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Architekturgeschichte

Erster biografischer Sammelband über schwule Architekten

Das Buch "Schwule Architekten – Gay Architects" enthält 41 Biografien vom Barockzeitalter bis zum Ende des 20. Jahrhunderts – und beginnt damit, einen gewichtigen Teil der LGBTI-Kulturgeschichte sichtbar zu machen.


Herbert Taylers Entwurf für einen "Club Room of a Small Sports Club" entstand in den 1930er Jahren. Bemerkenswert ist die Darstellung bärtiger, nackter Männer mit roten Socken auf dem geplanten Wandgemälde (Bild: Tayler and Green. Architects 1938-1973)
  • Von Martin Pozsgai
    3. Dezember 2022, 05:38h, noch kein Kommentar

Endlich ist es da, das viel zu lange vermisste und wirklich überfällige Buch über schwule Architekten! Uwe Bresan und Wolfgang Voigt, beide ausgewiesene Architekturhistoriker, die über viele Jahren auf der Suche nach Spuren zum Leben und Werk homosexueller Architekten waren, legen mit "Schwule Architekten – Gay Architects" (Amazon-Affiliate-Link ) 41 Porträts vom Barockzeitalter bis zum Ende des 20. Jahrhunderts insbesondere aus Nordamerika und Europa vor. Beginnend im 18. Jahrhundert in Hamburg mit Ernst Georg Sonnin, auf den der "Michel", das Wahrzeichen der Hansestadt, zurückgeht, über die klassizistische Stilepoche mit den beiden kaiserlichen Architekten Napoleons, Percier und Fontaine, durch den Historismus hindurch, schreiten die Autoren rasch zu den Biografien aus dem 20. Jahrhundert.

Unter diesen finden sich so berühmte Namen wie Helmut Hentrich und Friedrich Wilhelm Kraemer für Deutschland oder Paul Rudolph und Charles Moore für die Vereinigten Staaten. Als besonderes Schmankerl ist als letztes Porträt das des 1992 zu früh an Aids gestorbenen Architekten Horace Gifford enthalten, der wie sein Kollege Andrew Geller in den 1960er und 1970er Jahren zahlreiche Ferienhäuser für schwule Auftraggeber auf Fire Island bei New York, dem sommerlichen Hot Spot der amerikanischen Gay Community, errichtet hat. Einzelne Biografien des Buches wurden auch von anderen Autoren beigesteuert. So schrieb etwa der österreichische Fachkollege Richard Kurdiovsky das Porträt der beiden Architekten der Wiener Karlsoper aus dem 19. Jahrhundert, Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg.


Vom schwulen Architekten Andrew Geller entworfen: das Frank House auf Fire Island, Drehort des schwulen Pornos "Boys in the Sand"

Aufgrund der strafrechtlichen und/oder gesellschaftlichen Ächtung ihrer Sexualität waren schwule Architekten oft gezwungen, ihr Privatleben total abzuschirmen oder auf ein eigenes Sexualleben vollkommen zu verzichten. Bresan und Voigt geht es daher nicht darum, einen spezifisch schwulen Entwurfsstil nachzuweisen, vielmehr interessieren sie sich für die besonderen Umstände, unter denen homosexuelle Architekt*innen in der Geschichte ihren Beruf ausüben konnten. Denn natürlich beeinflusste das dem Selbstschutz geschuldete Sozialverhalten – in welcher Weise auch immer – die Beziehungen zu Auftraggeber*innen, Kolleg*innen und Behörden und wirkte sich damit letztlich auch auf die Genese von Bauten und Projekten aus. In diesem Zusammenhang wird es künftig notwendig sein, einzelne oder alle von diesen Architekt*innen ausgeführten Gebäude und Entwürfe unter einer biografischen Perspektive, die die sexuelle Identität umfasst, neu zu interpretieren.

