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Reform angekündigt
USA wollen Diskriminierung Schwuler beim Blutspenden abschaffen
In Amerika werden – wie in Deutschland – schwule und bisexuelle Männer wegen ihrer sexuellen Orientierung beim Blutspenden anders behandelt als Heteros. Das soll sich nach dem Willen der verantwortlichen Behörde aber jetzt ändern.

Früher wurde schwules Spenderblut in den USA grundsätzlich nicht akzeptiert – jetzt arbeitet die verantwortliche Behörde daran, die letzten Diskriminierungen abzuschaffen (Bild: Garrett Albright / flickr)
- 1. Dezember 2022, 10:57h 3 Min.
Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA will künftig bei Blutspenden nicht mehr die sexuelle Orientierung der Spendewilligen, sondern das tatsächliche Risikoverhalten abfragen. Eine neue Studie habe dazu geführt, dass man "mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Änderung der Richtlinien zu individuellen risikobasierten Prüfung der Spender" übergehen wolle, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Die FDA werde weiterhin Daten sammeln, um einen "hohen Grad an Sicherheit der Blutpräparate" zu gewährleisten. Ein Arbeitspapier mit neuen Richtlinien werde in den nächsten Monaten veröffentlicht.
Die USA hatten bis 2015 schwulen und bisexuellen Männern grundsätzlich das Spenden von Blut untersagt. Danach erlaubten sie nur Männern, die mindestens ein Jahr lang keinen gleichgeschlechtlichen Sex gehabt haben, zu spenden. 2020 wurde die Sex-Karenzzeit auf drei Monate verkürzt (queer.de berichtete).
Die FDA machte keine weiteren Angaben, in welcher Form die Richtlinie geändert werden soll. Das "Wall Street Journal" berichtete jedoch, dass eine Quelle in der Behörde erklärt habe, dass schwule und bisexuelle Männer in monogamen Beziehungen künftig grundsätzlich Blut wie auch Heterosexuelle spenden dürften. Männer und Frauen, die in den letzten drei Monaten mindestens einen neuen Partner oder eine neue Partnerin gehabt hätten, würden gefragt, ob sie in diesem Zeitraum Analsex hatten. Diese Sexualpraxis wäre in diesem Fall sowohl bei Homo- als auch bei Heterosexuellen ein Ausschlusskriterium.
Erst im Frühjahr hatte der US-Nachbar Kanada seine Blutspenderegeln gelockert – und Homo- und Heterosexuelle gleichgestellt (queer.de berichtete). Dort wurde jedoch kritisiert, dass Analsex grundsätzlich als Risiko-Sex eingestuft wurde. Der queere Aktivist Christopher Karas erklärte etwa, dass bei treuen schwulen Ehemännern, die Anal-Sex hätten, kein HIV-Risiko bestehe.
Queere Organisation und Rotes Kreuz begrüßen Ankündigung
Die LGBTI-Organisation GLAAD begrüßte die Stellungnahme der FDA. Man werde sich weiter dafür einsetzen, dass alle diskriminierenden Richtlinien aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität abgeschafft werden. "LGBTQ-Aktivisten und medizinische Experten sagen seit Jahren: Verbote und Einschränkungen für schwule und bisexuelle Männer basieren auf Stigmatisierung, nicht auf Wissenschaft", so GLAAD-Chefin Sarah Kate Ellis.
Auch das amerikanische Rote Kreuz unterstützt die Änderung. Blutspenderichtlinien sollten nicht zwischen sexueller Orientierungen unterscheiden, teilte der Wohlfahrtsverband mit.
In Deutschland werden heterosexuelle und homosexuelle Spendewillige derzeit unterschiedlich behandelt. Seit einem Jahr gilt für schwule und bisexuelle Männer eine verkürzte Sex-Karenzzeit von vier Monaten, auf die bei einem seit längerem monogam lebenden Paar verzichtet wird (queer.de berichtete). Auch trans Personen werden in den aktualisierten Fragebögen weiter gesondert erwähnt. Die Ampelkoalition hat in ihrem Koalitionsvertrag versprochen, Diskriminierungen bei der Blutspende abzuschaffen (queer.de berichtete). LGBTI- und Aids-Aktivist*innen fordern bereits seit Jahren, bei Blutspendewilligen das tatsächliche Risikoverhalten zu bewerten und nicht die sexuelle Orientierung.
Die Krankenkasse IKK Classic teilte im Sommer mit, dass ein Ende der Diskriminierung Schwuler den Mangel an Spenderblut in Deutschland beenden könnte (queer.de berichtete). Dennoch spricht sich laut einer Umfrage eine knappe Mehrheit der Deutschen dafür aus, an den diskriminierenden Regeln festzuhalten (queer.de berichtete). (dk)















Nach Versprechungen von FDP und Grünen vor der Wahl hat man nichts mehr von diesem Thema gehört.