einsamkeit geprägten Welt. In dieser Versuchsanordnung, in der es "Die Stillen Trabanten" durchaus gelingt, bewegende Filmmomente zu schaffen, die die Verhältnisse auf sanfte Weise hinterfragen, ohne dabei die eigenen Figuren auszubeuten oder vorzuführen. Dieser ausgesprochen liebevolle Umgang spricht für den Film, wenn auch die Umsetzung Schwächen hat.

Inszenierung zwischen Nähe und Distanz

Ein Phänomen des deutschen Kinos ist die erzwungene Hochsprachlichkeit. Alle Darsteller sprechen immer gleich, egal ob sie Hauptstadtpolitikerin sind, Angler am Bodensee oder eben im vorliegenden Fall: Reinigungskraft in Leipzig. Es wird die Künstlichkeit des Kunstwerks dadurch so stark offenbar, dass die Nähe zu Figuren und Handlung, die der Film durch Kamera, Ton, Kostüm, Szenenbild etc. eigentlich herstellt, direkt wieder zunichte gemacht.

Die Distanz zum Schauspiel wirkt nicht wie ein gewolltes Stilmittel. An mehreren Stellen irritiert der Film, weil die Figuren sich gerade erst wieder sehr fremd gemacht, sich von den Zuschauenden entfernt haben. Eine Bewegung, die der Film nicht nötig hätte, die eigentlich schadet. Es fällt daher schwer, das Schauspiel, das durchaus gut ist, aber auch als gelungen zu bezeichnen, da es zu oft auf der Leinwand bleibt. Der Sozialrealismus, der das alltägliche Leben ohne Kritik vor allem emotional einfangen will, bleibt etwas halbgar. "Die Stillen Trabanten" bietet ein angenehmes Maß an Tiefgang, und ist durchaus sehenswert, wenn auch nicht überschwänglich zu empfehlen.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film
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Infos zum Film

Die stillen Trabanten. Episodenfilm. Deutschland 2022. Regie Thomas Stuber. Cast: Martina Gedeck, Nastassja Kinski, Charly Hübner, Irina Starshenbaum, Peter Kurth, Albrecht Schuch, Lilith Stangenberg, Adel Bencherif, Andreas Döhler. Laufzeit: 120 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 12. Verleih: Warner Bros. Pictures Germany. Kinostart: 1. Dezember 2022
#1 SupergirlAnonym
#2 NevermindAnonym
  • 02.12.2022, 10:20h
  • Bin auch gespannt. Gestern gabs ein feature auf mdr-Kultur Radio über die Drehorte in Leipzig, das war schon super interessant. Und die tollen Schauspieler. Ich freu mich auf den Film. Danke für die Rezension.
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