Fragmentarische Quellenlage

Wer sich erhofft, einen vor Quellennachweisen strotzenden Anmerkungsapparat mit Belegen für die Homosexualität der Protagonisten vorzufinden, der wird enttäuscht. Um einer drohenden Ächtung und Strafverfolgung zu entgehen, wurde kaum etwas niedergeschrieben, was als "Beweis" gelten konnte, wurden persönliche Dokumente zur Homosexualität nicht aufbewahrt. Die Notwendigkeit des Versteckens brachte es mit sich, dass eine systematische Überlieferung schriftlicher und bildlicher Zeugnisse nicht erhalten ist, nur Fragmente davon.

Bresan und Voigt weisen an verschiedenen Stellen des Buchs auf diese Problematik hin. Sie haben daher für ihre Biografien einerseits bereits vorhandene Quellen queer gelesen, aber auch aus Indizienketten Schlüsse gezogen, ohne sie durch Belege unterfüttern zu können. Andererseits gelangen ihnen bei ihrer Spurensuche auch überraschende Entdeckungen. Diesem Umstand ist es geschuldet, dass auch das Porträt einer lesbischen Architektin, Emilie Winkelmann, sowie das der trans Architektin Hildegard Schirmacher in den Band aufgenommen wurden.

Eine Annonce als mutiges Zeugnis

Eine solche Entdeckung war die Anzeige von Hildegard Schirmacher in der "Nassauischen Neuen Presse" vom 14. Mai 1997. Unter einem männlichen Namen hatte sie die längste Zeit ihres Lebens verbracht. Als engagierter Architekt, Denkmalpfleger und Fachautor war sie bekannt und genoss hohes Ansehen, so dass es für viele eine Überraschung war, dass sie sich noch im Alter von 70 Jahren als trans Frau outete. 1991 erst hatte die Architektin aus dem Fernsehen von der inzwischen eingeführten Möglichkeit der Geschlechtsangleichung durch Hormone und Operation erfahren.


Zeitungsanzeige der trans Architektin Hildegard Schirmacher in der "Nassauischen Neuen Presse" vom 14. Mai 1997

Weil im provinziellen Limburg an der Lahn die während der Phase der Transition schützende Anonymität der Großstadt fehlte, entschied sie sich mit sicherem Instinkt zum Paukenschlag. Von einem auf den anderen Tag wechselte sie die Garderobe und übernahm die Rolle der vornehmen Dame. In der Anzeige der Lokalzeitung machte sie bekannt: "Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt als Frau. Für Verstehen und entsprechende Anrede danke ich."

Auch materielle Objekte interpretieren

Auch materielle Objekte können queer gelesen werden. So weist Uwe Bresan im Artikel über William Alexander Levy darauf hin, dass auf einer zunächst unscheinbaren Fotoaufnahme der Wohnhalle des spektakulären, 1938 fertiggestellten Hangover Hauses in Laguna Beach, das Levy für ein befreundetes Männerpaar und sich entworfen hatte, auf dem Regal zwei Porzellanfiguren stehen. Bei diesen Figuren handelt sich um ein Paar stattlicher Matrosen. Matrosen sind ein beliebtes homoerotisches Sujet – und dies nicht erst seit den attraktiven Matrosendarstellungen eines Tom of Finland.

Als Hinweis auf eine homosexuelle Orientierung ist auch die Skulptur eines "Betenden Knaben" zu interpretieren, die im Garten des im Buch biografisch nicht erfassten Rudolf Lodders stand (freundlicher Hinweis von Alexander Hoff). Direkt neben dem Liegestuhl auf der Terrasse des Wohnhauses, das der Architekt in Hamburg-Blankenese für sich gebaut hat, steht dieses Kunstwerk auf einem Podest. Das berühmte antike Vorbild der Statue hatte schon Prinz Eugen von Savoyen, der zeitlebens ledige und höchstwahrscheinlich homosexuelle Türkensieger, in seinem Besitz. Aus dessen Nachlass erwarb es schließlich Friedrich der Große von Preußen, dem ebenfalls homosexuelle Neigungen nachgesagt werden, der es auf der Gartenterrasse von Schloss Sanssouci aufstellte, wo die Plastik bis heute steht. Lodders wird im Buch "Schwule Architekten" nur am Rande, innerhalb der Biografie von Wolfgang Voigt über den Altonaer Bausenator Gustav Oelsner, erwähnt, da er unter dessen Leitung in den 1920er Jahren im Hochbauamt gearbeitet hatte. Voigt bezeichnet ihn aber aufgrund einer Zeitzeugenaussage bereits als "ebenfalls homosexuell".


Die Skulptur des betenden Knaben im Garten des Architekten Rudolf Lodders in Hamburg-Blankenese

Auf Entwürfe von Rudolf Lodders geht auch das 1951 errichtete Haus am Feenteich in Hamburg-Uhlenhorst zurück, das der Publizist und Schriftsteller Eduard Rhein in Auftrag gab. Rhein war seit 1946 Gründungs-Chefredakteur der Zeitschrift "Hörzu", und er war homosexuell. Bei Lodders deutet sich damit im Ansatz eines jener Netzwerke an, deren Studium Bresan und Voigt immer wieder als künftige Forschungsaufgabe ansprechen: Welche stabilen Netzwerke existierten unter schwulen Berufskollegen oder innerhalb bestimmter Auftraggeber-Kreise? Und wie sehr schützten diese, wenn die sexuelle Orientierung öffentlich wurde und die berufliche Position in Gefahr war?

Bauten für schwule Auftraggeber

Unter den Bauten von schwulen Architekten sind diejenigen für schwule Bauherren ein besonders spannender Bereich (auch wenn deren Homosexualität selbst nicht immer öffentlich bekannt war), denn hier konnten Entwürfe ohne Rücksicht auf heteronormative Vorgaben entwickelt werden. Das Buch erwähnt einige von ihnen, geht aber nicht auf ein höchst aufschlussreiches Beispiel ein: das Haus, das Paul Rudolph 1966 für den Anwalt Alexander Hirsch und dessen Partner Lewis Turner geschaffen hat. Das Raumgefüge des Bauwerks an der Upper East Side in New York City ist ganz ungewöhnlich: ein dreigeschossiger, völlig offener Raum, um den spiralförmig Balkone, offene Treppen und Plattformen angeordnet sind. Diese sind wegen der fehlenden Balustraden und Geländer nicht familientauglich, auch Kinderzimmer gibt es keine. Durch die aufgehobenen Raumgrenzen und die Weite der Raumbereiche wird der Eindruck von Großzügigkeit erzielt. Viel eher wirkt dieses Haus daher wie ein privater Club mit einem extravaganten Partyraum, der auf Gäste und Gesellschaften und Entertainment ausgelegt ist.


Das Party-Haus von Roy Halston – ursprünglich vom schwulen Architekten Paul Rudolph für ein schwules Paar gebaut

Die Architektur ist also so gestaltet, dass eine nach innen orientierte, abgeschlossene eigene Welt entsteht, in der man sich frei entfalten konnte. Es ist insofern kein Wunder, dass dieses Haus 1974 vom glamourösen, schwulen Modedesigner Roy Halston Frowick, den kürzlich eine Netflix-Serie gewürdigt hat, gekauft wurde. Seitdem avancierte es zum berüchtigten Partytreffpunkt für Halston und seine prominenten Freunde wie Andy Warhol oder Liza Minnelli, die sogar zeitweise im obersten Geschoss, das von Anfang an als separates Appartement genutzt werden konnte, gewohnt hat.

Eigene Refugien

Bei seinem eigenen New Yorker Penthouse-Apartment, das sich Paul Rudolph ab 1977 errichtete und das Bresan im Buch vorstellt, ging der Architekt mit der "Entgrenzung" der Innenräume noch einen Schritt weiter. Die Sinne des Besuchenden werden hier durch gläserne Wände und Böden, verspiegelte Oberflächen und semitransparente Raumabschlüsse verwirrt. Selbst Stühle und Tische bestehen aus Plexiglas. Dazu kommt ein irritierendes räumliches Zusammenspiel von insgesamt 17 horizontalen Ebenen. Deren innerer Zusammenhang lässt sich auch nach einem intensiven Studium der Grundrisse nur schwer nachvollziehen. So ist dem "offiziellen" und durch zahlreiche Veröffentlichungen wohlbekannten Wohnbereich Rudolphs ein mehr oder weniger geheimer, abgeschiedener zweiter Wohntrakt im rückwärtigen Teil zugesellt, über dessen Existenz die meisten Besuchenden wohl im Unklaren gelassen wurden. In ihm lebte bis zu Rudolphs Tod im Jahr 1997 dessen Lebensgefährte Ernst Wagner.

Wie sich der Grad des "Verstecken-Müssens" des Partners nach und nach wohltuend vermindert hat und schließlich einem selbstbewussten Auftreten gewichen ist, zeigt überraschenderweise der Blick in deutschsprachige Architekturzeitschriften. Hier wurden immer wieder Wohnungen von schwulen Paaren vorgestellt, von denen mindestens einer Architekt war. Sie sind im besprochenen Buch nicht enthalten und sollen daher kurz vorgestellt werden (herzlichen Dank an Dr. Michael Bischoff sowie Alexander Hoff für die Hinweise auf sie). Es handelt sich dabei zunächst um die Dachgeschosswohnung von Heinz Gottberg und Dieter Allers, beides Architekten, in München-Schwabing. Ab 1969 geplant, wurde sie 1970/71 ausgeführt und 1972 in der Publikumszeitschrift "Schöner Wohnen" (Heft 5, S. 280-284) sowie 1973 im Fachmagazin "Bauwelt" (S. 1914) in Wort und Bild publiziert. Auf einer der von Sigrid Neubert aufgenommenen Fotografien sieht man "die Hausherren am privaten Arbeitsplatz auf der Empore", so die vielsagende Bildunterschrift.

Und im Februar 2009 erschien dann in der Zeitschrift "Architectural Digest" eine mehrseitige Bildreportage über die "radikal moderne Villa an der Elbe", die sich der Anwalt Stefan Heinemann und der Architekt Jens Zander nach ihrer Hochzeit 2006 in Dresden gebaut haben. Unter dem Titel "Elbharmonie" werden ab S. 98 nicht nur die öffentlichen Räume des Hauses wie Wohnhalle und Treppenhaus gezeigt, sondern auch das speziell gestaltete Bad und die Küche. Überdies wird das schwule Paar in einer freundlichen und sehr selbstbewussten Porträtaufnahme abgelichtet.


Aus der Zeitschrift "Architectural Digest" von 2009: der schwule Architekt Jens Zander mit seinem Ehemann im selbst gebauten Haus

Pride-Denkmalpflege

Ein solches Foto war 40 Jahre vorher noch undenkbar, als die Ächtung gleichgeschlechtlicher Sexualität noch in nahezu allen Ländern der Welt verbreitet war. Durch welche architektonischen Kniffe jedoch bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Leben in Würde ermöglicht wurde, zeigt das Beispiel des Wohnhauses St. Ann's Court von Raymond McGrath im britischen Chertsey. Der Architekt baute St. Ann's Court 1937 für den Landschaftsarchitekten Christopher Tunnard und den Börsenmakler Gerald Schlesinger. Auffallend ist zunächst, dass das gemeinsame Schlafzimmer von Tunnard und Schlesinger im Haus die zentrale Position einnimmt, da es sowohl im Grundriss wie auch im Schnitt des Gebäudes den Mittelpunkt besetzt. Beinahe könnte man denken, McGrath hätte das gesamte Anwesen auf diesen einen Raum hin konzipiert. Doch dieses Schlafzimmer in Form eines konzentrischen Grundriss-Kreises, so Bresan in seinem Beitrag, "war für Tunnard und Schlesinger nicht nur der größtmögliche Ausdruck ihrer gegenseitigen Zuneigung, sondern aufgrund der strafrechtlichen Bedrohung jeglicher homosexueller Handlungen auch deren größte Gefahr."

Damit Tunnard und Schlesinger im schlimmsten Fall die wahre Natur ihrer Beziehung vor der Öffentlichkeit und der Polizei geheim halten konnten, hatte McGrath den genialen architektonischen Einfall, dieses kreisrunde Schlafzimmer an zwei gegenüberliegenden Seiten mit tiefen Nischen zu versehen. Offiziell galten diese beiden Raumteile als die eigentlichen Schlafzimmer der beiden "Junggesellen" Tunnard und Schlesinger und das dazwischen liegende runde Zimmer als gemeinsames Vor- und Garderobenzimmer. In Wirklichkeit verfügten beide Männer über Betten auf versteckten Rollen, die nachts im Schlafzimmer zusammengestellt wurden und lediglich tagsüber in den beiden nur durch einige Vorhänge halbherzig abgetrennten Nischen standen.


Eine Villa für zwei Junggesellen von Raymond McGrath – oberhalb der Blumen das kreisrunde Schlafzimmer mit den fahrbaren Betten (Bild: The Modern House)

Heute steht das Haus unter Denkmalschutz, und dies nicht nur wegen seiner eigenwilligen Form und seiner modernen Beton-Bauweise, sondern auch wegen Tunnard und Schlesinger und der Geschichte ihres gemeinsamen Schlafzimmers! Es zählte tatsächlich zu den ersten Häusern, die in das von der staatlichen Denkmalpflege und der Leeds Beckett University initiierte Programm "Pride of Place" aufgenommen wurden. Dies ist eine wirklich großartige Initiative, die beispielsweise auch in den USA in verschiedenen Staaten in ähnlicher Weise umgesetzt wurde, unter anderem von der Denkmalpflegebehörde in Los Angeles. Aufgrund ihrer Bedeutung für die Sichtbarmachung queerer Architekturgeschichte als Teil der allgemeinen Kulturgeschichte sind solche Programme unbedingt auch von den Landesdenkmalämtern in Deutschland umzusetzen. Nur auf diese Weise kann das in der gebauten Umwelt befindliche Erbe von LGBTI in den Bundesländern gezielt erforscht, dokumentiert und für die Nachwelt erhalten werden.

Baustein einer queeren Architekturgeschichte


Das Buch "Schwule Architekten" ist im Verlag Wasmuth & Zohlen erschienen

Der Weg der berufsgeschichtlichen Forschung ist aufgrund der Fragmentierung der Quellen mühsam, ohne Zweifel. Dass er sich aber allemal lohnt, zeigt das Beispiel der Ingenieure, die ebenfalls begonnen haben, ihre queere Geschichte biografisch zu erschließen.

Wie bereits angeklungen, gibt es neben den im Buch präsentierten Biografien noch weitere schwule Architekten, deren Leben und Werk zu erforschen wäre. Dazu zählt unter anderem der spätere Professor für Baukonstruktion und Entwerfen an der TH Karlsruhe, Rudolf Büchner, der in Briefen an seine Schwester von seinem Schwulsein schreibt (sogar während des Dritten Reiches) und dessen Nachlass sich noch unerschlossen im saai Archiv für Architektur und Ingeneurbau befindet (freundlicher Hinweis von Dr. Gerhard Kabierske, ehemals saai).

Der Sammelband bildet den Ausgangspunkt für eine insgesamt noch zu schreibende queere Architekturgeschichte, zu der viele einzelne, auch monografische Studien zu Architekt*innen, Auftraggeber*innen und einzelnen Gebäuden als Bausteine nötig sind. Auch die von Bresan und Voigt mehrmals als Forschungsdesiderat erkannte zusammenfassende Untersuchung über die eigenen Häuser von LGBTI-Architekt*innen kann ihren Beitrag zu diesem Gesamtbild leisten, wenn sie in Zukunft einmal geschrieben werden wird.

Infos zum Buch

Wolfgang Voigt, Uwe Bresan: Schwule Architekten – Gay Architects. Verschwiegene Biografien vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. Silent Biographies from the 18th to the 20th Century. Deutsch-englische Ausgabe. 304 Seiten mit 163 meist farbigen Abbildungen. Verlag Wasmuth & Zohlen. Tübingen 2022. Taschenbuch: 39,80 € (ISBN 978 3 8030 2378 0)

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